Dissertation

Tierärztliche Hochschule Hannover / Bibliothek – School of Veterinary Medicine Hannover / Library

Natalie Hildebrandt

Untersuchung zur Vereinbarkeit von Studium und Familie an der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover unter Berücksichtigung der Digitalisierung der Lehre

 

NBN-Prüfziffer

urn:nbn:de:gbv:95-111285

title (eng.)

Evaluation of the compatibility of study and family life at University of Veterinary Medicine Hannover, Foundation, considering digitizing of teaching material

publication

Hannover, Tierärztliche Hochschule, Dissertation, 2018

text

http://elib.tiho-hannover.de/dissertations/hildebrandtn_ss18.pdf

abstract (deutsch)

Vor dem Hintergrund, dass 87% der Studienanfänger im Wintersemester 2016 im Fach Tiermedizin weiblich waren (BUNDESTIERÄRZTEKAMMER 2017) und neben der beruflichen Orientierung auch der Wunsch nach einer Familienplanung an Bedeutung zunimmt, besteht die Herausforderung, die Vereinbarkeit von Familie und Studium zu fördern. Die Entwicklung von Frauen in der Tiermedizin in Deutschland wurde beispielsweise durch die Arbeiten von MAURER (1997) und BIRKHAN (2015) untersucht. Die Möglichkeiten digitaler Lerntechnologien in der Tiermedizin wurden unter anderem von EHLERS et al. (2007, 2010, 2011) erforscht. Die vorliegende Arbeit verknüpft erstmalig zwei Komponenten der aktuellen Hochschulsituation miteinander: den hohen Anteil weiblicher Tiermedizinstudierender und die vielfältigen Möglichkeiten digitaler Lehrmethoden.

Das Ziel der vorliegenden Studie war es, die Vereinbarkeit von Familie und Studium an der TiHo Hannover zu analysieren. Ein Schwerpunkt der Arbeit lag auf der Untersuchung zum Einsatz digitaler Lehrmethoden im Vergleich zu Präsenzveranstaltungen und inwieweit diese die Situation von Studierenden mit Kind verbessern können. Anhand qualitativer und quantitativer Umfragen sollte zunächst der Status Quo an der TiHo ermittelt werden und darüber hinaus auch die Situation an allen veterinärmedizinischen Bildungsstätten in Deutschland sowie die retrospektive Einschätzung approbierter Tiermedizinerinnen und Tiermediziner hinsichtlich der Vereinbarkeit von Familie und Studium. Der qualitative Anteil der vorliegenden Arbeit gliederte sich in leitfadengestützte Einzelinterviews mit Studierenden mit Kind an der TiHo sowie Fokusgruppenbefragungen mit Studierenden der laufenden Semester an der TiHo. An den Einzelinterviews nahmen insgesamt 32 Tiermedizinstudierende aus dem Grundstudium und Promotion teil. Die sechs Fokusgruppen setzten sich aus jeweils sechs bis acht Studierenden des ersten bis elften Semesters zusammen. Die Fragen der Einzelinterviews umfassten Allgemeines zur Person, Familienstand, Finanzielle Situation, Studieren mit Kind, Angebote der Hochschule und Digitalisierung der Lehre. Mit den Studierenden der Fokusgruppen wurden Interviews mit Fragen zur Familienplanung sowie Fragen zur Digitalisierung durchgeführt. Der quantitative Anteil beinhaltete zwei Online-Umfragen. Eine der beiden Umfragen richtete sich an alle Tiermedizinstudierenden inklusive Promotionsstudierenden an veterinärmedizinischen Ausbildungsstätten in Deutschland. Hier nahmen insgesamt 1129 Studierende teil. Die andere Umfrage, an der sich 883 Personen beteiligten, war an bereits approbierte Tierärztinnen und Tierärzte adressiert. Beide Fragebögen umfassten allgemeine Fragen zur Person, Lebenssituation, Familienplanung, Situation an der Hochschule, Studiensituation, Einkommen und Finanzierung sowie zur Digitalisierung der Lehre. Darüber hinaus wurde die jährliche Evaluation durch die Studierenden der TiHo aus den Jahren 2004 bis 2017 im Hinblick auf spezifische Fragestellungen ausgewertet. Bei den Fragen ging es um die Einrichtung einer KiTa, die Bewertung von E-Learning-Angeboten sowie Schwierigkeiten, mit denen sich die Tiermedizinstudierenden der TiHo während ihrer Ausbildung konfrontiert sahen.

Anhand umfangreicher Ergebnisse kann die vorliegende Studie zeigen, dass die Vereinbarkeit von Familie und Studium an der TiHo Hannover trotz bereits bestehender Angebote verbessert werden kann. Aus den Untersuchungen geht hervor, dass die beste Zeit für die Familienplanung während des Studiums zwischen dem fünften und achten Semester sowie zum Zeitpunkt der Promotion gesehen wird. Da bei der Beantwortung dieser Frage die Möglichkeit bestand, Mehrfachnennungen vorzunehmen, wurden auch die Zeit während der Berufstätigkeit sowie vor Beginn des Studiums häufig genannt. Insbesondere der hohe Arbeitsaufwand, die fehlende Flexibilität hinsichtlich obligatorischer Präsenzveranstaltungen und die damit verbundene Belastung stellen nicht nur für Studierende mit Kind Schwierigkeiten dar, sondern scheinen ein grundlegendes Problem aller Tiermedizinstudierenden zu sein.

Aus den Untersuchungen geht die Einschätzung hervor, dass die Digitalisierung der Lehre ergänzend zur Präsenzlehre einen erheblichen Beitrag dazu leisten kann, die räumliche und zeitliche Flexibilität von allen Studierenden zu erhöhen. Bei den Einzelinterviews mit Studierenden mit Kind wurden diesbezüglich als hilfreiche digitale Lehrangebote Vorlesungsaufzeichnungen genannt. Auf diese Weise können Studierende unabhängig von Präsenzveranstaltungen Lehrinhalte nachholen, wiederholen und als Prüfungsvorbereitung von zu Hause aus nutzen. Dies kommt Studierenden mit Kind entgegen, die vorrangig zu Hause und häufig in den Abendstunden lernen. So können Studierende mit Kind ihren Nachwuchs parallel zum Selbststudium zu Hause betreuen, sofern das Kind schläft oder sich ruhig verhält. Digitale Lehrangebote, die von Studierenden der Tiermedizin sowohl gekannt als auch genutzt werden, sind vorrangig Fallbeispiele im Lern- und Autorensystem CASUS, das Virtuelle Mikroskop, Vorlesungsaufzeichnungen, Lehrfilme, Videos auf YouTube sowie Elektronische Unterrichtsmaterialien. Vorgeschlagen wurde zum Beispiel die Entwicklung eines virtuellen Mikroskops für weitere labordiagnostische Fächer, um das Selbststudium zu unterstützen sowie einheitliche Skripte, durch die fächerübergreifend ein homogener Leistungsstand innerhalb eines Semesters erzeugt werden könnte. Die Studierenden der Online-Umfrage besitzen als internetfähige Geräte überwiegend Smartphones und Laptops. Die Mehrheit der Befragten aus beiden Online-Umfragen sieht eine zeitgemäße Lehre in der Kombination aus Präsenzveranstaltungen und digitalen Lehrangeboten.

Schlussfolgerung:

Vor dem Hintergrund eines konstant hohen Frauenanteils ist die Vereinbarkeit von Familie und Studium mit zusätzlichen Angeboten zur Unterstützung weiter zu diskutieren. Hilfreich wären beispielsweise eine ausführliche Information zu Beginn des Studiums sowie die Einrichtung einer Kinderbetreuung vor Ort. Außerdem sollte der Einsatz digitaler Lehrangebote in der tiermedizinischen Aus-, Fort-, und Weiterbildung als Ergänzung zur Präsenzlehre weiter ausgebaut werden, da alle Studierenden, nicht nur Studierende mit Kind, von der Erhöhung der Flexibilität profitieren können und darüber hinaus gleichzeitig eine Weiterentwicklung des Studienganges resultiert.

abstract (englisch)

In the winter semester term 2016 in veterinary medicine 87% of newly enrolled students were female (BUNDESTIERÄRZTEKAMMER 2017). Since their desire for family planning becomes more important, Universities face the challenge to encourage the simultaneous compatibility of family life and studies.

The development of women in veterinary medicine in Germany was examined, for example, by work of MAURER (1997) and BIRKHAN (2015). The opportunities offered by digital learning technologies in veterinary medicine have been addressed by EHLERS et al. (2007, 2010, 2011)

The present work combines two important components of the current university situation:

The high proportion of female veterinary students and the various opportunities that result in digitizing teaching material.

 

The aim of the present study was to analyze the compatibility of study/learning and family life at the TiHo Hanover.

It should be evaluated, if digital teaching methods could improve the learning situation of students with children.

Based on qualitative and quantitative surveys, the status quo at the TiHo was firstly determined. Secondly, the situation at all veterinary educational institutions in Germany should be determined, alongside the retrospective appraisement of licensed veterinarians regarding the compatibility of family life and studies.

The qualitative part of the present work was divided into guideline-based individual interviews with students with children and into focus group surveys with students of the current study years at the TiHo.

A total of 32 veterinary students from undergraduate and doctorate studies took part in the individual interviews. Each of the six focus groups consisted of six to eight students from the first to the eleventh semester. Questions of the individual interviews included general information about the person, marital status, financial situation, studying with children, offers of the university and digitization of teaching. Interviews were held with the students of the focus groups and included questions on family planning and questions about digitization. The quantitative part involved two online surveys. One of the two surveys was addressed to all veterinary students including doctoral students at the five veterinary training centers in Germany. A total of 1129 students participated. The other survey, involving 883 people, was addressed to veterinarians already working in the different fields of veterinary medicine. Both questionnaires included general questions about the person, family status, family planning, situation at the university, study situation, income and financing as well as the digitization of teaching. Furthermore, the annual evaluation by the TiHo students from the years 2004 to 2017 was analysed with regard to specific questions. The questions were about setting up a KiTa, valuation of e-learning opportunities, and difficulties that TiHo veterinary students were faced with during their education. The best time for planning a family during veterinary studies is seen between the fifth and eighth semester as well as during phd work. The participants had the choice to give multiple answers. That´s the reason why the time before doing veterinary medicine studies and while working were also listed.

In particular, the high workload, lack of flexibility in terms of mandatory face-to-face events and associated burdens posed difficulty for students with children. Not only this, but it also seems to be a fundamental problem of all veterinary students. From the investigations, it is estimated that the digitization of teaching, in addition to classroom teaching, can make a significant contribution to increase the flexibility of all students in terms of time and space.

In this regard, digital courses like lecture recordings were mentioned as helpful during the individual interview. This way, students can catch up on learning content, repeat it and use it as an exam preparation from home, regardless of classroom sessions. This is beneficial to students with children who primarily study at home and often study in the evenings. In this way, students with children are able to care for their offspring at home and are parallel able to pursue their self-study.

Digital courses that were known and used by students of veterinary medicine were primarily case studies in the learning and authoring system CASUS, the virtual microscope, lecture notes, educational films, videos on YouTube and electronic teaching materials.

The development of a virtual microscope for other laboratory diagnostic subjects was suggested in order to support self-studies. Consistent scripts to create a homogenous performance level within a semester across subjects were also suggested.

When asked about Internet-enabled devices, the majority of students said they owned a smartphone and laptop. Fewer than half of the interviewees had their own tablet available. The majority of the respondents from both online surveys appreciate contemporary teaching in the combination of classroom sessions and digital teaching.

Conclusion:

Against the background of a constantly high proportion of women, the reconciliation of family and studies with additional offers for support must be further promoted, for example by a detailed information program at the beginning of the study as well as the establishment of childcare on site.

Moreover, the use of digital teaching courses in veterinary education, further education and further training as a supplement to classroom teaching should be further expanded. Ultimately, all students, especially students with children, can benefit from the increase in flexibility and, at the same time, result in further development of the degree program.

keywords

Tiermedizin, Vereinbarkeit, Familie, veterinary students, compatibility, family life

kb

1.158