HABILITATIONSSCHRIFT

 


Tierärztliche Hochschule Hannover / Bibliothek – University of Veterinary Medicine Hannover – Foundation / Library

 

Birgit Makoschey

 

Untersuchungen zur Wirksamkeitsprüfung und praktischen Anwendung von viralen Rinderimpfstoffen

 

 

[Investigations on the efficacy testing and practical application of viral cattle vaccines]

 

NBN-Prüfziffer

urn:nbn:de:gbv:95-h2529

publication

Hannover, Tierärztliche Hochschule, Habilitationsschrift, 2010

text

http://elib.tiho-hannover.de/dissertations/h_makoschey10.pdf

Zusammenfassung

Impfstoffe gegen drei wirtschaftlich bedeutende Virusinfektionen des Rindes, BVDV, BoHV‑1 und BRSV, wurden aus unterschiedlichen Perspektiven im Zusammenhang mit der Wirksamkeitsprüfung im Rahmen der Zulassung aber auch unter verschiedenen Aspekten im Bezug auf die praktische Anwendung unter Feldbedingungen untersucht.

Belastungsinfektionsmodelle, welche die Anforderungen der relevanten Richtlinien erfüllen, sind zum Nachweis der Wirksamkeit von Impfstoffen unter kontrollierten Bedingungen erforderlich. Entsprechende Belastungsinfektionen mit BoHV‑1, BVDV und BRSV sowie Studien, die zur Entwicklung derartiger Modelle beitragen werden beschrieben. Die Schwierigkeiten variierten stark zwischen den drei untersuchten Viren. So wurden nach Infektion mit BoHV‑1 Wildtypvirus wurden deutliche Krankheitsymptome und hochtitrige Virusausscheidung reproduzierbar nachgewiesen. Im Gegensatz dazu waren im Falle von BRSV und BVDV das Krankheitsbild weniger ausgeprägt und die Virustiter im Blut und / oder Nasensekret sehr niedrig. Um Aussagen zur Wirksamkeit von Impfstoffen gegen diese zwei Viren treffen zu können, sollten zusätzlich zum klinischen Bild und dem quantitativen Virusnachweis weitere Parameter untersucht werden. Ansätze zur Entwicklung einer Methode für die gleichzeitige Infektion des Fetus mit BVDV‑1 und BVDV‑2 waren nicht erfolgreich. Im Gegensatz dazu erwies sich die Methode der Belastungsinfektion durch Kontakt zu einem persistent infizierten Tier, wie sie für BVDV‑1 von Anderen bereits angewendet wurde, auch für BVDV‑2 als geeignet.

Die Möglichkeit, Impfmassnahmen zu kombinieren ist eine sehr praktische Frage zur Anwendung von Vakzinen im Feld. In verschiedenen Studien wurde die Immunantwort nach gleichzeitiger Applikation einer markierte IBR Lebendvakzine und einer inaktivierten BVD Vakzine oder einer inaktivierten BRSV‑PI3-Mh Vazkine untersucht. Die Ergebnisse dieser Studien deuten darauf hin, dass die markierte IBR Lebendvakzine nicht imunsuppressiv ist, da nach gleichzeitiger Applikation zusammen mit der ersten oder zweiten Dosis der Basisimpfung mit einer inaktivierten BVD oder einer inaktivierten Vakzine gegen respiratorische Pathogene kein negativer Effekt auf die Wirksamkeit der inaktivierten Impfstoffe festgestellt wurde. Interferenz wurde jedoch festgestellt, wenn sowohl bei der ersten als auch bei der zweiten Dosis der BVD Basisimpfung die inaktivierte BVD Vakzine zur Rekonstituierung der markierten IBR Lebendvakzine verwendet wurde.

Im Folgenden wurden verschiedene Situationen zu einer möglichen Interferenz von Impfmassnahmen mit der Interpretation der serologischen Diagnostik im Rahmen von BVDV und IBR Bekämpfungsprogrammen untersucht. In mehreren Studien wurde der Frage nachgegangen, ob der Einsatz eines inaktivierten BVDV Impfstoffes die Möglichkeit der serologischen Diagnostik zum Nachweis einer BVDV Infektion beeinträchtigt. In diesem Zusammenhang wurden sowohl Serum als auch Milch als Substrat untersucht. Aufgrund der hier beschriebenen Ergebnisse kann gefolgert werden, dass die geprüfte Vakzine Markereigenschaften hat, wenn geeignete NS3 Antikörperteste angewendet werden. Dieses Markerkonzept sollte jedoch nur zur Diagnostik auf Herdenniveau und nicht zur Einzeltierdiagnostik angewendet werden. Sowohl Serum als auch Milch erwiesen sich als geeignet, die geringere Sensitivität der Milchtests sollte jedoch bei der Festlegung der Intervalle für die Probennahme berücksichtigt werden.

Weitere Studien waren erforderlich, um mögliche Risiken einer unbeabsichtigten Immunisierung bei der Anwendung von Impfstoffen zu untersuchen. Diese Frage ist besonders relevant für BoHV‑1 und BVDV, da in einigen Bekämpfungsprogrammen für diese Viren die Überwachung der Herden auf dem Antikörpernachweis beruht. Die Untersuchung von drei verschiedenen Risiken führte zu den folgenden Schlussfolgerungen: Das Risiko einer Serokonversion gegen BVDV durch nicht-infektiöses BVD Virus in fötalem Kälberserum, das zur Impfstoffherstellung verwendet wurde, kann vernachlässigt werden. Ebenso erwies sich, dass Rinder, die intramuskulär mit einer markierten IBR Lebendvakzine geimpft waren kein Risiko für eine Übertragung von Impfvirus auf Kontakttiere darstellen, da sie weder den Impfstoff ausschieden noch virämisch wurden. Im Gegensatz dazu ist das Risiko einer unbeabsichtigten Übertragung von Impfvirus bei der Anwendung unzureichend gereinigter Impfbestecke als sehr hoch zu beurteilen, besonders im Fall von Lebendvakzinen.

Die beschriebenen Ergebnisse sollten bei Empfehlungen zur praktischen Anwendung von Impfstoffen gegen BVDV, BoHV‑ 1 und BRSV berücksichtigt werden.

 

keywords

Rind, Impfstoff, Immunantwort, cattle, vaccines, immune response

kb

1.436