Dissertation
Tierärztliche Hochschule Hannover / Bibliothek – School of Veterinary Medicine Hannover / Library

 

Hendrike Heldt

 

Untersuchungen zur Progression der Katarakt beim Hund sowie Ermittlung der Behandlungsergebnisse nach Kataraktoperationen

 

NBN-Prüfziffer

urn:nbn:de:gbv:95-92983

title (engl.)

Investigation on the progression of cataracts in the dog and determination of the outcome of cataract surgery

publication

Hannover, Tierärztliche Hochschule, Dissertation, 2006

text

/dissertations/heldth_ws06.pdf

abstract (deutsch)

Die Katarakt gehört beim Hund zu den häufigsten Krankheiten des Auges, die das Sehen des Tieres beeinträchtigen und im fortgeschrittenen Stadium zu einer völligen Erblindung führen können. Basierend auf dem Patientengut der Klinik für kleine Haustiere aus den Jahren 1998 bis 2005 wurden in der vorliegenden Arbeit bei 474 Hunden und 885 Augen mit einer Katarakt zum einen die Charakteristika der Kata­rakterkrankung bei der Erstvorstellung sowie deren Progression unter Berücksich­tigung der assoziierten Begleiterkrankungen ermittelt. Daneben wurde der Opera­tionserfolg von Kataraktpatienten (113 Hunde, 119 Augen), die innerhalb dieses Zeitraums vorgestellt wurden, unter Berücksichtigung von verschiedenen prä-, intra- und postoperativen Einflussfaktoren auf die Ergebnisse ermittelt.

Die Ergebnisse zur Untersuchung der Charakteristika von Katarakterkrankungen bei der Erstvorstellung zeigten, dass sekundär an eine Katarakt anschließende Kompli­kationen wie linseninduzierte Uveitis, Syneresis, Ablatio retinae, Glaskörpervorfall, Linsenluxation und Sekundärglaukom erst in den reiferen Stadien gehäuft auftreten. Bei insipienten und immaturen Kataraktstadien lag die Inzidenz einzelner Begleit­erkrankungen unter 5 %. Bei maturen Kataraktstadien traten lediglich Uveitiden (7,9 %) und Syneresis (5,1 %) häufiger auf. Die häufigsten mit einer hypermaturen Katarakt assoziierten Begleiterkrankungen waren Uveitiden (23,4 %), Syneresis (15,6 %), Ablatio retinae (9,4 %), Glaskörpervorfall (7,8 %) und Linsenluxation (6,3 %). Ein Sekundärglaukom wurde bei der Erstvorstellung unabhängig vom Katarakt­stadium nur sehr selten festgestellt (< 2 %).

Die Untersuchung zur Progressionstendenz kataraktös veränderter Augen zeigte, dass unabhängig vom Stadium auch langfristig, d.h. nach etwa 3-4 Jahren, nur in etwa der Hälfte der Fälle mit einer Progression der Katarakt zu rechnen ist. Unter Berücksichtigung der Lebenserwartung von Hunden schreitet eine diagnosti­zierte Katarakt nicht in allen Fällen bis zum hypermaturen Stadium fort. Innerhalb von 3-4 Jahren entwickelten nur 9 % der bei Erstvorstellung insipienten und 25 % der ursprünglich immaturen Fälle ein hypermatures Kataraktstadium. Die Progression erfolgt typischerweise über einen Zeitraum von mehreren Monaten bis hin zu Jahren, wobei mature Fälle häufiger und schneller fortschreiten als solche mit insipienten oder immaturen Kataraktstadien. Eine durch einen Diabetes mellitus verursachte Katarakt, die sich in 90 % der Fälle bei Erstvorstellung als matur dar­stellte und viermal häufiger bei Hündinnen als bei Rüden diagnostiziert wurde, zeigte hingegen eine schnellere Progressionstendenz. Im Zuge der Kataraktprogression wurde zusammen mit dem steigenden Anteil fortgeschrittener Kataraktstadien auch eine Zunahme der assoziierten Begleiterkrankungen festgestellt, deren Inzidenz aber bei Augen mit ursprünglich insipienten, immaturen oder maturen Kataraktstadien selbst nach 3-4 Jahren in aller Regel unter 15 % lag. Sekundärglaukomata wurden bei diesen Augen in weniger als 3 % der Fälle beobachtet. Lediglich gering­gradige linseninduzierte Uveitiden traten häufiger auf (< 35 %).

Die Erfolgsraten der durchgeführten Operationen lagen kurzfristig, d.h. innerhalb der ersten vier Wochen nach der Operation, bei 99 %, sanken dann aber nach etwa 40 Monaten auf 77 %. Die Erfolgsrate stellte sich dabei als unabhängig von dem operierten Kataraktstadium, Katarakttyp, einer präoperativ bestehenden (aber behandelten) linseninduzierten Uveitis, der Augengröße, dem Alter der Hunde bei der Operation, der Anlegung einer hinteren Kapsulorhexis und von der Implantation einer Kunstlinse dar. Sowohl die Besitzerbefragung als auch eine Bestimmung des postoperativen Refraktionszustandes der Augen machte deutlich, dass die Implanta­tion einer Kunstlinse das Sehvermögen der Hunde deutlich verbessert. Die am häufigsten festgestellten intraoperativen Komplikationen umfassten Glaskörpervorfall (18,4 %), Glaskörperexpansionssyndrom (13,2 %), Hyphaema (12,3 %) und akzi­dentiellen Kapselriss (9,6 %). Augen, bei denen während der Operation eine hintere Kapsulorhexis angelegt wurde, aber keine Kunstlinse implantiert worden war, zeigten postoperativ häufiger einen transienten Druckanstieg von über 40 mmHg. Dieser transiente Augeninnendruckanstieg hatte weder einen Einfluss auf die Erfolgsrate noch auf die Entstehung eines Sekundärglaukoms. Operationsmisserfolge (23 %) waren in der überwiegenden Zahl der Fälle auf ein Sekundärglaukom oder eine vollständige Ablatio retinae zurückzuführen. Das Sehvermögen der Hunde wurde post­operativ zudem häufig durch die mit der Zeit zunehmende Nachstarentwicklung beeinträchtigt (nach etwa 28 Monaten in 77,1 % der operierten Augen). Augen, bei denen im Rahmen der Operation eine hintere Kapsulorhexis angelegt wurde, zeigten im Vergleich zu Augen ohne hintere Kapsulorhexis häufiger keinerlei Nachstarent­wicklung bzw. eine geringere Nachstarausprägung mit zentraler freier Sehachse.

 

abstract (englisch)

The cataract is one of the most frequently observed diseases of the eye, impairing vision of the animal and leading to complete blindness in advanced stages of the disease. Data for this dissertation was obtained from patients of the Small Animal Clinic of the University of Veterinary Medicine Hannover between 1998 and 2005, and included a total of 474 dogs and 885 eyes with cataracts. The characteristics of cataracts at the time of initial presentation of the patient as well as progression of the disease and accompanying secondary diseases were investigated. Furthermore, the outcome of surgery in cataract patients (113 dogs, 119 eyes) that were presented within that period of time was determined under consideration of varying pre-, intra- and postoperative factors.

The investigation of cataract characteristics at initial presentation showed an increased incidence of secondary diseases such as lens-induced uveitis, syneresis, retinal detachment, vitreous presentation, lens luxation and secondary glaucoma only in advanced stages of cataract disease. Patients with incipient and immature cataracts had an incidence of secondary diseases of less than 5 %. In mature cataract stages, only uveitis (7.9 %) and syneresis (5.1 %) occurred more frequently. The most common secondary diseases associated with hypermature cataracts were uveitis (23.4 %), syneresis (15.6 %), retinal ablation (9.4 %), vitreous presentation (7.8 %) and lens luxation (6.3 %). Secondary glaucoma was observed only very infrequently (< 2 %), regardless of cataract staging.

The examination of the tendency of cataractic eyes to progress towards advanced stages revealed that independently from the initial disease stage, only about half of the cases showed a progression of the cataract over a longer period of time, i.e. 3‑4 years. Considering the life expectancy of dogs, not all patients diagnosed with a cataract will progress to a hypermature disease stage. Only 9 % of patients diagnosed with incipient cataracts and 25 % of patients with immature cataracts developed a hypermature cataract within 3-4 years after initial diagnosis. Typically, progression occurs over a period of several months to years, with mature cases showing a more frequent and faster progression than eyes with incipient or immature stages of cataract. However, cataracts caused by Diabetes mellitus showed a more rapid progression. These cases were presented as mature at the time of initial presentation in 90 % of cases, and occurred four times more often in female dogs when compared to male dogs. In the course of cataract progression, an increase in cataract-associated secondary diseases could be observed in combination with a raise in the number of more progressed stages of cataract, although their incidence among eyes initially diagnosed as incipient, immature or mature was less than 15 % even after 3-4 years. Secondary glaucomas were observed in less than 3 % of these patients. Only mild lens-induced uveitis could be found more frequently (< 35 %).

The success rates of the surgeries performed were 99 % for short-term outcome, i.e. within the first four weeks following surgery, but decreased to 77 % after 40 months. The success rate was not dependent on the cataract stage, type of cataract, preoperatively existing (but treated) lens-induced uveitis, size of the eye, age of the dog at time of surgery, performance of posterior capsulorhexis or implantation of an artificial lens. The implantation of an artificial lens greatly improves the vision of the dogs, as determined by owner surveys and examination of the postoperative status of refraction. The most commonly found intra-operative complications comprised vitreous presentation (18.4 %), expanding vitreous syndrome (13.2 %), hyphaema (12.3 %) and accidental capsular tears (9.6 %). Eyes that received a posterior capsulorhexis during surgery, but not an artificial lens, more frequently showed with a transient post-operative rise in intraocular pressure above 40 mmHg. This transient rise in intraocular pressure had no effect on the success rate or on the development of secondary glaucoma. Poor results of cataract surgery (23 %) were in most cases due to secondary glaucoma or to complete retinal detachment. Vision of the dogs was also often impaired by development of a capsulat opacification over time (after 28 months in 77.1 % of eyes that had undergone surgery). Eyes that received a posterior capsulorhexis had a lower frequency of capsular opacification development or a less severe capsular opacification with free central vision axis than eyes without posterior capsulorhexis.

 

keywords

Kataraktprogression, Kataraktoperation, Hund, cataract progression, cataract operation, dog

kb

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