Dissertation

Tierärztliche Hochschule Hannover / Bibliothek – School of Veterinary Medicine Hannover / Library

Henrik Detlefsen

Haltung von nicht kupierten Schweinen in einer über die Vorgaben des Tierschutzlabels hinausgehenden, maximal angereicherten und kontinuierlich verbesserten Umgebung

 

NBN-Prüfziffer

urn:nbn:de:gbv:95-111161

title (eng.)

Keeping pigs with intact tails in conventional German pig farms under continuing optimised management, health parameters and improved enrichment

publication

Hannover, Tierärztliche Hochschule, Dissertation, 2018

text

http://elib.tiho-hannover.de/dissertations/detlefsenh_ss18.pdf

abstract (deutsch)

In der vorliegenden Untersuchung sollte geprüft werden, ob in den fünf, in das Projekt involvierten, konventionell produzierenden Schweinezucht- und -mastbetrieben Schweine mit nicht kupierten Schwänzen gehalten werden können. Während der Vorbereitung wurden die teilnehmenden Bestände einer umfassenden SchwIP Analyse unterzogen und der Gesundheitsstatuts der Tiere überprüft. Auf Basis dieser Ergebnisse wurden Empfehlungen zur Optimierung von Management, Haltung und Gesundheit erarbeitet. Die zu Projektbeginn empfohlenen und von den Betriebsleitern umgesetzten Maßnahmen wurden kontinuierlich kritisch evaluiert und falls nötig korrigiert bzw. erweitert. Die Untersuchung gliederte sich in drei aufeinander aufbauende Projektteile und umfasste insgesamt 24 Tiergruppen (n= 2511 Schweine), die von der Geburt bis zur Schlachtung über insgesamt 24 Lebenswochen verfolgt wurden. Die Tiere jeder Gruppe wurden mindestens einmal wöchentlich vom Autor untersucht. Neben der Untersuchung des allgemeinen Gesundheitszustandes der Tiere erfolgte eine Erhebung der Befunde am Schwanz. Verletzungen wurden detailliert mit Hilfe eines sensiblen Scores erfasst, der die Differenzierung akuter von chronischen, oberflächlicher von tiefgehenden und entzündeter von nicht entzündeten Verletzungen ermöglichte. Außerdem wurden Verletzungen mit oder ohne Gewebeverlust differenziert und verheilte Verletzungen erfasst. Das Vorkommen von Verletzungen am Schwanz im Verlauf der 24 Lebenswochen wurde für jede Gruppe separat, wie auch zusammenfassend ausgewertet. Schwanzbeißen konnte in allen in das Projekt involvierten Tiergruppen festgestellt werden. Die Läsionen an den Schwänzen variierten zwischen Verletzungen < 2 cm Durchmesser ohne eitrige Entzündung und ohne Gewebeverlust bis zu Verletzungen mit eitriger Entzündung und Gewebeverlust. Der Anteil an Schweinen, die bei Mastende einen intakten Schwanz hatten variierte zwischen null und 72,7 %. Projektteil übergreifend wurde bei 57,6 % der Ferkel am Ende der Ferkelaufzucht und bei 30,0 % der Mastschweine am Ende der Mast ein intakter Schwanz diagnostiziert. Die Anzahl an Schweinen mit intakten Schwänzen konnte von Projektteil 1 auf Projektteil 2 in der Ferkelaufzucht um 23,6 Prozentpunkte und zum Ende der Mast um 11,8 Prozentpunkte verbessert werden. Der Anteil an Mastschweinen mit intakten Schwänzen konnte in Projektteil 3 nochmals um 9,3 Prozentpunkte verbessert werden. Neben der Untersuchung der Tiere erfolgte jeweils auch eine Untersuchung der Tierumgebung (Stallklima, Fütterungs-, Tränktechnik) und der zwischenzeitlich durchgeführten Managementmaßnahmen. Alle Befunde, die aufgrund der Literatur als Belastung für Schweine zu bewerten sind (n = 54), wurden in den Kategorien „Management“, „Haltung“ und „Gesundheit“ über den Zeitraum der Säugephase, Aufzucht und Mast kumulativ summiert. Vorhandene Belastungen wurden durchgehend mit „1“ und das Fehlen der Belastung mit „0“ bewertet. Der Einfluss der Belastungen wurde anhand eines Vergleichs „hoch“ mit „weniger hoch“ belasteten Gruppen untersucht. Die Diskriminierung der Gruppen als „hoch“ bzw. „weniger hoch“ belastet erfolgte mithilfe eines Grenzwertes, der vorab auf 90 % des arithmetischen Mittelwertes aller Belastungen festgelegt und damit leicht in Richtung einer „weniger hohen“ Belastung verschoben war. Für die Auswertung wurden die 24 Gruppen – separat für jede Lebenswoche – der jeweils ermittelten kumulativen Belastung („hoch“ oder „weniger hoch“) zugeordnet und für jede Lebenswoche das Odds Ratio berechnet. Ab der 7. bis einschließlich der 18. sowie in der 20. und 22. bis 24. Lebenswoche war die Chance für Schweine in der Belastungskategorie „hoch“ einen nicht intakten Schwanz zu haben bzw. aus dem Projekt ausgeschlossen worden zu sein signifikant höher als in der weniger belasteten Vergleichsgruppe. Besonders ausgeprägt waren die Unterschiede in der 7. bis 12. Lebenswoche, in denen die Chance für einen nicht intakten Schwanz/Ausschluss in der Belastungskategorie „hoch“ zwischen 2,95- (95 % Konfidenzintervall 2,45 - 3,56) und 5,85-mal (95 % Konfidenzintervall 4,49 - 7,60) höher war, als in der Vergleichsgruppe. Für den Zeitraum der Ferkelaufzucht lässt sich somit ein sehr ausgeprägter Einfluss der Gesamtbelastungen auf das Vorkommen von Bissverletzungen am Schwanz nachweisen. In der Belastungskategorie „weniger hoch“ ist der Rückgang intakter Schwänze merklich später festzustellen, als in der Belastungskategorie „hoch“. Die Ergebnisse lassen darauf schließen, dass das Kompensationsvermögen der Schweine bei „weniger hoher“ Belastung später überschritten war, als in der Belastungskategorie „hoch“. Die Ergebnisse geben somit quasi im Umkehrschluss Hinweise auf die Richtigkeit des „überlaufenden Fasses“ als Modell für die Entstehung von Schwanzbeißen.

abstract (englisch)

The focus of the presented study is on the effects of improved enrichment, continuing optimised management and health parameters promoting the prevention of tail biting in five conventional pig herds.

The study was divided into three consecutive parts and included a total of 24 groups (n = 2511 pigs). The examination of the pigs (general health status, tail lesions) was performed on a weekly basis (principle investigator) from birth to slaughter. Tail lesions were documented using a sensitive and validated score and were evaluated separately as well as together for each group. Tail biting was detected in all groups, with tail lesions varying between bite marks up to inflamed lesion (diameter > 2 cm) including the loss of tissue. The percentage of pigs with intact tails at slaughter varied between 0 % to 72.7 %. Overall, the percentage of pigs with an intact tail was 57.6 % at the end of rearing and 30.0 % at slaughter. When comparing parts one and two of the study the number of pigs with intact tails increased by 23.6 percentage points by the end of rearing and by 11.8 percentage points at the end of the fattening period. The number of fatteners with intact tails increased in part three again by 9.3 percentage points.

In addition to examining the animals, an examination of the animals’ environment (climate, feeding and drinking technique) as well as implemented management measures was carried out. All indications that might be stressful for pigs (n = 54) according to literature were cumulatively summed up under the categories “management”, “barn” and “health” during the suckling, rearing and fattening period. Existing stress was consistently rated as “1” and absence thereof as “0”. The influence of stress was examined in comparison to groups with “high” and “less” stress. Identification of those groups with a “high” or “less” stress level was established using the threshold value, set at 90 % of the arithmetic mean. For the evaluation, for each of the 24 groups the cumulative stress ("high" or "less") was assigned and the odds ratio was calculated. From the 7th to the 18th, in the 20th and 22nd to 24th week of life, the likelihood of pigs in the stress category “high” having a non-intact tail was significantly higher than in the “less stressed” group. Differences were most distinct from the 7th to the 12th week of life when the likelihood of a non-intact tail in the “high stressed” category was between 2.95 (95 % confidence interval 2.45 – 3.56) to 5.85 (confidence interval 4.49 - 7.60) times higher than in the “less stressed” group. Therefore, a strong influence of cumulative stress on the occurrence of tail biting during the rearing period could be shown. In the category “less stressed” the decline in the percentage of intact tails is noticeable later than in the "highly stressed" category. The results suggest that the compensatory capacity of the pigs was later exceeded in the "less stressed" than in the "high stressed" group.

keywords

Schwanzbeißen, Kupierverzicht, Tierwohl, tail biting, animal welfare, tail docking

kb

2.744