Dissertation

Tierärztliche Hochschule Hannover / Bibliothek – School of Veterinary Medicine Hannover / Library

 

 Mona Franziska Giersberg

 

 Collection of biometric data as an animal based approach for the assessment of minimum space requirements in livestock farming

 

NBN-Prüfziffer

urn:nbn:de:gbv:95-109787

title (ger.)

Erhebung biometrischer Daten als tierbezogene Indikatoren für die Definition von Mindestplatzansprüchen in der Nutztierhaltung

publication

Hannover, Tierärztliche Hochschule, Dissertation, 2017

text

http://elib.tiho-hannover.de/dissertations/giersbergm_ss17.pdf

abstract (deutsch)

Die ausreichende Platzzuteilung ist einer der strittigsten Tierschutzaspekte in der modernen landwirtschaftlichen Nutztierhaltung. Innerhalb der Europäischen Union werden vorhandene gesetzliche Regelungen zu Mindestplatzanforderungen für einige Nutztierarten kontrovers diskutiert. Für andere Tierarten hingegen existieren entweder nur nationale oder überhaupt keine detaillierten rechtsverbindlichen Vorschriften. Das komplexe Thema der adäquaten Platzbemessung lässt sich vereinfachen, indem zunächst nur die statischen Dimensionen betrachtet werden, die Tiere durch ihre eigenen Körper einnehmen. Ziel dieser Arbeit war es, den statischen Platz zu bemessen, den landwirtschaftliche Nutztiere durch ihre physikalische Körpergröße und -form beanspruchen. Zur Messung der zweidimensionalen Bodenfläche, die ein Tier abdeckt, wurden Masthühner (Diskussion Europäischer gesetzlicher Regelungen) und Mast- und Zuchtkaninchen (Diskussion nationaler gesetzlicher Regelungen) ausgewählt. Da lineare Dimensionen besonders bedeutsam bei der Haltung von Hühnern des Legetyps sind (Sitzstangen, Futterbahnen), wurden die horizontalen Körperbreiten bei Junghennen zweier Genetiken vermessen (Empfehlungen für zukünftige nationale und Europäische Vorschriften). Um die von den Tieren abgedeckte Bodenfläche zu berechnen, wurden kontrastbasierte planimetrische Messungen durchgeführt. Die Masthühner und Kaninchen wurden einzeln gewogen und anschließend in stehenden und ruhenden Körperhaltungen in Aufsicht fotografiert. Von jeder digitalen Fotografie wurde durch eine speziell entwickelte Software die Anzahl tierbezogener Pixel erfasst und die Tierfläche berechnet. Um die Körperbreiten von Junghennen zu bestimmen wurde eine auf der Vermessung von Distanzen in Digitalaufnahmen beruhende Methode angewendet. Hierzu wurden Frontalfotografien von den zuvor gewogenen Junghennen aufgenommen, die mithilfe eines speziellen Computerprogramms analysiert wurden. Innerhalb der untersuchten Gewichtsbereiche und Körperhaltungen von Masthühnern und Kaninchen stiegen die von den Tieren abgedeckten Flächen in Abhängigkeit vom Körpergewicht linear an (R²=0,82–0,99). Darüber hinaus deckten Tiere in ruhenden Körperhaltungen in den meisten untersuchten Gewichtsklassen eine signifikant größere Bodenfläche ab als stehende Tiere (P<0,05). Das Alter beeinflusste die gemessenen Körperbreiten von Junghennen nur zum Ende der Aufzuchtphase statistisch signifikant, obwohl sich die Gewichte der Tiere zwischen jedem Untersuchungstag signifikant unterschieden (P<0,05). Effekte der Genetik waren uneinheitlich, wohingegen die untersuchten Körperhaltungen keinen Einfluss auf die gemessenen Körperbreiten der Junghennen hatten. Die Ergebnisse dieser Arbeit zeigen, dass -rein physikalisch gesehen- Masthühner mit üblichen Endgewichten bei den durch die Europäische Union gesetzlich vorgeschriebenen Besatzdichten gleichzeitig ruhen können. Das gleiche gilt auch für Mast- und Zuchtkaninchen, die nach Vorgaben der Deutschen Gesetzgebung gehalten werden. Allerdings wurde rechnerisch auch gezeigt, dass ein gleichzeitiges Liegen von allen Kaninchen zum Ende der Mast in den üblicherweise in Europa genutzten Käfigen nicht möglich ist. Bezüglich horizontaler Einrichtungen in Haltungssystemen für Junghennen deuten die Ergebnisse dieser Arbeit darauf hin, dass diese mindestens entsprechend anteilig so zu bemessen sind, wie im Europäischen Recht für adulte Legehennen vorgeschrieben. Die in dieser Arbeit von landwirtschaftlichen Nutztieren erhobenen biometrischen Daten sind sowohl eine wissenschaftlich abgesicherte Grundlage für die Diskussion von Mindestplatzanforderungen in der intensiven Nutztierhaltung als auch ein erster Schritt in Richtung Definition und Umsetzung zukünftiger rechtlicher Rahmenbedingungen. Es muss allerdings betont werden, dass es bei der Unterbringung von Tieren nicht ausreicht, einem Tier die Fläche zuzuteilen, die es durch seine physikalischen Körperdimensionen beansprucht. Vielmehr müssen für die von Nutztieren benötigte Gesamtfläche weitere Parameter, wie beispielsweise Rangordnungen, bevorzugte interindividuellen Distanzen, Umgebungstemperaturen, und Käfig- oder Buchtenformen Berücksichtigung finden. Diese können jedoch nur durch weitergehende ethologische Studien bestimmt werden.

abstract (englisch)

Space allowance is one of the most disputed welfare criteria in modern livestock farming. Specific legal regulations on minimum space requirements are incomplete and inconsistent within the European Union. Existing European regulations for some farm animal species are controversially discussed, whereas for other animal species there are only national regulations in a few Member States or no detailed legally binding provisions at all. The complex issue of adequate space allowances in livestock husbandry can be simplified by first regarding the static amount of space that animals take up by their own bodies. The aim of this study was to assess the static space which farm animals occupy due to their physical body size and shape. For measuring the two dimensional floor area an animal covers, broiler chicken (discussion of European legal regulations), and fattening rabbits and breeding does (discussion of national legal regulations) were chosen. Since linear dimensions are particularly important for housing chickens of the laying type (perches, linear track feeders), horizontal body widths were measured in two genetic strains of pullets (recommendations for future national and European legal regulations). To calculate the floor area covered by the animals, planimetric measurements using a colour-contrast method were carried out. Broiler chickens and rabbits were weighed individually, and were photographed from a top view in both standing and resting body positions. In each digital photo, the number of animal associated pixels was counted by a purpose-developed software, and thus the animal area was calculated. To determine the body widths of layer pullets, a method based on the measurement of distances in digital images was applied. Therefore, front view photographs of the previously weighed pullets were taken, and were analysed by means of a purpose-developed computer program. Regarding the weight ranges and body positions of broiler chickens and rabbits tested in this study, the areas covered by the animals increased linearly (R²=0.82-0.99) with increasing bodyweight. Furthermore, animals adopting a resting position covered significantly more floor space than standing animals (P <0.05) at most of the tested body weights. The measured body widths of pullets were only significantly affected by age at the end of the rearing period though their body weights differed significantly on each study day (P <0.05). Genetic effects were inconsistent whereas the tested body positions had no effect on the pullets’ body widths. The results of this study show that, from a physical point of view, simultaneous resting is possible for broiler chickens kept at any stocking density provided by European legislation and at any common target weights. The same applies to fattening rabbits and breeding does housed according to the minimum space allowances laid down in German legislation. However, in terms of figures it was also shown that rabbits at the end of fattening cannot recline simultaneously in cages commonly used in Europe. Concerning linear features in housing systems for pullets, the results of the present study indicate that pullets should receive at least the same proportion of linear space as required for their mature conspecifics by European law. The biometric data of farm animals collected in the present study provide a scientific sound basis for the discussion of minimum space requirements in intensive livestock housing as well as a first step towards the definition and implementation of future legal requirements. However, it must be emphasised that it is not sufficient to offer the bare area an animal occupies by its physical body dimensions in livestock husbandry. Total space requirements of farm animals considering parameters such as ranking orders and preferred inter-individual distances as well as ambient temperatures, the shape of a cage or barn and the positions of its features can be only obtained by further ethological studies.

keywords

Platzanforderungen, Nutztiere, planimetrische Methode, space requirements, farm animals, planimetric method

kb

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