Dissertation

Tierärztliche Hochschule Hannover / Bibliothek – School of Veterinary Medicine Hannover / Library

Silvia Häußler

Behandlung von equinen Backenzähnen mit motorgetriebenen, rotierenden Instrumenten: Untersuchungen zur Erwärmung des Cavum dentis und zum Abrieb von Zahnsubstanzen

 

NBN-Prüfziffer

urn:nbn:de:gbv:95-104799

title (engl.)

Treatment of equine cheek teeth with motor-driven rotating instruments: Investigations on the heating of the cavum dentis and abrasion of tooth substance 

publication

Hannover, Tierärztliche Hochschule, Dissertation, 2014

text

http://elib.tiho-hannover.de/dissertations/haeusslers_ss14.pdf

abstract (deutsch)

Zahnkorrekturen mithilfe motorgetriebener Schleifsysteme gehören zu den Routinebehandlungen in der Pferdepraxis. Die Wärmeeinbringung in das Zahninnere während dieser Behandlung, sowie eine möglicherweise schädigende Wirkung auf das Pulpagewebe sind dabei von großem klinischen Interesse. Studien an nicht equinen Spezies haben gezeigt, dass eine Erhöhung der intrapulpalen Temperatur um 5,5 °C bereits eine irreparable Schädigung pulpaler Zellen und somit einen Verlust der Fähigkeit zur fortgesetzten Sekundärdentinbildung verursachen kann. Ein derartiger Funktionsverlust der Pulpa führt beim Pferd aufgrund des pferdetypischen Zahnabriebs an der Okklusalfläche zwangsläufig zu einer Eröffnung der Pulpahöhlen.

Die Adaption eines in der humanen Odontologie verwendeten Versuchsansatzes zur Evaluierung von intrapulpalen Temperaturerhöhungen auf equine molare und prämolare Backenzähne ergab hochvariable und nicht reproduzierbare Messwerte. Zuverlässige und wissenschaftlich verwertbare Messungen der intradentalen Temperaturveränderungen wurden erst möglich, als speziell vorbereitete Zähne verwendet wurden. Insbesondere war es notwendig, den Anschluss der Zahnoberfläche an die Wärmequelle, den Abstand zwischen Pulpaästen und Okklusalfläche sowie die Position der Temperaturfühler innerhalb der Pulpaäste zu standardisieren. Dafür wurden die Okklusalflächen geglättet, die apikalen Anteile parallel zur Okklusalfläche abgetrennt und die Pulpaäste geometrisch definiert. So gelang es, verschiedene Charakteristika der Konduktion im equinen Backenzahn zu definieren.

Vergleichende Messungen an Ober- und Unterkieferbackenzähnen zeigten eine deutlich schnellere Wärmeleitung im Unterkieferbackenzahn im Vergleich zum massereicheren Oberkieferbackenzahn. Als maßgeblicher Faktor bei der Wärmeausbreitung wurde der Abstand eines Pulpaastes zur Okklusalfläche identifiziert. Die Position eines Pulpaastes innerhalb der Zahnsäule ‑ und damit seine spezifische Hartsubstanzumgebung ‑ hatten kaum Einfluss auf die Dauer der Erwärmung in den subokklusalen Pulparäumen. Mittels Finite Elemente Analyse wurden die experimentellen Ergebnisse in Hinblick auf Plausibilität überprüft und bestätigt. In weitergehenden Untersuchungen wurde die intrapulpale Erwärmung während korrektiver Schleifprozesse an den modifizierten Zahnkronen durchgeführt.

Alle Einflussparameter während des Beschleifens wurden bestimmt und standardisiert (Andruckgewicht, Ausgangstemperatur, Pulpaposition, Positionierung der Schleifscheibe, Drehzahl des Schleifscheibenantriebs).

Die gewonnenen Daten zeigten, dass eine Verdoppelung der Drehzahl der Schleifscheibe eine Halbierung der Zeitspanne bis zum Erreichen der kritischen intrapulpalen Temperaturerhöhung für den maxillären Pferdezahn bedeutet. Für mandibuläre Zähne wurde sogar eine Reduzierung dieser Zeitspanne um zwei Drittel festgestellt. Der Materialabtrag erhöhte sich bei einer Verdoppelung der Drehzahl lediglich um 70 % und wies große individuelle Schwankungen auf, so dass es in Hinblick auf Effektivität und die Vermeidung iatrogener Pulpaschädigungen als sinnvoll erscheint, niedrige Drehzahlen für korrektive Schleifmaßnahmen an equinen Zähnen zu wählen und die Verweildauer auf Einzelzähnen auf ein Minimum zu beschränken.

 

abstract (englisch)

In equine practice, teeth corrections by means of a motor-driven grinding system are standard procedure. The increase in temperature of the inner tooth segment resulting from that treatment, as well as its potential damaging effect on the pulp tissue is of great clinical interest. A heating of the intra-pulp temperature by even 5.5 °C can cause irreparable damage to pulp cells and, as a result, a loss of their capability to continuously form secondary dentin. Such a loss may lead, due to equine-typical occlusal tooth abrasion, to an opening of the pulp cavities.

The adaptation of experiments conducted in human odontology, to evaluate the effects of intra-pulp temperature increases on equine molars and premolar teeth, resulted in very heterogeneous and irreproducible measurement values. Reliable and scientifically usable measurement values of the intra-dental temperature changes became possible only, when especially primed teeth were utilized. In particular, it was necessary to standardize the connection between tooth surface and heat source, the distance between pulp cavity and occlusal surface as well as the position of the temperature sensors within the pulp horns. For this purpose, the occlusal surfaces were smoothed, the apical parts detached in parallel to the occlusal area und the pulp horns geometrically defined. In this manner, it was possible to identify the various characteristics of heat conduction in equine molars.

Comparative measurements in mandibular and maxillary molars showed significantly faster heat conduction in mandibular than in more massive maxillary molars. The distance between pulp horn and occlusal surface was identified as the decisive factor, whereas the position of a pulp horn inside the dental crown and, consequently, its specific hard substance environment, did not have much influence on the time it took to warm up the subocclusal pulp horns. By means of the finite element method (FEM), plausibility of the experiment results was shown.

In further steps, the intra-pulp heating during corrective dental abrasion was demonstrated on modified dental crowns.

All influencing parameters during the grinding process were defined and standardized (pressure applied to the tooth by the grinder, initial temperature, position of the pulp, positioning of grinding disk, drive speed of disk motor).

The data obtained showed that doubling the rotational speed of the grinding disk results in halving the time span after which the critical intra-pulp temperature increase in maxillary molars is reached. For mandibular molars, the time span even drops by two thirds. The material loss increased by 70 % when doubling the rotational speed and showed considerable variations. In view of its effectiveness and the avoidance of iatrogenic pulp damage, it seems more sensible to work with lower grinding speeds for the corrective treatments of equine teeth and to reduce the time spend on grinding each tooth to the minimum.

keywords

Pferdezahnbehandlung, Pulpa, Pferdezahn, equine dental treatment, pulp, equine tooth 

kb

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