Dissertation

Tierärztliche Hochschule Hannover / Bibliothek – School of Veterinary Medicine Hannover / Library

 

Leonie Jungermann

 

Einfluss verschiedener Konstruktionsprinzipien von Sattelbaum, Gurtung und Polsterung auf die Druckverteilung unter dem Dressursattel

 

NBN-Prüfziffer

urn:nbn:de:gbv:95-103125

title (engl.)

The influence of different construction principles of the saddle tree, the billet placement and the panel construction on the pressure distribution under the dressage saddle

publication

Hannover, Tierärztliche Hochschule, Dissertation, 2013

text

http://elib.tiho-hannover.de/dissertations/jungermannl_ss13.pdf

abstract (deutsch)

In der vorliegenden Studie wurde die Druckentwicklung von drei Dressursattelmodellen unterschiedlicher Hersteller untersucht. Es handelte sich um das Modell Grand Gilbert der Firma Passier, das Modell Achat der Firma Euroriding und das Modell D1 der Firma Prestige. Mit Hilfe des Messsystems Pliance mobile 16HE der Firma Novel GmbH wurden die Druckwerte der drei Sättel auf zehn gut ausgebildeten Warmblutpferden in allen Grundgangarten unter einer professionellen Reiterin aufgezeichnet. Für die einzelnen Bewegungszyklen wurden die Maximal- und Durchschnittsdruckwerte der einzelnen Sensoren aufgezeichnet und die entstandenen Druckbilder digitalisiert. Die Sensorfläche der Messdecke wurde in Drittel und Sechstel unterteilt und Durchschnittswerte für diese Bereiche errechnet. Gleichzeitig wurden die Längenverhältnisse und die Bauteile der verwendeten Sattelmodelle vermessen. Auch die Rückenform der Pferde wurde jeweils über dem vierten, dem siebten und dem elften Brustwirbeldornfortsatz vermessen und als digitalisierte Kurve weiter verarbeitet. Die entstandenen Druckmuster wurden mit den Positionen der Sattelbauteile auf der Messdecke, den Rückenformen, sowie der Bewegung des Sattels im Bewegungsablauf der Pferde in Verbindung gebracht. Insgesamt wurde nachgewiesen, dass die meisten der verwendeten Sättel von den beurteilenden Sattlern mit einer zu engen Ortweite angepasst wurden. Diese Praxis scheint auch unter realen Bedingungen häufig Verwendung zu finden. Es stellte sich heraus, dass besonders das Gurtungssystem einen großen Einfluss auf die Lage und Stabilität des Sattels in der Bewegung ausübt: Eine einzelne Gurtstrupfe in Verbindung mit einer an den Ortspitzen angebrachten Vorgurtstrupfe scheint die Kippbewegung des Sattels in den schwunghaften Gangarten nicht abfangen zu können. So kam es in Verbindung mit einem relativ kurzen Kopfeisen und einer engen Ortweite bei diesem Gurtungssystem zu hohen Druckwerten entlang der Vorderkante des Sattels, die evtl. einen Satteldruck verursachen können. Wurde ein anderes Sattelmodell mit vergleichbar enger Ortweite kombiniert mit einem V-Gurtungssystem getestet, reduzierte sich die Kippbewegung des Sattels deutlich und es kam zu einer gleichmäßigeren Druckverteilung über die gesamte Auflagefläche des Sattels. Des Weiteren konnte festgestellt werden, dass ein Sattel mit deutlich größerer Ortweite eine Druckentlastung der cranialen Sattellage bewirken kann. Hier konzentrierte sich der Druck allerdings im mittleren Satteldrittel. Zudem konnten longitudinale, längs zur Wirbelsäule verlaufende Druckmuster beobachtet werden. In Verbindung mit dem vom Hersteller mitgelieferten „Trapezpad” wurden hier an der Hinterkante des Pads, im mittleren Messdeckendrittel, zusätzlich sehr hohe lokale Spitzendrücke registriert, die nach Erkenntnissen anderer Studien (NYIKOS et al. 2005, VON PEINEN et al. 2010) so stark ausgeprägt waren, dass sie klinische Symptome eines Satteldruckes hervorrufen können. Eine Folgestudie könnte hier klären, ob dieses Pad tatsächlich den vom Hersteller beabsichtigten stabilisierenden Effekt auf die Lage des Sattels hat. In der vorliegenden Studie zeigte sich, dass jedes Sattelmodell ein charakteristisches, reproduzierbares Druckmuster erzeugt. Durch die manuelle Digitalisierung der einzelnen Sensorwerte war es hier erstmalig möglich auch einzelne lokale Druckpunkte zu erfassen und statistisch auszuwerten. Die Messdeckendrittel und -sechstel konnten in dieser Studie erstmals für jeden Versuchsdurchlauf genau auf die Anordnung des Sattels auf der Messdecke bezogen, unterteilt werden. So konnte, trotz des notwendigen Umsattelns im gewählten Studiendesign, eine sehr hohe Reproduzierbarkeit der Druckmessungen erreicht werden. Die Druckdifferenzen einzelner Sensorwerte und -zeilen untereinander, konnten detailliert dargestellt und rechnerisch ausgewertet werden. Damit war es möglich, Korrelationen zwischen auffälligen lokalen Druckwerten und der Lage einzelner Sattelbauteile, sowie der Form der Pferderücken zu erkennen. Das angewendete Verfahren erlaubte es außerdem, besonders hohe Einzelsensorenwerte rechnerisch zu glätten und so die Auswirkung der Druckpunkte einzelner Sattelbestandteile auf den Gesamtdruck eines Messdeckendrittels zu beurteilen.

 

abstract (englisch)

In the study on hand the development of the pressure of three dressage saddle models of different manufacturers was examined: the model Grand Gilbert of the company Passier, the model Achat of the company Euroriding and the model D1 of the company Prestige. The pressure distribution of these three saddles was recorded by the measuring system Pliance mobile of the Novel GmbH on ten well ridden warmblood horses in all gaits with a professional rider. The maximum and mean pressure values of every sensor were recorded for ten movement cycles in each gait and the arisen pressure pictures were digitised. The sensor area of the pressure measuring mat was divided into thirds and sixths. Average values were calculated for each of these areas. At the same time the components and their relations of length of the used saddles were measured. The horses’ back shapes were also measured across the dorsal spinous processes of the fourth, the seventh and the eleventh thoracic vertebrae and further processed as a digitised curve. The arisen pressure patterns were related to the positions of the saddle components on the sensor mat and the movement of the saddle in the motion-sequence of the horses. It should be noted that most of the used saddles were fitted too narrow in the wither area by the saddlers. This practice seems to be frequently used under real conditions in the stables. However, it turned out that particularly the billet system exerts a great influence on the position and stability of the saddle in the horse’s movement: a single rear strap combined with a point strap, attached to point of tree doesn't seem to be able to intercept the tipping forward and downward of the saddle in trot and canter. Added to a short pointed narrow tree this construction created high focal pressure points under the leading edge and the headplate of the saddle, which are associated with clinical symptoms of saddle soreness. The combination of a comparable narrow gullet in the withers area with V-system billets reduced the pitching of the saddle considerably. It effected an even pressure distribution over the whole contact area. Furthermore it was noticed that a saddle with a wide tree in the withers area can cause a decrease of pressure under the cranial third of the saddle. In this case the highest pressure was concentrated in the middle third of the sensor mat. Moreover, longitudinal pressure patterns bilateral next to the thoracic spinal processes appeared. Using the provided trapezium pad of Prestige Italy, which is designed to be used with the D1 saddle, the sensor mat recorded extremely high peak pressures underneath the rear edge of this pad in the middle third of the saddle. They could also cause symptoms of saddle soreness and back pain in the horse. A follow-up study could analyze if there is in fact a stabilizing effect on the saddle by this device. In the current study it turned out that every saddle model produces a characteristic, reproducible pressure pattern. By manual digitalisation of every single sensor value even single local pressure points could be included and statistically evaluated for the first time. It was also possible to apply the position of the thirds and sixth of the sensor mat to the arrangement of saddle and sensor mat on the horseback. In spite of the necessity to change the saddles on the horses back after each measurement a very high reproducibility of the pressure measuring could be reached in the chosen study design. This way pressure differences of single sensor values and rows of sensors could be represented and calculated in detail. Correlations between significant local pressure patterns, single saddle components and the horses back shapes could be recognized. Moreover this treatment facilitated the calculative smoothing of particularly high single sensor pressure values and the evaluation of the effects of pressure points caused by certain saddle components on the mean pressure values of the different areas of the measuring device.

 

keywords

Dressursattel, Sattelanpassung, Druckverteilung, dressage saddle, saddle fit, pressure distribution

kb

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