Dissertation

Tierärztliche Hochschule Hannover / Bibliothek – School of Veterinary Medicine Hannover / Library

Catherine Pascale Günther

Untersuchungen zur mikrobiellen Besiedlung von Rachen und Trachea bei Bartagamen (Pogona spp.)

 

NBN-Prüfziffer

urn:nbn:de:gbv:95-103853

title (engl.)

Oropharyngeal and tracheal microbiota in the Bearded Dragon (Pogona spp.)

publication

Hannover, Tierärztliche Hochschule, Dissertation, 2013

text

http://elib.tiho-hannover.de/dissertations/guentherc_ws13.pdf

abstract (deutsch)

Bartagamen (Pogona spp.) erfreuen sich in der Hobbyhaltung großer Beliebtheit und werden als Patienten in der tierärztlichen Praxis zunehmend häufiger vorgestellt. Der Kenntnisstand über die physiologische bakterielle Besiedlung dieser Echsen ist nur marginal. Ziel dieser Arbeit war es deshalb, Grundlagenkenntnisse zur physiologischen aeroben und mikroaerophilen mikrobiologischen Flora von Oropharynx und kranialer Trachea dieser Echsen zu erhalten. Die Ergebnisse sollen zur Verbesserung der Beurteilbarkeit mikrobiologischer Proben beitragen, welche im Rahmen pathologischer Veränderungen in Maulhöhle und Respirationstrakt gewonnen wurden.

Zu diesem Zweck wurden bei 60 Bartagamen aus dem Patientengut (49 klinisch gesunde, 11 als fraglich gesund eingestuft) mikrobiologische Tupferproben aus dem Rachen und der Trachea kulturell untersucht. Zusätzlich wurden bei sieben erkrankten Bartagamen ebenfalls Proben dieser Lokalisationen entnommen. Alle Tupfer wurden nach Verbringen in ein Transportmedium innerhalb von 48 Stunden auf fünf Nährmedien ausgebracht (Columbia-Schafblutagar, Gassner- Agar, Staph/Strep-Selektivagar, Kochblut(Chocolate)-Agar, Hamburger Testagar) und bei 30 °C mindestens 48 bis 72 Stunden aerob und microaerophil (Kochblutagar) inkubiert. Gleiches erfolgte nach einer Anreicherung in Nährbouillon. Anschließend erfolgte eine Differenzierung mittels etablierter mikrobiologischer Methoden.

Insgesamt waren bei den klinisch gesunden Bartagamen 19 Bakteriengattungen (12 gramnegative, 7 grampositive) mit 32 Spezies (22 gramnegative, 10 grampositive) in der Regel in geringgradiger Ausprägung vertreten. Im Rachen fanden sich zu 66 % gramnegative Bakterien, (insbesondere Serratia spp., Pseudomonas spp., und Proteus sp.), zumeist (bei 64 %) in einer zwei bis drei Bakterienspezies umfassenden Mischflora mit Vertretern grampositiver Bakterien (u.a. Staphylokokken und Enterokokken). 8,2 % der oropharyngealen im Vergleich zu 63,3 % der trachealen Proben ergaben keinen mikrobiologischen Befund. In den restlichen Proben der Trachea fanden sich zu 53,3 % gramnegative Bakterien (hauptsächlich Serratia spp.). Hauptvertreter der grampositiven Flora waren auch hier Staphylokokken und Enterokokken. Häufig wurde nur eine Bakterienspezies isoliert. Ein alleiniger Nachweis grampositiver Bakterien fand in der Trachea bei 28 % der mikrobiologisch positiven Proben statt (Rachen: 7 %). Das Keimspektrum im Rachen scheint daher in Richtung gramnegativer Bakterien verschoben, wobei es sich vermutlich auch um transiente Kontaminaten aus Futter und Umgebung der Echsen handelt. Nur 18,4 % der Probanden zeigten eine Übereinstimmung des Keimspektrums in Oropharynx und Trachea. Aus diesem Grund ist von der Verwendung oropharyngealer Abstriche als Diagnostikum respiratorischer Erkrankungen abzusehen. Die Ergebnisse der 11 als fraglich eingestuften Bartagamen waren mit denen der gesunden Tiere vergleichbar.

Bei den erkrankten Bartagamen fand sich in beiden Lokalisationen fast ausnahmslos ein mittel- bis hochgradiger Befall. Alle dort nachgewiesenen Bakterien (mit Ausnahme von Moraxella sp.) wurden auch aus gesunden Tieren isoliert, allerdings wurde die grampositive Flora bei erkrankten Bartagamen fast vollständig verdrängt. Dies bestärkt die Annahme, dass es sich bei den bakteriellen Krankheitserregern der Reptilien um physiologischerweise vorkommende opportunistische Keime handelt, die im Falle hochgradiger Ansiedlung zu klinischen Symptomen führen können

Bartagamen (Pogona spp.) erfreuen sich in der Hobbyhaltung großer Beliebtheit und werden als Patienten in der tierärztlichen Praxis zunehmend häufiger vorgestellt. Der Kenntnisstand über die physiologische bakterielle Besiedlung dieser Echsen ist nur marginal. Ziel dieser Arbeit war es deshalb, Grundlagenkenntnisse zur physiologischen aeroben und mikroaerophilen mikrobiologischen Flora von Oropharynx und kranialer Trachea dieser Echsen zu erhalten. Die Ergebnisse sollen zur Verbesserung der Beurteilbarkeit mikrobiologischer Proben beitragen, welche im Rahmen pathologischer Veränderungen in Maulhöhle und Respirationstrakt gewonnen wurden.

Zu diesem Zweck wurden bei 60 Bartagamen aus dem Patientengut (49 klinisch gesunde, 11 als fraglich gesund eingestuft) mikrobiologische Tupferproben aus dem Rachen und der Trachea kulturell untersucht. Zusätzlich wurden bei sieben erkrankten Bartagamen ebenfalls Proben dieser Lokalisationen entnommen. Alle Tupfer wurden nach Verbringen in ein Transportmedium innerhalb von 48 Stunden auf fünf Nährmedien ausgebracht (Columbia-Schafblutagar, Gassner- Agar, Staph/Strep-Selektivagar, Kochblut(Chocolate)-Agar, Hamburger Testagar) und bei 30 °C mindestens 48 bis 72 Stunden aerob und microaerophil (Kochblutagar) inkubiert. Gleiches erfolgte nach einer Anreicherung in Nährbouillon. Anschließend erfolgte eine Differenzierung mittels etablierter mikrobiologischer Methoden.

Insgesamt waren bei den klinisch gesunden Bartagamen 19 Bakteriengattungen (12 gramnegative, 7 grampositive) mit 32 Spezies (22 gramnegative, 10 grampositive) in der Regel in geringgradiger Ausprägung vertreten. Im Rachen fanden sich zu 66 % gramnegative Bakterien, (insbesondere Serratia spp., Pseudomonas spp., und Proteus sp.), zumeist (bei 64 %) in einer zwei bis drei Bakterienspezies umfassenden Mischflora mit Vertretern grampositiver Bakterien (u.a. Staphylokokken und Enterokokken). 8,2 % der oropharyngealen im Vergleich zu 63,3 % der trachealen Proben ergaben keinen mikrobiologischen Befund. In den restlichen Proben der Trachea fanden sich zu 53,3 % gramnegative Bakterien (hauptsächlich Serratia spp.). Hauptvertreter der grampositiven Flora waren auch hier Staphylokokken und Enterokokken. Häufig wurde nur eine Bakterienspezies isoliert. Ein alleiniger Nachweis grampositiver Bakterien fand in der Trachea bei 28 % der mikrobiologisch positiven Proben statt (Rachen: 7 %). Das Keimspektrum im Rachen scheint daher in Richtung gramnegativer Bakterien verschoben, wobei es sich vermutlich auch um transiente Kontaminaten aus Futter und Umgebung der Echsen handelt. Nur 18,4 % der Probanden zeigten eine Übereinstimmung des Keimspektrums in Oropharynx und Trachea. Aus diesem Grund ist von der Verwendung oropharyngealer Abstriche als Diagnostikum respiratorischer Erkrankungen abzusehen. Die Ergebnisse der 11 als fraglich eingestuften Bartagamen waren mit denen der gesunden Tiere vergleichbar.

Bei den erkrankten Bartagamen fand sich in beiden Lokalisationen fast ausnahmslos ein mittel- bis hochgradiger Befall. Alle dort nachgewiesenen Bakterien (mit Ausnahme von Moraxella sp.) wurden auch aus gesunden Tieren isoliert, allerdings wurde die grampositive Flora bei erkrankten Bartagamen fast vollständig verdrängt. Dies bestärkt die Annahme, dass es sich bei den bakteriellen Krankheitserregern der Reptilien um physiologischerweise vorkommende opportunistische Keime handelt, die im Falle hochgradiger Ansiedlung zu klinischen Symptomen führen können

 

abstract (englisch)

 In view of the fact that Bearded Dragons (Pogona vitticeps) become more and more popular as pet lizards, their appearance in the veterinary practice is increasing. However, knowledge concerning the physiological bacterial flora of these lizards is scarce. Therefore it was the objective of this study to achieve baseline data, regarding the physiological aerobe and microaerophilic microbiological flora of the oropharynx and the cranial part of trachea of these lizards. The findings of the study can help to better evaluate results of microbiological probes taken in the procedure of diagnosing pathological changes of the oral cavity and the respiratory tract.

For this purpose culture specimens of the oropharynx and the cranial trachea from 60 Bearded Dragons presented as patients (49 clinically healthy, 11 questionably healthy) were taken. Additionally identical samples were obtained from seven diseased Bearded Dragons. All swabs were immediately brought into transport media and planted onto five different agars (Columbia agar, Gassner agar, Staph/Strep selective agar, Chocolate agar, Kimmig agar) within 48 hours. They were incubated 48 – 72 hours at 30 °C under an aerobe and microaerophilic (Chocolate agar) atmosphere. Standard established microbiological methods were used for bacterial differentiation.

In clinically healthy Bearded Dragons 19 bacterial genera (12 gram-negative, 7 gram-positive) including 32 species (22 gram-negative, 10 gram-positive) were found, generally in a low number. 66 % of the isolated bacteria of the oropharynx were gram-negative (Serratia spp., Pseudomonas spp. and Proteus sp., in particular), mostly (64 %) occurring in a mixed flora of two or three bacterial species including gram-positive bacteria (among others genuses Staphylococcus and Enterococcus). Only 8.2 % of the oropharyngeal samples in comparison to 63.3 % of the tracheal specimens yielded a negative microbiological result. In the remaining samples of the trachea 53.3 % gram-negative bacteria were found (primarily Serratia sp.). As in the oropharynx the genuses Staphylococcus and Enterococcus mainly constituted the gram-positive flora cultured in the trachea, but most of the time only one bacterial species was isolated. 28 % of cultural positive tracheal samples showed a pure gram-positive flora (orpharynx: 8 %). The bacterial spectrum in the oropharynx seems to be shifted towards a more gram-negative flora, presumably also due to transient contamination via food and environmental bacteria. Only 18.4 % of the probed lizards showed an identical microbiological flora in both locations. Therefore oropharyngeal swabs should not be used as diagnostic means in the treatment of respiratory diseases. Results of the 11 questionably healthy Lizards were comparable to those of the clinically healthy animals.

In the group of the diseased Bearded Dragons, swabs of both locations yielded a medium to heavy cultural bacterial growth. With the exception of Moraxella sp. all detected bacteria were also found in clinically healthy animals, but gram-positive flora was almost completely replaced. This enforces the assumption that bacterial aetiological agents in reptiles are mostly physiologically appearing opportunistic bacteria, which, in a high quantity, can lead to clinical symptoms.

 

keywords

Bartagame, Trachea, mikrobiologische Untersuchung, Bearded Dragon, trachea, microbiota

kb

1.179