Dissertation

Tierärztliche Hochschule Hannover / Bibliothek – School of Veterinary Medicine Hannover / Library

 

 Franziska Hildebrand

 

 Klinische Wirksamkeit und unerwünschte Arzneimittelwirkungen von Gamithromycin (Zactran®) bei der Behandlung der Bronchopneumonie des Fohlens

 

NBN-Prüfziffer

urn:nbn:de:gbv:95-109132

title (ger.)

Clinical efficacy and adverse effects of gamithromycin (Zactran®) in the treatment of bronchopneumonia in foals

publication

Hannover, Tierärztliche Hochschule, Dissertation, 2016

text

http://elib.tiho-hannover.de/dissertations/hildebrandf_ws16.pdf

abstract (deutsch)

Das Ziel der ersten Studie war es, die Effektivität von Gamithromycin zur Behandlung der Bronchopneumonie des Fohlens zu überprüfen und einen Vergleich mit dem Goldstandard Rifampicin in Kombination mit Azithromycin zu erbringen. Die Studie wurde als prospektive, kontrollierte Blindstudie geplant.

Dazu wurden 121 Fohlen eines deutschen Warmblutgestüts, welche klinisch und ultrasonographisch an einer Pneumonie erkrankt waren, mit einem randomisierten Verfahren in drei Gruppen eingeteilt. Die Fohlen der Gruppe 1 wurden mit Gamithromycin (6 mg/kg KGW, i.m., einmal wöchentlich) behandelt. Die Fohlen der Gruppe 2 erhielten eine Kombinationstherapie aus Rifampicin und Azithromycin (jeweils 10 mg/kg KGW, p.o., einmal täglich). Die dritte Gruppe stellte eine Kontrollgruppe da, die Fohlen dieser Gruppe erhielten nur ein orales Placebo. Alle Fohlen der Studie erhielten zusätzlich zweimal täglich Acetylcystein in einer Dosierung von 10 mg/kg KGW p.o. über den gesamten Behandlungszeitraum. Um den Behandlungserfolg der 3 Behandlungsprotokolle bewerten zu können, wurden alle Fohlen wöchentlich klinisch untersucht und die Blutleukozytenzahl bestimmt. Des Weiteren wurden zweimal wöchentlich die sonographischen Lungenbefunde erhoben.

In der Gamithromycin-Gruppe wurden 38 von 40 Fohlen (95 %) geheilt. In der Rifampicin/Azithromycin-Gruppe sind 39 von 40 Fohlen (98 %) genesen. Die durchschnittliche Therapiedauer lag in der Gamithromycin-Gruppe bei 45 Tagen, in der Gruppe der Kombinationstherapie Rifampicin/Azithromycin bei 44 Tagen. Gamithromycin erwies sich somit bei der Behandlung der Rhodokokkose als ebenso effektiv wie die Therapie mit dem Goldstandard Rifampicin in Kombination mit Azithromycin.

 In der unbehandelten Kontrollgruppe sind 32 von 41 Fohlen (78 %) genesen. Sowohl die Monotherapie mit Gamithromycin als auch die Kombinationstherapie von Rifampicin mit Azithromycin erwies sich somit effektiver bei der Behandlung von Lungenabszessen beim Fohlen als die Verabreichung eines Placebos. Dennoch erholten sich viele Fohlen der Kontrollgruppe ohne antibiotische Behandlung. Dies lässt die Vermutung zu, dass auch einige Fohlen in den anderen Behandlungsgruppen ohne antimikrobielle Therapie durch mögliche Spontanheilungen gesund geworden wären.

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen traten nur bei Fohlen der Gamithromycin-Gruppe auf. Bei 23 von 40 (58 %) Fohlen, die Gamithromycin in die lange Sitzbeinmuskulatur injiziert bekamen, traten erhebliche unerwünschte Arzneimittelwirkungen auf. 18 Fohlen (45 %) zeigten deutliche Koliksymptome, 14 (35 %) wiesen eine teilweise hochgradige Lahmheit auf der injizierten Hinterhand auf.

Diese äußerst hohe Anzahl an unerwünschten Arzneimittelwirkungen führte dann zur  zweiten Studie, die zum Ziel hatte, die Verabreichungsform von Zactran® zu ermitteln, die beim Fohlen die geringsten unerwünschten Arzneimittelwirkungen aufweist.

Dazu wurden den Fohlen der Gamithromycin-Gruppe aus der ersten Studie, die das  Zactran® einmal wöchentlich in die lange Sitzbeinmuskulatur injiziert bekamen, in einer retrospektiven Betrachtung 20 Fohlen, die das Zactran® einmal wöchentlich als intravenöse Injektion in die Vena jugularis über eine Venenverweilkanüle verabreicht bekamen, gegenübergestellt. Die Fohlen, denen Zactran® intravenös verabreicht wurde, bekamen eine Kombinationstherapie mit Rifampicin, welches in einer Dosierung von 10 mg/kg KGW einmal täglich per os gegeben wurde. Das Untersuchungsprotokoll stimmte mit dem der ersten Studie überein.

Bei der Anzahl der unter der jeweiligen Therapie genesenen Fohlen gab es keine signifikanten Unterschiede. Die Anzahl der Fohlen, die unter der Behandlung mit Zactran® intramuskulär gesund wurden, betrug 38 (95 %), bei denen, die das Zactran® als intravenöse Applikation bekommen haben, betrug die Anzahl der genesenen Fohlen 16 (80 %).

Bei den unerwünschten Arzneimittelwirkungen gab es hingegen deutliche Unterschiede. So wurden bei den Fohlen der Gruppe, die das Zactran® i.v. bekommen haben, keinerlei unerwünschte Arzneimittelwirkungen beobachtet. Ganz anders war es in der Zactran® i.m.-Gruppe mit 58 % der Fohlen, die erhebliche unerwünschte Arzneimittelwirkungen aufwiesen.

Als Fazit beider Studien lässt sich abschließend sagen, dass das Gamithromycin zur Therapie der Rhodokokkose sehr gut geeignet ist. Es sollte stets in Kombination mit Rifampicin eingesetzt werden um einer Resistenzentwicklung vorzubeugen. Vom bisher beschriebenen Applikationsweg des Zactrans®, der Injektion in die lange Sitzbeinmuskulatur, sollte jedoch aufgrund erheblicher Nebenwirkungen abgesehen und eine intravenöse Verabreichung in die Vena jugularis bevorzugt werden.

 

abstract (englisch)

The aim of the first study was to determine whether gamithromycin is effective for the treatment of Rhodococcus equi-pneumonia in foals. The study was designed as a prospective, controlled blind study.

Therefore, 121 foals with ultrasonographic evidence of pulmonary abscesses were randomly allocated to 1 of 3 equal treatment groups. Foals of group 1 were treated with gamithromycin (6 mg/kg, i.m., once weekly). Foals of group 2 were treated with rifampin with azithromycin (both 10 mg/kg, p.o., once an day). Group 3 was the control group without antimicrobial treatment. All foals were given in addition acetylcysteine at a dose of 10 mg/kg body weight p.o. twice daily throughout the treatment period.

In order to monitor the development of the pulmonary abscesses and the foal’s clinical status, once a week clinical examination and white blood cells count were performed and twice weekly the thorax was evaluated sonographically for signs of pneumonia or abscesses.

In the gamithromycin group 38 of 40 foals (95 %) recovered. In the rifampin/azithromycin group 39 of 40 foals (98 %) recovered. The average duration of therapy in the gamithromycin-group and in the rifampin/azithromycin group was 45 days. Therefore gamithromycin is as effective for the treatment of Rhodococcus equi-pneumonie in foals as the goldstandard rifampin in combination with azithromycin.

In the controlgroup 32 of 41 foals (78 %) recovered. Therefore both the treatment of gamithromycin and the combination of rifampin and azithromycin of foals with ultrasonographic lesions provides a significant benefit compared to the administration of a placebo. Nevertheless 78 % of the foals recovered without antimicrobial treatment. That raises the presumption that some foals of the other treatment-groups would have recovered without antimicrobial treatment because of spontaneous recovery.

Adverse effects were only noted in foals of the gamithromycin-group. Overall, 23 of 40 foals (58 %) in the Zactran® i.m. treatment group displayed signs of adverse reactions to the drug. 18 foals (45 %) showed signs of colic and 14 foals (35 %) showed lameness of the hind limb that was injected.

This extremely high number of adverse effects led to the second study. The aim of this study was to determine which way of administration of Zactran® has the lowest rate of adverse drug reactions in the treatment of the bronchopneumonia of foals.

The foals of the gamithromycin-group of the first study, which were treated with Zactran® as an intramuscular injection, were compared in a retrospective contemplation to 20 foals, which were treated with Zactran® by i.v. injection into the jugular vein via a catheter. Foals that were treated with Zactran® as an intravenous injection were also treated with rifampin (10 mg/kg body weight once daily p.o.). The examination protocol was identical to that of the first study.

The number of foals that recovered in the Zactran® i.m. group was 38 (95 %). The number of foals that recovered in the Zactran® i.v. group was 16 (80 %). Recovery was therefore similar in both groups.

But there were significant differences in the number of adverse effects. Adverse effects were not noted during or after administration of Zactran® i.v. which is a major difference to the mentioned above 58 % of the foals of the Zactran® i.m. group that displayed signs of adverse reactions to the drug.

In conclusion, both studies demonstrate that gamithromycin is appropriate for the treatment of bronchopneumonia in foals. Gamithromycin should always be used in combination with rifampin in order to prevent the development of resistance. The route of administration described so far (i.m. application in the semimembranosus/semitendinosus muscles) should be avoided due significant adverse effects. The intravenous administration of Zactran® should be preferred.

keywords

Gamithromycin, Bronchopneumonie, Fohlen; gamithromycin, bronchopneumonia, foals

kb

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