Dissertation

Tierärztliche Hochschule Hannover / Bibliothek – School of Veterinary Medicine Hannover / Library

 

Paula Dönselmann im Sande

 

Der Einfluss verschiedener Morphinderivate auf den thermischen nozizeptiven Schwellenwert beim Pferd

 

NBN-Prüfziffer

urn:nbn:de:gbv:95-102870

title (engl.)

Effect of morphine, butorphanol and levomethadone on the thermal nociceptive threshold in horses

publication

Hannover, Tierärztliche Hochschule, Dissertation, 2013

text

http://elib.tiho-hannover.de/dissertations/doenselmannimsandep_ss13.pdf

abstract (deutsch)

Ziel dieser Studie war es, mithilfe der Thermostimulation die analgetische Effektivität gebräuchlicher Dosierungen von Morphin, Butorphanol und Levomethadon beim Pferd zu vergleichen. Weiterhin sollte untersucht werden, ob eine mögliche Steigerung der analgetischen Effektivität nach Applikation einer höheren Dosierung von Morphin, Butorphanol und Levomethadon erzielt werden kann. Das Auftreten möglicher Opioid-assoziierter Nebenwirkungen stellte einen weiteren Untersuchungspunkt dar.

 

Für die Untersuchungen wurden acht klinisch allgemeingesunde Pferde der Klinik für Pferde, Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, im von Alter 6-24 Jahren und einem Gewicht von 430-633 kg verwendet. Der kutane thermische nozizeptive Schwellenwert wurde mittels Kontaktwärmestimulation am Widerrist am frei laufenden Pferd bestimmt. Die Studie wurde als kontrollierter, teil randomisierter, experimenteller Versuch mit verblindetem Untersucher im kompletten cross-over Design durchgeführt. Jedes der acht Pferde wurde unter Placebo (P = isotone Kochsalzlösung) und Morphin (M0,1 = 0,1 mg/kg; M0,2 = 0,2 mg/kg), Butorphanol (B0,1 = 0,1 mg/kg; B0,2 = 0,2 mg/kg), Levomethadon (L0,1 = 0,1 mg/kg; L0,2 = 0,2 mg/kg) in einer niedrigen und einer hohen Dosierung getestet mit mindestens 14 Tagen zwischen den Versuchsdurchläufen. Für die Ermittlung eines Kontroll Schwellenwertes, wurden vor AM-Applikation drei Messungen im Abstand von 20 Minuten vorgenommen. Daraufhin wurde Morphin, Butorphanol, Levomethadon oder ein Placebo intravenös injiziert. Im Verlauf wurden Messungen nach 10, 30, 60, 90, 120, 240, 300, 360, 420, 540 und 1350 Minuten durchgeführt. Weiterhin wurden zu jedem Messzeitpunkt Verhalten, Drangwandern, Kotabsatz, Darmgeräusche, Herz- und Atemfrequenz und die Hauttemperatur aufgezeichnet.

Die Auswertung der Daten erfolgte mit dem Statistikprogramm SAS, Version 9.3 (SAS Institute, Cary, NC). Es wurde ein Signifikanzniveau von p≤ 0,05 berücksichtigt.

Die Vergleiche zwischen den Medikationen zu jedem MZP wurden mittels einfaktorieller Varianzanalyse und post hoc Tukey´s t-Test berechnet. Die Vergleiche der Messzeitpunkte gegen die Kontrolle (Kontrollwert) für jede Medikation erfolgte mit einfaktorieller Varianzanalyse für Messwiederholungen mit post hoc Dunnett´s t-Test.

 

In der Behandlung M0,1 kam es zu einer leichten Erhöhung der Schwellenwerte, die jedoch zu keinem Zeitpunkt statistische Signifikanz erreichten. Zu signifikant erhöhten Schwellenwerten kam es in den Behandlungen M0,2  für 240 Min., B0,1 für 90 Min., B0,2 für 90 Min., L0,1 für 60 Min. und L0,2 für 300 Min.. Verhaltensänderungen sind in Form von Drangwandern, Lippenspiel, Kopfzucken, erhöhten Muskeltonus, Zittern, Ataxie, Leerkauen und einem simuliertem Fressverhalten aufgefallen. In allen Opioid Behandlungen trat eine Reduzierung der Darmgeräusche und ein verzögerter Kotabsatz auf. Eine signifikante Veränderung der Atemfrequenz ist in keiner Behandlung beobachtet worden. Während in den Behandlungen M0,1, B0,1, B0,2 und L0,1 keine Veränderungen der Herzfrequenz auftraten, konnte in den Behandlungen M0,2 (t30) und L0,2 (t10, t30) eine vorübergehende leichte Erhöhung der Herzfrequenz beobachtet werden.

 

Levomethadon führte dosisabhängig zu einer guten, lang anhaltenden Analgesie, während nach Butorphanol-Gabe keine Verstärkung oder Verlängerung der Analgesie in der höheren Dosierung zu erreichen war. Morphin führte ausschließlich in der höheren Dosierung zu einer nachweisbaren, moderaten Analgesie.

 

abstract (englisch)

The purpose of the study was to evaluate the thermal antinociceptive effect of commonly used doses of morphine, butorphanol and levomethadone in horses. In addition, it was the purpose to examine the antinociceptive effect of increased doses of these opioids and associated side effects.

 

Eight healthy experimental horses with an age of 6-24 years and a bodyweight of 430-633 kg were used in the study. The cutaneous thermal nociceptive threshold was measured by means of ramped contact heat stimulation at the withers in unrestrained horses. The study was performed in a partly randomized, placebo-controlled, experimental and blinded cross-over design. Each horse received placebo (P = 0.9 % saline) and morphine (M0.1 = 0.1 mg/kg; M0.2 = 0.2 mg/kg), butorphanol (B0.1 = 0.1 mg/kg; B0.2 = 0.2 mg/kg) and levomethadone (L0.1 = 0.1 mg/kg; L0.2 = 0.2 mg/kg) in a lower and a higher doses with a wash out period of 14 days. For control-measurements, thermal thresholds were determined three times before medication. Horses received morphine, butorphanol, levomethadone or placebo i.v.. Thermal nociceptive thresholds were determined for 22.5 hours at preset time points (10, 30, 60, 90, 120, 240, 300, 360, 420, 540 and 1350 minutes). At each time point heart rate, respiratory rate, defecation, intestinal sounds, behaviour and skin temperature were documented.

Statistical analyses were performed using SAS version 9.3 (SAS Institute, Cary, NC). Statistical significance was attributed when p≤ 0,05. The comparison between the medications at each measurement point was calculated via analysis of variance and post hoc tukey-test. The comparison of the time points to the control for each medication was calculated via analysis of variance for repeated measurements with post hoc dunnetts-t-test.

 

In group M0.1 changes in thermal thresholds did not reach significance. Thermal threshold increased significantly in the groups M0.2, B0.1, B0.2, L0.1 and L0.2 for 240 min., 90 min., 90 min., 60 min. and 300 min., respectively. After administration of morphine, butorphanol and levomethadone, the horses showed dose-dependant increased locomotion, tremor, increased muscle tonus, head shaking, ataxia and sham feeding. As a result of the opioid injection the intestinal sounds decreased and there was delayed defecation. In group M0.1, B0.1, B0.2 and L0.1 no change in heart rate occurred, whereas a temporary increase in heart rate was seen in group M0.2 (t30) and L0.2 (t10, t30).There was no change in respiratory rate in any group.

 

Levomethadone induced a dose-dependant increase and prolongation of analgesia, whereas with butorphanol the increased dose did not improve cutaneous antinociception. Morphine only provided detectable moderate analgesia in a dose of 0.2 mg/kg.

 

keywords

Pferd, Schmerz, Opioide, horse, pain, opioids

kb

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