Dissertation

Tierärztliche Hochschule Hannover / Bibliothek – School of Veterinary Medicine Hannover / Library

Katharina Heissl

Klassifikation von kongenitalen

Brustwirbelkörpermissbildungen bei Französischen

Bulldoggen anhand röntgenologischer und

computertomographischer Darstellung und ihr

Zusammenhang mit neurologischen Defiziten

 

NBN-Prüfziffer

urn:nbn:de:gbv:95-110550

title (eng.)

A classification of congenital thoracic vertebral malformations in French bulldogs based on radiographic and computed tomographic images and their influence on developing neurological signs

publication

Hannover, Tierärztliche Hochschule, Dissertation, 2017

text

http://elib.tiho-hannover.de/dissertations/heisslk_ws17.pdf

abstract (deutsch)

Kongenitale Brustwirbelkörperanomalien treten in unterschiedlicher Form und Ausmaß auf. In der Vergangenheit vertrat man die Ansicht, dass es sich in den meisten Fällen um Zufallsbefunde ohne klinische Relevanz handelt. Studien zeigten jedoch, dass Wirbelkörperanomalien zu Rückenmarkskompressionen führen. Des Weiteren wird vermutet, dass zwischen der Wirbelkörpermissbildung und des angrenzenden normalen Wirbels eine intervertebrale Instabilität entsteht. Dies soll eine Schädigung der Bandscheibe begünstigen und sich wiederum prädisponierend auf einen Bandscheibenvorfall auswirken. Die exakte Ursache für das Auftreten von kongenitalen Wirbelkörpermissbildungen ist unbekannt. Die Hypothesen bestehen, dass eine verminderte Gefäßversorgung während der Ossifikation, genetische Dispositionen und/oder teratogene Einflüsse zu Wirbelkörperanomalien führen. Zur Erstellung einer Klassifikation von kongenitalen Brustwirbelkörpermissbildungen wurden die röntgenologischen Daten von 106 Französischen Bulldoggen ausgewertet, von 61 dieser Hunde wurden zusätzlich computertomographische Daten beurteilt. Alter und Geschlechterverteilung inklusive des Kastrationsstatus unterschieden sich nicht signifikant (p = 0,114). Dagegen wichen die Altersgruppen signifikant voneinander ab (p = 0,002). 32,6 % der untersuchten Brustwirbelkörper (n = 1272) wiesen eine Formveränderung auf. Die Klassifizierung basierte auf der Einteilung in Störungen der Segmentation oder der Formation, wobei letztere in weitere neun Untergruppen eingeteilt wurde. Größtenteils manifestierte sich eine Anomalie im Bereich des 6. bis 9. Brustwirbels, wobei am häufigsten der 6. Brustwirbelkörper betroffen war. 130 (31,3 %) der insgesamt 415 Brustwirbelkörperanomalien stellten sich als eine Kombination aus einer dorsalen Hypoplasie angrenzend an eine ventrale oder ventrolaterale Hypoplasie des Wirbelkörpers dar. Dies zeigt, dass benachbarte Anomalien ihre Formveränderung aneinander anpassen. Die statistische Analyse zeigte, dass die Form der Wirbelkörpermissbildung keinen Rückschluss auf die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von neurologischen Defiziten gibt. Jedoch ergab sie, dass bei einer Wirbelkörperanomalie am 12. Brustwirbel das Risiko für das Auftreten neurologischer Symptome signifikant erhöht ist. Die drei häufigsten Anomalien im Vergleich von neurologisch unauffälligen Patienten zu neurologisch auffälligen Hunden waren eine dorsale (26 %/24,6 %), ventrale (21,1 %/23,1 %) oder symmetrische Hypoplasie (19,6 %/20,8 %) des Wirbelkörpers. Des Weiteren wurde bei 35 Französischen Bulldoggen mit einer Parese oder Plegie der Vorder- bzw. Hintergliedmaßen eine neurologische Untersuchung durchgeführt. Wobei ein Hund doppelt beurteilt wurde, da er mit zeitlichem Abstand zweimal mit neurologischen Befunden vorgestellt wurde. In elf von diesen 36 Fällen zeigten sich Symptome, die auf eine zervikale Myelopathie zurückzuführen waren. Die Erkrankungen der anderen 25 Patienten waren auf die Brust- und/oder Lendenwirbelsäule lokalisiert. 18 (72 %) von diesen 25 Französischen Bulldoggen wiesen Symptome einer Paraparese und fehlender Gehfähigkeit bis zu einer Paraplegie ohne Tiefenschmerz auf. Eine Magnetresonanztomographie der Brustwirbelsäule wurde bei 21 Französischen Bulldoggen durchgeführt, dabei konnte bei 15 Tieren eine Rückenmarkskompression diagnostiziert werden. Bei diesen 21 Französischen Bulldoggen wurden insgesamt 86 Missbildungen der Brustwirbelkörper festgestellt, wobei im Bereich dieser Missbildungen nur in 20 Fällen (23,3 %) eine Rückenmarkskompression vorlag. Darüber hinaus konnten weitere elf Rückenmarkskompressionen im Bereich von physiologisch geformten Wirbelkörpern beobachtet werden, jedoch in neun Fällen mit mindestens einer angrenzenden Wirbelkörperanomalie. Die ventrale Hypoplasie (fünf von 20 Rückenmarksläsionen) und die ventrolaterale Hypoplasie (fünf von 20 Rückenmarksläsionen) der Wirbelkörper führten am häufigsten zu einer Rückenmarkskompression. Dies zeigte, dass nicht nur die Wirbelkörpermissbildungen, sondern auch die angrenzenden, normal geformten Wirbel zu Rückenmarkskompressionen führen können. Des Weiteren lagen, auch durch einen Bandscheibenvorfall bedingt, sechs Rückenmarkskompressionen bei fünf Hunden vor. Neben der Anomalie kann auch die daraus entstandene Wirbelsäulenkrümmung zu einer Rückenmarkskompression führen. Hunde mit dieser Erkrankung hatten einen durchschnittlichen Cobb Winkel von 23,15°. Fünf von 21 Hunden hatten einen Bandscheibenvorfall im thorakalen beziehungsweise im thorakolumbalen Übergang der Wirbelsäule. Bei vier Hunden handelte es sich um multiple aufeinanderfolgende Bandscheibenvorfälle, wobei sich diese erst ab dem 12. Brustwirbelkörper manifestierten. Bei zwei von fünf Hunden war die Bandscheibe angrenzend an eine Wirbelkörpermissbildung vorgefallen (einmal bei einer ventralen Hypoplasie und einmal bei einer ventralen und medianen Aplasie). Der Bandscheibenvorfall wurde bei drei von fünf Hunden im Bereich der Kyphose diagnostiziert. Der durchschnittliche Cobb-Winkel bei Patienten mit Bandscheibenvorfällen war 19,21°. Bei neurologisch unauffälligen Hunden betrug der durchschnittliche Cobb Winkel 21,70°. 50% der Bandscheibenvorfälle traten im Lendenwirbelabschnitt L3-L4 auf. Wenn die Erkrankung nicht im Abschnitt der Wirbelsäulenkrümmung auftrat, war sie häufig ein, sieben oder zehn Zwischenwirbelräume kaudal der Kyphose lokalisiert. Die häufigste Lokalisation eines zervikalen Bandscheibenvorfalles war C3-C4. Die eigene Studie zeigte, dass die Form und Anzahl der Wirbelkörpermissbildungen keine Rückschlüsse auf das Vorhandensein oder Fehlen von Bandscheibenvorfällen bei Französischen Bulldoggen zulässt. Statistische Analysen ergaben, dass das Risiko für das Auftreten von neurologischen Symptomen im Zusammenhang mit einer Wirbelkörperanomalie am zwölften Brustwirbel signifikant erhöht ist. Die Knochenanomalien selbst und/oder auch deren angrenzende Wirbel führten bei 15 von 21 Hunden mit einem Bandscheibenvorfall in der Brust- und/oder Lendenwirbelsäule zu Rückenmarkskompressionen. Bei zwei von fünf Hunden mit thorakalen Bandscheibenvorfällen lagen diese im Bereich der Wirbelkörperanomalie. 50% der Bandscheibenvorfälle im Brust- und Lendenwirbelsäulenbereich traten zwischen L3 und L4 und nicht im Bereich der Wirbelkörpermissbildungen der thorakalen Wirbelsäule auf.

abstract (englisch)

Congenital thoracic vertebral body malformations can occur in many different ways. In the past, it was assumed that they were incidental findings with no clinical relevance. Studies showed that the vertebral body malformation led to spinal cord compression. Additionally, it is hypothesised that between the normal and malformed vertebra an instability develop, which damage the intervertebral disc. This is predisposed for intervertebral disc herniation. The exact aetiology of the vertebral body malformation is unknown. It is assumed that due to a lack of vascularisation during ossification, genetic disposition and/or teratogenic influences diverse vertebral body malformations develop. To establish the classification of congenital vertebral body malformation 106 radiographic and 61 computed tomographic images of the thoracic spine of French bulldogs had to be evaluated. The distribution between age and sex was not significant (p = 0.114). However, between the ages was a significant difference (p = 0.002). 32.6 % of the vertebral bodies (n = 1272) were malformed. The vertebral body malformations were divided into defects of segmentation and defects of formation. The latter one was subcategorized into nine groups. Mainly the vertebral body malformations occurred between the 6th and 9th thoracic vertebra, especially the 6th thoracic vertebral body.130 of 415 vertebral body malformations were a combination of dorsal hypoplasia with an adjacent ventral or ventrolateral hypoplasia of the vertebral body. These were shaped to conform the adjacent deformity. The statistical analysis showed that the type of vertebral body malformation had no significant impact on developing neurological deficits. However, a malformed 12th vertebral body had a significant impact on developing neurological symptoms. In neurologically normal/neurologically affected dogs the three most common anomalies were a dorsal hypoplasia (26.0 %/24.6 %), ventral hypoplasia (21.1 %/23.1 %) and symmetrical hypoplasia (19.6 %/20.8 %) of the vertebral body. 35 French bulldogs underwent neurological examination and one of these dogs had two examinations. The symptoms of eleven dogs were related to cervical myelopathy. The other 25 patients were diagnosed with a thoracolumbar lesion and 18 (72 %) of 25 patients showed symptoms from nonambulatory paresis to paraplegia without deep pain perception. 21 French bulldogs underwent MRI-examination of the thoracic spine. Their vertebral columns consisted of 86 vertebral body malformations and 20 (23.3 %) of them where associated with spinal cord compression in 15 dogs. Another eleven spinal cord compressions were related to a normal vertebra, of which nine were adjacent to a minimum of one anomaly. These were mostly a ventral and a ventrolateral hypoplasia of the vertebral body (five of 20 spinal cord compressions). Five dogs had six spinal cord compressions in combination with intervertebral disc herniation. Additionally, kyphotic curvature of the spine can also led to spinal cord compression. These French bulldogs had a mean Cobb angle of 23.15°. Five of 21 French bulldogs had an intervertebral disc herniation in the thoracic and/or thoracolumbar part of the spine. Four of these dogs were diagnosed with multiple adjacent herniations. The disease was diagnosed caudally from 12th thoracic vertebral body. Two of five dogs had an intervertebral disc herniation, which occurred in the adjacent intervertebral disc to the vertebral body malformation. These anomalies were a ventral hypoplasia and a ventral and median aplasia of the vertebral body. The disease was diagnosed in the kyphotic segment of the spine in three of five dogs. The mean Cobb angle of dogs with diagnosed intervertebral disc herniation was 19.21°. Whereas in dogs without neurological deficits it was 21.70°. 50 % of the intervertebral disc herniations, which were located in the thoracolumbar spine, were diagnosed at L3-L4. If the disease was not within the kyphosis, it was mostly located one, seven or ten intervertebral spaces caudal of the kyphosis. The intervertebral disc herniation in the cervical spine was mostly manifested at C3-C4. In conclusion, the present study showed that the number and type of vertebral body malformations had no influence on the occurrence of neurological signs in French bulldogs. Statistical analysis showed that a malformed 12th thoracic vertebra had a significant impact on developing neurological symptoms. The vertebral body malformations and also the adjacent normal vertebral body led to spinal cord compression in 15 of 21 dogs with intervertebral disc herniation of the thoracic and/or lumbar spine. The intervertebral disc herniation in the thoracolumbar region was diagnosed in the adjacent intervertebral space of an anomaly by two of five French bulldogs. 50 % of the intervertebral disc herniation were located in the region of L3-L4. Although thoracic vertebral body malformations occurred, the intervertebral disc herniation was mostly diagnosed in the lumbar spine.

keywords

Brachycephalie, Rückenmarkskompression, Bandscheibenvorfall, brachycephalic, spinal cord compression, intervertebral disc herniation

kb

1.887