Dissertation

Tierärztliche Hochschule Hannover / Bibliothek – School of Veterinary Medicine Hannover / Library

 

Lara Górriz Martín

 

An in vitro study on the myometrial contractility in dairy cattle before calving and after postpartum LPS infusion. Relation to blood progesterone and estradiol-17b levels

 

NBN-Prüfziffer

urn:nbn:de:gbv:95-102985

title (ger.)

In vitro Studie über die Kontraktilität des Myometriums bei Milchkühen vor der Abkalbung und nach einer LPS Infusion post partum. Einfluss des Progesteron- und Östradiol-17b Blutspiegels

publication

Hannover, Tierärztliche Hochschule, Dissertation, 2013

text

http://elib.tiho-hannover.de/dissertations/gorrizmartinl_ss13.pdf

abstract (deutsch)

Ziele der vorliegenden Arbeit waren es, die Uteruskontraktilität in vitro und die Expression der Oxytocin (OTR), Prostaglandin F (FPR), Progesteron (PR) und Östrogen α (ERα)-Rezeptoren in der Uteruswand des Rindes während der späten Gravidität bzw. postpartum zu untersuchen. Ein weiteres Ziel war es zu überprüfen, ob die systemischen Progesteron-(P4) und 17ß-Östradiol-(E) Konzentrationen einen Einfluss auf die Kontraktilität bzw. auf die Rezeptorexpression haben. Hierzu wurden 24 Holstein Friesian Kühe verwendet und in 2 Gruppen unterteilt. Die erste Gruppe beinhaltete 12 gesunde Tiere um Tag 275 der Trächtigkeit. Die zweite Gruppe umfasste 12 Tiere postpartum, deren Nachgeburt spontan innerhalb von 12 Stunden nach dem Kalben ausgetrieben wurde. Nach dem Nachgeburtsabgang wurden 5 pg/mL LPS verdünnt in 1 L 0,9% NaCl isotonischer Lösung bei 37°C transzervikal in die Gebärmutter infundiert. Eine Blutprobeentnahme erfolgte vor der Gewebegewinnung aus der Vena jugularis, um die Konzentrationen von P4, E, PGF-Metabolit (PGFM) und ionisiertem Kalzium zu untersuchen. Das interkarunkuläre Gewebe wurde durch Kaiserschnitt (Gruppe 1) bzw. nach Euthanasie und Entnahme des Uterus (Gruppe 2) aus der großen Kurvatur des ehemals tragenden Horns reseziert. Die Gewebe wurden in Krebs-Lösung (KS) bei 37°C für die Kontraktilitätsversuche, in Formalin für die immun¬histoche¬mischen Versuche, und in flüssigem Stickstoff für die RT-PCR eingebracht. Vier Streifen aus den zirkulären und 4 aus den longitudinalen Schichten des Myometriums wurden präpariert, in einem Organbad gefüllt mit KS bei 37°C eingespannt und mit 95% O2 und 5% CO2 perfundiert. Die spontane kontraktile Aktivität wurde nach einstündiger Äquilibrierungsphase und über 2,5 Std. (unterteilt in 5 Zeitperioden (T) von 30 min) gemessen. Anschließend wurde jeder Streifen mit zunehmenden Konzentrationen von Oxytocin (Oxy), einem natürlichen Analogon von PGF (PGF), Calciumchlorid (Ca) oder mit KS (Cont) stimuliert und deren kontraktile Antworten aufgenommen. Die Parameter Fläche unter der Kurve (AUC), mittlere Amplitude (MA), maximale Amplitude (maxA), minimale Amplitude (minA), Anstieg der Basisilinie (BR) und Frequenz (FR) wurden für jeden T berechnet (letzte 20 Min.). Retrospektiv wurden die Tiere anhand der Konzentrationen der Steroidhormone in Untergruppen geordnet. Dies führte zu den folgenden Untergruppen in Gruppe 1: E high: E>400 pg/mL, na=7; und E low: E2ß<400 pg/mL, na=5. Die 4 Tiere mit den höchsten (P4>5,2 ng/mL) und den niedrigsten (P4<3,5 ng/mL) P4-Konzentrationen wurden als P4 high und P4 low bezeichnet. Ähnliche Kriterien wurden für die Tiere der Gruppe 2 verwendet. Für die Untergruppen bezogen auf die E-Konzentration, wurden Werte von über 100 bzw. unter 60 pg/mL betrachtet, was in 2 Untergruppen bezeichnet E high (E>100 pg/mL, na=4) und E low (E<60 pg/mL; na=4) resultierte. Tiere mit P4>0,43 ng/mL und P4<0,31 ng/mL wurden in P4 high (na=4) und im P4 low (na=4) unterteilt.

Die Blutkonzentrationen von P4, E, PGFM und ionisiertem Kalzium betrugen durchschnittlich 4,0 ± 1,7 ng/mL, 482,3 ± 63,7 pg/mL, 125,3 ± 63,7 pg/mL und 0,8 ± 0,3 mmol/L für Gruppe 1 und 0,4 ± 0,1 ng/mL, 87,6 ± 39,5 pg/mL, 2154,1 ± 886,0 pg/mL bzw. 0,9 ± 0,1 mmol/L für Gruppe 2. In der Gruppe 1 erreichten die longitudinalen Muskelschichten höhere (P≤0,05) AUC, MA, maxA, und FR Werte als die zirkulären Muskelschichten. In der Gruppe 2 erreichten die zirkulären Muskelschichten höhere Medianwerte für BR (P≤0,05), und während T5 für BR (P≤0,05), minA (P≤0,05), maxA (P≤0,05), AUC (P=0,8) und MA (P=0,8). Die Stimulation mit Oxy verursachte in allen Fällen höhere kontraktile Werte (P≤0,05) als PGF, Ca und Cont (Oxy>PGF>Ca, Cont). Die longitudinalen Muskelschichten der Gruppe 1 zeigten nach der Stimulation mit Oxy und PGF numerisch höhere Werte als die zirkulären. In Gruppe 2 erreichten die zirkulären Muskelschichten jedoch numerisch höheren Werte nach der Verabreichung von Oxy. Die Stimulation mit PGF und Ca führte zu numerisch niedrigeren kontraktilen Werten im Vergleich zu den longitudinalen Muskelschichten. Die longitudinalen Muskelschichten von ante partum Tieren mit höheren Konzentrationen an E in vivo wiesen mehr spontane kontraktile Aktivität auf als longitudinalen Muskelschichten aus Tieren mit niedrigeren Konzentrationen von E. Allerdings erscheinen die Longitudinalstreifen von postpartalen Tiere mit geringeren E Blut¬konzentrationen mehr kontraktil zu sein. Vor dem Abkalben wiesen beide Typen von Streifen höhere Werte von AUC, MA, und maxA auf, wenn die in vivo P4-Konzentration höher war. Nach dem Kalben zeigten hingegen longitudinale und circuläre Streifen höhere werte von minA, wenn sie von Kühen mit niedrigeren P4-Blutspiegel entstammten. Bezüglich der immunhistochemischen Analyse wurden PR und ER in den Kernen der uterinen Zellen, OTR im Zytoplasma und FPR in beiden Örtlichkeiten lokalisiert. PR wurde nur im kompaken und retikulären Stroma (CS und RS) und im Myometrium (MYO) nachgewiesen. Kerne von Oberflächenepithel (SE), CS, RS, Drüsenepithel (G), Gefäßwand (VW) und MYO zeigten das Vorhandensein von unterschiedlichen Anteilen von ERα und FPR in unterschiedlichen Mengen, und von OTR in unterschiedlichen Intensitäten. Die myometriale Expression von ERα-, PR-, OTR- und FPR-mRNA-Transkripten betrug 16,7 ± 0,4, 9,1 ± 0,8, 16,03 ± 0,7 und 14,2 ± 0,7 ΔCq für Gruppe 1 und 22,9 ± 0,7, 31,6 ± 0,6, 24,6 ± 0,9 und 27,3 ± 1,9 ΔCq für Gruppe 2. In beiden Gruppen erreichte die Untergruppe E high höhere Intensitäten der zyto¬plasmatischen Färbung für OTR in VW (Gruppe 1: P≤0,05; Gruppe 2: P=0,09) und tendenziell höhere (Gruppe 1: P=0,06; Gruppe 2: P=0,09) Anzahl von PR-mRNA-Transkripten im Vergleich zu E low. Zusätzlich war ERα-mRNA-Expression in Gruppe 1 tendenziell höher (P=0,08) im Vergleich zu E low.

Zusammengefasst müssen die longitudinalen und die zirkulären Muskelschichten des bovinen Uterus um die Geburt aufgrund ihres unterschiedlichen Verhaltens im Organbad als zwei verschiedene Einheiten betrachtet werden. Außerdem könnten die Blutkonzentrationen von P4 und E vor und nach der Geburt einen Einfluss auf die Regulierung der kontraktilen Aktivität haben. Jedoch beeinflussen sie die uterinen Schichten unterschiedlich. Weitere Untersuchungen, in der die Rezeptorexpression in Bezug zu der uterinen Schicht berücksichtigt wird, sind notwendig, um das Ausmaß des Einflusses des hormonellen Hintergrundes auf die Regulierung des Uteruskontraktilität aufzuklären.

 

abstract (englisch)

The aims of this study were to investigate the uterine contractility in vitro, and the expression of the oxytocin (OTR), prostaglandin F (FPR), progesterone (PR), and estrogen α (ERα) receptors in late pregnant and postpartum bovine uteri, and whether the systemic levels of progesterone (P4), and 17ß-estradiol (E) have an influence on them. For these purposes 24 Holstein Friesian cows were used and divided into 2 groups. The first group (na=12) accounted healthy animals at around day 275 of gestation. The second group involved 12 postpartum animals whose afterbirth was spontaneously expelled within 12 hours after calving. After the placental detachment, 5 µg/mL LPS dissolved in 1 L 0.9% NaCl isotonic solution at 37°C were infused transcervically in the uterus. Blood samples were harvested prior to the tissue collection from the jugular vein to examine P4, E, metabolite of PGF (PGFM) and ionized calcium. The uterine samples were taken through cesarean section (group 1) and laparotomy after euthanasia (group 2) from the large curvature of the pregnant horn. The tissues were placed in Krebs’ solution (KS) at 37°C for the contractility experiments, in formalin for the immuno¬histoche¬mistry, and frozen in liquid nitrogen for the RT-PCR. Four circular and 4 longitudinal myometrial strips were dissected from every uterine sample and mounted in an organ bath filled with KS at 37°C and perfused with 95% O2 and 5% CO2. The spontaneous contractile activity was measured after 1 h of equilibration and during 2.5 h (divided into 5 time periods (T) of 30 min each). Subsequently, every strip was stimulated with increasing concentrations of oxytocin (Oxy), a natural analogue of PGF (PGF), calcium chloride (Ca), or nothing (Cont) and the induced response recorded. The parameters area under the curve (AUC), mean amplitude (MA), maximal amplitude (maxA), minimal amplitude (minA), baseline rise (BR), and frequency (FR) were calculated for every T (last 20 min). Retrospectively the animals were regrouped into subgroups attending to their steroid hormones levels. This led to the following subgroups in group 1: E high: E>400 pg/mL, na=7; and E low: E<400 pg/mL. Secondly, 4 animals with the highest (P4>5.2 ng/mL) and the lowest (P4<3.5 ng/mL) P4 concentrations were designated P4 high and P4 low, respectively. Similar criteria were used for the animals in group 2. The superior cut-off of E concentration was 100 pg/mL and the inferior 60 pg/mL, resulting in 2 subgroups termed E high (E >100 pg/mL; na=4) and E low (E<60 pg/mL; na=4). Animals with P4>0.43 ng/mL and P4<0.31 ng/mL were included in P4 high (na=4) and in P4 low (na=4), respectively.

The blood P4, E, PGFM and ionized calcium values averaged 4.0 ± 1.7 ng/mL, 482.3 ± 63.7 pg/mL, 125.3 ± 63.7 pg/mL, and 0.8 ± 0.3 mmol/L for group 1, and 0.4 ± 0.1 ng/mL, 87.6 ± 39.5 pg/mL, 2154.1 ± 886.0 pg/mL, and 0.9 ± 0.1 mmol/L for group 2, respectively. In group 1, the longitudinal muscle layers achieved higher (P≤0.05) spontaneous contractile values for AUC, MA, maxA, and FR than the circular one; whereas in group 2 the circular layer attained higher median values for BR (P≤0.05), and during T5 for BR (P≤0.05), minA (P≤0.05), maxA (P≤0.05), AUC (P=0.8) and MA (P=0.8). The stimulation with Oxy produced in all cases higher contractile values (P≤0.05) than PGF, Ca and Cont (Oxy>PGF>Ca, Cont). The longitudinal muscle layers of group 1 were numerically more reactive to the stimulation with Oxy and PGF than the circular ones. However, in group 2, the circular muscle layers reached non-significant higher values after the administration of Oxy, but numerically lower values after the stimulation with PGF and Ca compared to the longitudinal ones. Before calving, the longitudinal muscle layers originating from animals with higher concentrations of E in vivo exhibited more spontaneous contractile activity. In contrast, longitudinal strips from postpartum animals with lower E blood concentrations displayed more spontaneous contractile activity. Prior to calving, both types of strips contracted more if the in vivo P4 concentration was higher. Yet, after calving, the longitudinal muscle layers exhibited higher values for AUC, MA, and maxA, whereas circular strips showed higher minA if they originated from cows with lower blood levels of P4. Concerning the immunohistochemical analysis, PR and ERα were localized in the nuclei of the uterine cells, OTR in cytoplasm and FPR in both locations. PR was only detected in both compact and reticulated stroma (CS and RS, respectively) and in myometrium (MYO). Cells from the surface epithelium (SE), CS, RS, glands (G), vessel wall (VW) and MYO were ERα, OTR and FPR-positive in different proportions (ERα, FPR) or intensities (FPR, OTR). The myometrial expression of ERα, PR, OTR and FPR mRNA transcripts was 16.7 ± 0.4, 9.1 ± 0.8, 16.0 ± 0.7, and 14.2 ± 0.7 ΔCq for group 1, and 22.9 ± 0.7, 31.6 ± 0.6, 24.6 ± 0.9, and 27.3 ± 1.9 ΔCq for group 2, respectively. In both groups, the subgroup E high there were differences and tendencies of higher intensity values of cytoplasm stain in VW (group1: P≤0.05; group 2: P=0.09) for OTR, and the PR mRNA expression was numerically enhanced (Group 1: P=0.06; Group 2: P=0.09) compared to E low. Additionally, in group 1 there was a tendency for higher ERα mRNA expression (P=0.08) compared to E low.

In summary, the longitudinal and the circular muscle layer of the bovine uterus around parturition have to be considered as two different entities, because of their distinctive behavior in the organ bath. Moreover, the levels of P4 and E might be determinant for the regulation of the contractile activity before and after calving, but seem to influence the uterine layers differently. Further investigations on receptor expression with respect to uterine layer are needed, to elucidate the extent of the influence of the hormonal background on the regulation of the uterine contractility.

 

keywords

Myometriumskontraktilität, in vitro, peripartal, Myometrial contractility, in vitro, around parturition

kb

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