HABILITATIONSSCHRIFT

 


Tierärztliche Hochschule Hannover / Bibliothek – University of Veterinary Medicine Hannover – Foundation / Library

 

Harald Sieme

 

Spermaqualitäts- und

fertilitätsbeeinflussende Faktoren in der

equinen Samenübertragung

 

NBN-Prüfziffer

urn:nbn:de:gbv:95-h2220

publication

Hannover, Tierärztliche Hochschule, Habilitationsschrift, 2004

text

/dissertations/h_sieme04.pdf

Zusammenfassung

In den vorliegenden Studien wurde überprüft, ob und inwieweit durch tierärztliche Maßnahmen auf einer Pferdebesamungsstation die Spermaqualität und die Fertilität beim Pferd positiv beeinflusst werden kann. Hierzu wurden in fünf Teilstudien Effekte exogener GnRH-Substitution ausserhalb der Paarungssaison, Einflüsse des Samengewinnungsverfahrens sowie spermienselektiver Samenaufbereitungsverfahren auf die Spermaqualität und Fruchtbarkeit von Warmbluthengsten in der Samenübertragung erfasst. Des weiteren wurden Effekte des Besamungs-Ovulationsabstandes, des Inseminationsintervalls und der -frequenz sowie der Einfluss der Spermiendosis und der Besamungstechnik auf das Fertilitätsergebnis von Warmblutstuten erhoben. Die exogene Substitution von GnRH bei Hengsten ausserhalb der Zuchtsaison bewirkte eine Stimulierung des Sexualverhaltens (p<0.05). Auch die Kryokonservierungsfähigkeit

des Sperma verbesserte sich (p<0.05), wobei dieser Effekt besonders deutlich bei den Hengsten mit ursprünglich ungenügender Samengefriereignung auftrat (p<0.05). Trotzdem erreichte die Spermaqualität bei diesen Tieren nicht allgemein anerkannte Normwerte.

Die Fraktionierung vor allem aber die Zentrifugation des Ejakulats bei der Tiefgefrierkonservierung brachte deutliche Verbesserungen in den Qualitätsparametern wiederaufgetauten Spermas (p<0,05).

Hinsichtlich des Intervalls der Samengewinnungen zeigte sich, dass keine Unterschiede (p>0,05) in den quantitativen Merkmalen Volumen, Dichte, Gesamtspermienzahl zwischen Ejakulaten, die in 24 und 48 stündigen Abständen gewonnen wurden, zu verzeichnen waren. Das längere Samenentnahmeintervall wirkte sich jedoch positiv auf die Qualität flüssig- und kryokonservierten Spermas aus (p<0,05).

Intra- und interindividuelle Variationen in den spermatologischen Parametern beruhten mit einem Prozentsatz von 83 bis 97% vorwiegend auf dem Faktor Hengst. Dennoch waren auch innerhalb eines Tieres Unterschiede in der Spermaqualität (p<0,05) festzustellen. Je mehr Samenentnahmeversuche (Aufsprünge / Ejakulat) für die Ejakulatgewinnung nötig waren und je länger der zur Ejakulatgewinnung benötigte Zeitraum, desto ungünstiger war die Spermaqualität.

Niedrige Samenentnahmefrequenzen und lange Samenentnahmeintervalle wirkten sich negativ auf die Fertilitätsresultate von Hengsten in der Samenübertragung aus (p<0,05).

Spermienselektive Verfahren (Glaswollsephadex- , Leucosorb®-Filtration) hatten zwar höhere Spermienverlustraten gegenüber der herkömmlichen Aufbereitung mittels Zentrifugation zur Folge, führten jedoch gleichzeitig zu höheren Anteilen (p<0,05) motiler Spermien sowohl bei flüssig- als auch bei kryokonserviertem Sperma. Die Trächtigkeitsraten von Stuten nach Besamungen mit Glaswollsephadex-, Leucosorb®- filtriertem und zentrifugiertem Sperma differierten nicht (p>0,05).

Das Intervall zwischen Besamung und Ovulation, bei dem optimale Fertilitätsresultate erreicht wurden, lag bei Einsatz gekühlten Frischsamens innerhalb von 24h vor bis 12h nach der Ovulation und bei Tiefgefriersperma innerhalb von 12h vor bis 12h nach Ovulation der

Empfängerstuten. Ein Inseminationsintervall von 24h hatte gegenüber einem Abstand von 48h zwischen zwei Besamungen einen tendenziell positiven Effekt auf die Konzeptionsrate.

Wiederholte Spermaübertragungen wirkten sich nur dann positiv auf die Fertilität aus, wenn die Erstübertragung von Sperma nicht in den obengenannten Intervallen zwischen Besamung und Ovulation lag.

Besamungen mit stark reduzierten Spermienzahlen gekühlten (50 x 106 vorwärtsbwegliche Spermien) oder tiefgefrorenen (100 x 106 Spermien) Samens unterschieden sich im Trächtigkeitsergebnis nicht von herkömmlicherweise empfohlenen Inseminationsdosen (500

x 106; 800 x 106) (p>0,05).

Die hysteroskopische Besamung hatte gegenüber der konventionellen Inseminationstechnik nur bei fertilen Stuten einen positiven Effekt auf die Fertilität (p<0,05). Bei Stuten mit ungünstiger Fertilitätsprognose war die Frühgraviditätsrate bei hysteroskopisch-geleiteter Spermadeponierung auf die Uterotubalpapille erniedrigt (p<0,05).

 

keywords

Pferd, Samenübertragung, Fruchtbarkeit, horse, arificial insemination, fertility

kb

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