Dissertation

Tierärztliche Hochschule Hannover / Bibliothek – School of Veterinary Medicine Hannover / Library

Philipp Ellert

Zahnverletzungen durch das Abschleifen von Zähnen bei Saugferkeln - Untersuchung eines neu entwickelten Schleifkopfes im Vergleich zur herkömmlichen Methode

 

NBN-Prüfziffer

urn:nbn:de:gbv:95-109720

title (eng.)

Tooth injuries caused by grinding teeth of suckling piglets - Examination of a newly developed grinding head compared to the conventional method

publication

Hannover, Tierärztliche Hochschule, Dissertation, 2017

text

http://elib.tiho-hannover.de/dissertations/ellertp_ss17.pdf

abstract (deutsch)

Das Abschleifen der Eck- und Schneidezähne bei Saugferkeln wird in deutschen Ferkelerzeugerbetrieben häufig durchgeführt. Die als Schutzmaßnahme angesehene Zahnresektion wird vor allem beim Milchmangel der Muttersau angewendet. Die dabei vermehrt entstehenden Rangkämpfe führen innerhalb der Wurfgeschwister teilweise zu schweren Hautverletzungen am Kopf. Darüber hinaus sollen auch Bissverletzungen am Gesäuge der Sau vermieden werden. Mit der für den herkömmlichen Schleifkopf typischen, rotierenden Walze werden im routinemäßigem Einsatz jedoch sehr häufig die unterschiedlich langen Eck-und Scheidezähne eines Quadranten gleichzeitig abgeschliffen, sodass die Eröffnung der Pulpahöhle bei mindestens einem Zahn kaum vermieden werden kann. Diese Eröffnung der Pulpahöhlen kann zu Maulhöhlen- und Zahnerkrankungen führen und die Entwicklung der Ferkel beeinträchtigen. Um die Eröffnung der Pulpahöhlen zu vermeiden oder wenigstens zu reduzieren, wurde in der vorliegenden Untersuchung ein neu entwickelter Teacup-Schleifkopf getestet, der so konzipiert ist, dass jeder Zahn zwingend einzeln geschliffen werden muss.

 

Ziel der Untersuchung war es das Auftreten von Zahnverletzungen bei Saugferkeln nach Anwendung des neu entwickelten Teacup-Schleifkopfes im Vergleich zum herkömmlichen Walzenschleifkopf zu testen. Dazu wurden in fünf Ferkelerzeugerbetrieben insgesamt 1350 Ferkel in die Untersuchung einbezogen. Eine Voruntersuchung (Status quo) umfasste Tiere, deren Zähne mit der herkömmlichen Methode abgeschliffen worden waren. In der eigentlichen Vergleichsuntersuchung, bestehend aus vier weiteren Gruppen, wurden die Zähne bei der Hälfte der Tiere mit dem herkömmlichen resp. dem neu entwickelten Schleifkopf bearbeitet. Die Tierhalter/Tierbetreuer waren nach der Status quo Untersuchung in der Handhabung des neu entwickelten Schleifkopfes geschult worden, um ihnen die Risiken einer unsachgemäßen Zahnresektion näher zu bringen.

 

Bei der Betrachtung der Häufigkeit eröffneter Pulpahöhlen ergaben sich, bis auf zwei Ausnahmen, statistisch signifikante Differenzen (p < 0,0001) zwischen den beiden Schleifsystemen. So wiesen von den 4800 mit dem Teacup-Schleifkopf geschliffenen Zähnen 493 (10,3 %) eine eröffnete Pulpahöhle auf. Nach Anwendung des Walzenschleifkopfes war die Zahl mit 2001 (41,7 %) eröffneten Zähnen rund viermal höher. Des Weiteren konnten hinsichtlich der Häufigkeit eröffneter Zähne bei beiden Schleifsystemen statistisch signifikante Differenzen (p < 0,0001) zwischen den verantwortlichen Personen nachgewiesen werden. Nach der Resektion der Ferkelzähne mit dem Walzenschleifkopf wurden im Oberkiefer vor allem die Id3 und im Unterkiefer die Cd eröffnet. Dieser Effekt wurde beim Teacup-Schleifkopf nicht festgestellt.

 

Der zeitliche Aufwand für das Resezieren der Zähne mit dem Teacup-Schleifkopf war in der dritten Gruppe 10,0 Sekunden und in der vierten Gruppe 8,1 Sekunden länger, als das Schleifen der Zähne eines Ferkels mit dem Walzenschleifkopf (9,6 Sekunden). Somit dauerte der Schleifvorgang mit dem Teacup-Schleifkopf etwa doppelt so lange. Dieser zusätzliche Zeitbedarf ergibt sich aus der Notwendigkeit jeden Zahn zwingend einzeln abzuschleifen.

 

Trotz des geringfügig erhöhten Zeitaufwandes für das Resezieren der Zähne, ist mit dem Teacup-Schleifkopf eine Alternative zur üblichen Schleifmethode geschaffen worden, die ihre Stärken in der signifikanten Reduzierung der Pulpaeröffnungen hat. Dieser Vorteil wird vor allem in Betrieb 3 deutlich. Hier wurden mit dem Teacup-Schleifkopf 95,3 % weniger Zähne eröffnet als mit dem Walzenschleifkopf. In Betrieb 4 war dieser Effekt mit einer Reduzierung um 45,4 % am geringsten.

abstract (englisch)

Tooth removal by grinding canine and incisor teeth of suckling piglets is frequently carried out on many German pig farms. Dental resection, which is regarded as a protective measure, is mainly used when milk shortage is apparent in sows. The resulting increasing competition amongst the litter mates partly lead to serious skin injuries being inflicted. In addition, preventing bite wounds on the mammary chain of the sow are also a reason for removing teeth in piglets. With the rotating roller, which is typical for the conventional grinding head method, the canine and incisor teeth of varying lengths of a quadrant are very frequently routinely sanded down so that opening the pulp cavity of at least one tooth is virtually unavoidable. This opening of the pulp cavity can lead to damage to the oral soft tissue and the occurrence of dental diseases which further affect the development of piglets. In order to avoid or at least to reduce the opening of the pulp cavities, a new teacup grinding head was tested in our present study, which is designed in such a way that each tooth must be individually ground.

 

The aim of our study was to test the occurrence of tooth injuries in suckling piglets after implementing the newly developed teacup grinding head compared to the conventional roller-grinding head. For this purpose, 1350 piglets from five piglet farms were included in the study. A preliminary investigation (status quo) included animals whose teeth had been ground using the conventional method. In the actual comparative investigation, consisting of four further groups, the teeth of half of the animals were prepared with the conventional method and compared to the newly developed grinding head method of the other animals in this study population. After the status quo investigation, the animal owners were trained how to handle the newly developed grinding head in order to minimize the risks of improper tooth resection.

 

When considering the frequency of opened pulp cavities, there were statistically significant differences (p <0.0001) between the two grinding systems, with two exceptions. For the 4800 teeth prepared with the teacup grinding head method, 493 teeth (10.3%) showed an opened pulp cavity. After applying the roller grinding head method, an opened pulp cavity was evident in 2001 teeth (41.7%), this occurrence being approximately four times greater than with the teacup grinding method. In addition, statistically significant differences (p <0.0001) between the responsible personnel could be detected with regard to the frequency of opened teeth in both grinding systems. After resectioning piglet teeth with the roller grinding head, it was found that the Id3 in the upper jaw and the Cd in the lower jaw were more frequently open. This effect was not detected with the teacup grinding head method.

 

The time-consuming effort to resect the teeth with the teacup grinding head took 10.0 seconds longer in the third group and 8.1 seconds longer in the fourth group, compared to grinding the teeth with the roller grinding head (9.6 seconds). The grinding process with the teacup grinding head lasted approximately twice as long. This additional time requirement is due to the fact that each tooth must be ground individually.

 

Despite the additional time for resecting teeth, the teacup grinding head method is an alternative to the usual conventional roller grinding method, its strengths lying in the significant reduction in the pulper openings. This advantage is particularly evident in the piglets treated on farm 3 of this study. The teacup grinding head opened 95.3% fewer teeth than the roller grinding head. On farm 4 this effect was the lowest with a reduction of 45.4%.

keywords

Pulpahöhle, Resezieren, Schwein ; pulp cavity, resect, pig

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