Dissertation

Tierärztliche Hochschule Hannover / Bibliothek – School of Veterinary Medicine Hannover / Library

Carolin Holling

Untersuchungen von praxistauglichen Maßnahmen zur Verhinderung des Schwanzbeißens bei Absetzferkeln und Mastschweinen

 

NBN-Prüfziffer

urn:nbn:de:gbv:95-109848

title (eng.)

Investigations of practicable interventions to reduce tail biting in weaners and fattening pigs

publication

Hannover, Tierärztliche Hochschule, Dissertation, 2017

text

http://elib.tiho-hannover.de/dissertations/hollingc_ss17.pdf

abstract (deutsch)

Die vorliegende Arbeit umfasst zwei Untersuchungen von praxistauglichen Maßnahmen zur Verhinderung von Schanzbeißen bei Absetzferkeln und Mastschweinen sowie eine Literaturübersicht zum Einsatz von Stroh als Beschäftigungsmaterial in der Schweinehaltung.

In einer Machbarkeitsstudie wurden Schweine mit nicht kupierten Schwänzen, sowie, vergleichend dazu, Schweine mit kupierten Schwänzen in vier konventionell produzierenden Betrieben in Niedersachsen von der Aufzucht bis zur Schlachtung untersucht. Vor Einstallung der Tiere wurden die betriebsspezifischen Risikofaktoren für das Schwanzbeißen geprüft und soweit möglich reduziert. Zusätzlich wurden in jedem Betrieb individuelle präventive Maßnahmen, wie z. B. die Bereitstellung von zusätzlichen, meist nicht organischen Beschäftigungsmaterialien oder Futterzusätzen, ergriffen. Die Landwirte wurden in der Tierbeobachtung geschult, um Anzeichen eines beginnenden Schwanzbeißens rechtzeitig zu erkennen und weitere Maßnahmen ergreifen zu können. Eine Beurteilung der Schwänze der Tiere erfolgte in 14-tägigen Abständen nach einem festgelegten Bewertungsscore. In die Auswertung gingen zudem die erfassten Schlachtdaten der Tiere ein. Schwanzbeißen trat in jedem Durchgang in allen Betrieben bei den nicht kupierten Schweinen bereits in der Ferkelaufzucht auf. Im Durchschnitt aller Betriebe konnten 53,5% der nicht kupierten Tiere mit vollständiger Schwanzlänge in die Mast eingestallt werden. Zum Ende der Mast wiesen noch 24,2% der nicht kupierten Tiere einen intakten Schwanz auf. Bei den nicht kupierten Tieren ergab sich eine signifikant höhere Mortalität als bei den kupierten Schweinen (p = 0,0104). Die vermehrte Beanstandung von Abszessen am Schlachthof bei nicht kupierten Tieren mit vorhergehenden Verletzungen durch Schwanzbeißen war ebenfalls signifikant (p < 0,0001).

Die Ergebnisse dieser Untersuchung zeigen, dass die Haltung von nicht kupierten Schweinen in konventionellen Betrieben eine große Herausforderung ist. Schwanzbeißen konnte durch die hier erprobten präventiven Maßnahmen nicht verhindert werden, sodass sowohl tierschutzrelevante Verletzungen der Schweine, als auch wirtschaftliche Schäden für die Landwirte aufgetreten sind.

In einer zweiten Untersuchung wurde die Verabreichung von Stroh über den Düsser Wühlturm in einem konventionellen Betrieb erprobt, in dem seit mehreren Jahren Schwanzbeißen bei kupierten Schweinen aufgetreten war.

In vier aufeinanderfolgenden Durchgängen wurden 160 Schweine mit kupierten Schwänzen in eine Strohgruppe (SG) und eine Kontrollgruppe (CG) aufgeteilt und vom Absetzten bis zur Ablieferung an den Schlachthof verfolgt.

Schwanzbeißen trat vor allem in Durchgang 2 während der Mastphase auf und wurde vermutlich durch einen Lüftungsausfall ausgelöst, der zu einer deutlichen Verschlechterung der Luftqualität (z.B. Ammoniak) und der klimatischen Bedingungen führte (z.B. Temperaturschwankungen).

Hinsichtlich der Verteilung von Score ≥ 2 in den Buchten der SG und der CG konnten keine signifikanten Unterschiede festgestellt werden. Beißabdrücke (Score 1) wurden auf Einzeltierebene in 395 Fällen (SG n=197, CG n=198) in allen Durchgängen aufgezeichnet. In der Ferkelaufzucht erhöhte ein Anstieg der Luftgeschwindigkeit signifikant die Wahrscheinlichkeit, dass mindestens ein Tier pro Bucht und Woche eine Schwanzläsion (Score ≥ 1) aufwies (p=0.024), während in der Mastphase die Ammoniakkonzentration positiv mit dem Auftreten von Schwanzläsionen assoziiert war (p=0.007). Der durchschnittliche, tägliche Strohverbrauch lag bei 3,5 g/Ferkel während der Ferkelaufzucht und bei 31,7g/Schwein während der Mastphase.

Aufgrund der geringen Prävalenz von Schwanzbeißen in allen Durchgängen konnte die Effektivität des Einsatz von Stroh mithilfe des Wühlturms hinsichtlich der Reduzierung von Schwanzbeißen nicht abschließend beurteilt werden. Bei einem durchschnittlichen Strohverbrauch von 3,5 g/Ferkel/Tag während der Ferkelaufzucht bzw. 31,7g/Schwein/Tag während der Mast wurde der durchschnittliche Zuwachs pro Schwein nicht negativ beeinflusst.

abstract (englisch)

The present thesis contains two studies, focussing on the investigation of practicable intervention strategies to reduce tail biting in weaners and fattening pigs, and a literature review, which deals with the provision of straw as enrichment material.

In a feasibility study, weaning and fattening pigs with undocked tails, and docked tails as a control group, were kept simultaneously on four conventionally producing farms in Lower Saxony, Germany. Before stocking, the farm-specific risk factors for tail biting had been analyzed and, if possible, reduced. Furthermore, on every farm, individual preventive measures, for example, additional pen enrichments and feed additives had been adopted. The farmers had been trained in animal observation, recognition of tail biting prior to outbreaks and measures to be taken when tail biting occurred. The tails of the pigs were examined every second week. Additionally, carcass characteristics were documented and analysed.

Tail biting was observed in every batch on every farm during the rearing period. Combining data from all the farms, a mean of 53.5% of pigs with undocked tails could enter the fattening period without tail lesions. At the end of fattening, only 24.2% of the undocked slaughter pigs had intact tails. Additionally, in the group with undocked tails, mortality was significantly increased (p = 0.0104) in comparison with the control group and abscesses were detected significantly more frequently in carcasses of undocked pigs (p < 0.0001).

The results of this study show that keeping pigs with undocked tail is a key challenge for conventionally producing farms. Tail biting could not be avoided by the preventive measures, investigated in this study. As a consequence, tail biting resulted reduced animal welfare and economic losses.

In the second study the effect on tail biting by providing straw via a foraging tower (Düsser Wühlturm) was investigated in a conventionally producing farm, which had a history of tail biting for several years. Four consecutive batches of 160 pigs, randomly divided into a straw (SG) and a control group (CG) were followed up from weaning to slaughter. Tails were scored once a week.

Tail wounds were mainly focused on the fattening period of batch 2 due to a failure in the ventilation system, which resulted in a number of climatic and air quality changes including higher ammonia concentrations and sudden temperature changes. No significant differences concerning the distribution of Score ≥ 2 in pens of the SG and CG could be identified. Bite marks (Score 1) were documented in 395 observations at animal level (SG n=197, CG n=198) in all batches. In the nursery period, the air velocity significantly increased the chance that at least one pig per pen and week showed a tail lesion score ≥1 (p=0.024). In the fattening period ammonia concentration was positively associated with tail lesions (p=0.007).

Due to the low prevalence of tail biting in all batches the effect of the FT tower could not be evaluated conclusively. The operation of the FT with an average daily straw consumption of 3.5 g/pig (SD=1.1) during the rearing period and 31.9 g/pig (SD=7.7) during the fattening period did not affect the weight gain. Exploratory behaviour seems to cause bite marks (score 1), which do not necessarily result in tail biting.

The literature, which deals with the provision of straw as enrichment material, gives evidence, that straw stimulates rooting and explorative behaviour of pigs and can help to prevent tail biting. Pigs prefer long straw more than chopped straw and an application, which simultaneously offers access to as many pigs as possible, is most effective. It is unlikely that straw consumption has a negative influence on weight gain and feed consumption. A risk for animal health is unlikely and it can be further reduced by the provision of sensorially tested material with a good hygienic status.

In conclusion, the prevention of tail biting is a great challenge, especially in pigs with undocked tails but as well in pigs with docked tails.

keywords

Schwanzbeißen, Tierwohl, Stroh ; tail biting, animal welfare, straw

kb

13.508