Dissertation

Tierärztliche Hochschule Hannover / Bibliothek – School of Veterinary Medicine Hannover / Library

Sarah Derking

Feldstudie an hochproduktiven Sauen zu Fütterungseinflüssen

auf die Entwicklung der Körpermasse und Rückenspeckdicke in der

Laktation sowie auf die Leistung der Ferkel (Wurfzuwachs)

 

NBN-Prüfziffer

urn:nbn:de:gbv:95-106282

title (engl.)

Field study on high-yielding sows on the influence of feed on the development of body mass and back fat thickness during lactation as well as on the performance of the piglets (litter gain)

publication

Hannover, Tierärztliche Hochschule, Dissertation, 2015

text

http://elib.tiho-hannover.de/dissertations/derkings_ss15.pdf

abstract (deutsch)

Ziel der vorliegenden Feldstudie war die Gewinnung von Grunddaten zur Fütterung hochleistender Sauen in der Laktation. Hierzu gehören insbesondere die Körpermasse und ihre Entwicklung, die Leistung (Ferkelzahl, Geburtsgewicht der Ferkel, Wurfmasse zum Absetzen) sowie Veränderungen in der Körperzusammensetzung der Sauen (Rückenspeckdicke als Indikator). Nicht zuletzt interessierten der Verlauf von Geburt und Puerperium sowie mögliche Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit im folgenden Reproduktionszyklus.

 

Die Untersuchung fand in einem Ferkelerzeugerbetrieb mit Sauen überwiegend dänischer Genetik von Juni bis Dezember 2013 statt. Sie umfasste insgesamt 130 Sauen in vier Durchgängen (D), die während der Laktation ein handelsübliches Alleinfutter für laktierende Sauen (Energiegehalt 13,4 MJ ME / kg TS) zwei- oder dreimal täglich restriktiv (D I und II), bzw. nahezu ad libitum erhielten (D III und IV). Zusätzlich wurde im vierten D, der in drei Gruppen aufgeteilt war (A, B, C), ein Ergänzungsfuttermittel (Leinsamen-Mais-Extrudat) fünf Tage a.p. bis fünf Tage p.p. (B) bzw. während des gesamten Untersuchungszeitraums (C) eingesetzt.

 

Durch die Quantifizierung der Futteraufnahme (FA) konnte die Energie- und Nährstoffaufnahme der Sauen ermittelt werden. Die Körperkonditions- und Leistungsentwicklung der Sauen in dem Zeitraum von einigen Tagen vor der Geburt bis zum Absetzen wurden anhand der Parameter Körpermasse (KM), Rückenspeckdicke (RSD), Body Condition Score (BCS) und Wurfmassen bzw. Wurfzuwachs ermittelt. Eine Beurteilung der Kotbeschaffenheit erfolgte im Durchgang IV durch den Kot-TS-Gehalt. Des Weiteren wurden die Wurfkennzahlen, klinische Erkrankungen sowie die Dauer des Absetz-Beleg-Intervalls erfasst.

 

Zur KM-Bestimmung wurde eine eigens konstruierte Waage bestehend aus zwei Wiegeplatten und einem zentralen Anzeigegerät verwendet. Die RSD-Messungerfolgte nach Vorgaben des Ausschuss für Leistungsprüfung und Zuchtwertfeststellung beim Schwein. Hierzu wurde das Lean Meater (Fa. Renco, Minneapolis, USA) verwendet.

 

Im Folgenden sind die wesentlichen Ergebnisse der Feldstudie zusammengefasst:

1. Die genutzten Sauen wiesen als Primipare direkt nach der Geburt eine mittlere Körpermasse von 194 kg auf. Bis zur Parität 5 stieg dieser Wert im Mittel auf 252 kg, ab dann war eine Konstanz erreicht.

2. Zwischen dem 3. Tag a.p. und der Wägung direkt p.p. verloren die Sauen im Mittel zwischen 18,8 kg (D IV A) und 29,2 kg (D I).

3. Die Zahl der insgesamt geborenen Ferkel betrug im Mittel 15,0 (D IV A) bis 18,5 Ferkel / Wurf (D IV C), die der lebend geborenen 13,6 (IV A) bis 16,4 Ferkel (IV C) und die der tot geborenen 1,36 (IV A) bis 2,10 Ferkel (IV C).

4. Die Wurfmasse zum Zeitpunkt der Geburt variierte ganz erheblich (zwischen im Mittel 17,4 kg, D IV A und 23,3 kg, D II). Zum Absetzen ergaben sich mittlere Wurfmassen zwischen 77,3 kg (D IV A) und 86,9 (D I) kg.

5. Die mittleren KM-Verluste der Sauen (direkt p.p. bis zum Absetzen nach einer Säugezeit von 24,4 bis 26,1 Tagen) variierten zwischen 1,44 kg (DIII) und 16,6 kg (D I), wobei dieser Parameter durch das Fütterungsregime beeinflusst war: Während die restriktiv gefütterten Sauen im Mittel einen KM-Verlust von 16,6 kg (D I) bzw. 14,5 (D II) aufwiesen, nahmen die Sauen, die nahezu ad lib. gefüttert wurden, in der 2. bzw. 3. Laktationswoche zwischenzeitlich zu.

6. Die Verluste in der RSD betrugen während der Laktation durchschnittlich zwischen 2,10 mm (IV C) und 3,50 mm (IV A). Obwohl es in einigen Gruppen mitunter zu Körpermassenzunahmen kam, gab es kaum Zunahmen der RSD.

7. Die Futteraufnahme der Sauen erreichte selbst bei ad lib. Fütterung 2 x / Tag im Mittel der Laktationstage (d1-25) maximal nur 77,0 MJ ME (D IV C) täglich.

8. Kalkuliert man aus der Wurfmassenentwicklung unter Berücksichtigung der Festfutteraufnahme der Ferkel die Milchleistung der Sauen, so ergaben sich im Mittel zwischen 10,5 l und 11,4 l pro Sau und Tag. 10 % der Sauen erreichten Werte von 13,4 l, das Maximum lag bei 15 l pro Tag.

9. In dem Betrieb war mit i.d.R. unter 15 % erkrankten Sauen keine größere MMA-Problematik zu beobachten. Die mittlere Körperinnentemperatur betrug am 1. Tag p.p. ca. 38,8°C. Dabei gab es vereinzelt Sauen, die eine Körperinnentemperatur von über 39,5°C ohne weitere klinische Symptome (normale FA, kein unphysiol. Lochialfluss, keine Mastitis) aufwiesen.

10. Das Absetz-Beleg-Intervall war bei den ad lib. gefütterten Sauen tendenziell kürzer (zwischen 4,64 (IV A) und 4,93 Tagen (III); ausgenommen IV B mit 8,55 Tagen) als bei den Sauen der restriktiv gefütterten Gruppen (7,19 / 7,13; I / II).

 

Das Ziel, den Energiebedarf von Sauen auch in der Laktation zu decken und trotz hoher Leistungen nur geringe Einbußen in der Körperkondition zu erreichen, kann durch Maßnahmen des Fütterungsmanagements nur bedingt erreicht werden. Durch eine höhere Frequenz der Mahlzeiten sowie eine ad-libitum-Fütterung ist die Futteraufnahme zu steigern. Der Körpermassenverlust verringert sich insbesondere durch eine ad-libitum-Fütterung, ebenso der Verlust an Rückenspeckdicke. Die Ergänzung mit einem energiereichen Futtermittel kann zu einer zusätzlichen Energie und Nährstoffaufnahme führen und die Entwicklung der Sauen positiv beeinflussen. Bei vergleichbarer Wurfleistung behalten die Sauen demnach eine bessere Körperkondition, was sich unter anderem auf die Fruchtbarkeit der Tiere auswirken kann. In der vierten Laktationswoche verloren die Tiere in allen Durchgängen zwar noch Körpermasse und Rückenspeck, dieser RSD-Verlust war insbesondere bei den ad libitum gefütterten Sauen jedoch sehr gering. Somit gibt es keine Hinweise darauf, dass dieser zusätzliche Verlust bei entsprechender Fütterung in der Laktation für die Sauen von Nachteil ist, während eine vierwöchige Säugezeit für die Ferkel sowohl aus wirtschaftlicher als auch aus tierschutzrechtlicher Sicht zu bevorzugen ist.

abstract (englisch)

The aim of this field study was to gain basic data in feeding high performing sows during lactation, including body mass and its development, performance (number of piglets, litter weight at birth and weaning) as well as development of body composition of the sows (back fat thickness as an indicator). Besides, the course of parturition and puerperium and also the potential effects on the fertility concerning the next reproductive cycle was of interest.

 

The investigation took place in a piglet producing farm with sows of mainly Danish genetics from June to December 2013. 130 sows were allotted to four trials (T) and were fed standard mixed feed for lactating sows (energy content 13.4 MJ ME / kg dm) either twice or three times a day restrictively (T I and II), or almost ad libitum (T III and IV). A high energy feed supplement (mixture of extruded corn / flaxseed) was supplemented in T IV, which was divided into three groups (A, B, C) with the following procedure; five days a.p. to five days p.p. (B), resp. during the entire investigational period (C).

 

By quantifying the feed consumption, the energy and nutrient intake was determined. The development of the body condition and the performance of the sows in this period including a few days before parturition until weaning was investigated by the following parameters: body mass (BM), back fat thickness (BFT), body condition score (BCS) and litter mass resp. litter gain. An evaluation of the feces (dry matter content) was done in trial IV. Furthermore, clinical diseases, the interval from weaning to estrus and the key data on the litters were recorded.

 

For the measurement of the BM, specificially constructed scales were used, which consisted of two weighing boards and a display unit. The BFT was determined according to the guidelines for the individual performance testing of breeding sows. For this purpose, the lean meater (by Renco, Minneapolis, USA) was used.

 

The main results of this field study can be summarized as follows:

1. The average BM directly after parturition of the gilts amounted to 194 kg. Until the fifth parity, BM increased to an average of 252 kg, which stayed constant later on.

2. Between the three days a.p. and directly after parturition, the sows lost average between 18.8 kg (T IV A) to 29.2 kg (T I) on average.

3. The total number of piglets born per litter was between 15.0 (T IV A) and 18.5 (T IV C) piglets on average, the number of piglets born alive varied between 13.6 (T IV A) and 16.4 and the number of stillborn piglets between 1.36 (T IV A) and 2.10 (T IV C) on average.

4. The litter mass at birth varied considerably between 17.4 kg (T IV A) and 23.3 kg (T II) on average. At weaning, the litter mass came to 77.3 kg (T IV A) and 86.9 kg (T I) on average.

5. The sows’ BM-losses (directly p.p. until weaning after a lactation period of 24.4 to 26.1 days varied between 1.44 kg (T III) and 16.6 kg (T I). This parameter was influenced by the feeding concept. The sows fed restrictively lost on average 16.6 kg (T I) resp. 14.5 (T II) BM during lactation, whereas the sows fed almost ad libitum gained weight in the second resp. third week of lactation.

6. The losses of BFT amount to 2.10 mm (T IV C) to 3.50 mm (T IV A) on average. Although there was an increase in BM within some groups, there was rarely a gain in BFT.

7. The energy intake of the sows reached only 77.0 MJ ME per day on average in lactation (T IV C; d1 – 25), even when fed almost ad libitum twice a day.

8. Calculating the milk yield from the litter weight gain considering the piglets’ feed intake, it amounted to 10.5 l to 11.4 l per sow and day on average. 10 % of the sows reached a performance of 13.4 l, the maximum was about 15 l per day.

9. Usually less than 15 % of the sows were suffering from the MMA-syndrome. The body internal temperature on the first day p.p. was about 38.8°C on average. Some sows reached temperatures of more than 39.5 °C without further clinical symptoms (normal feed intake, no unphysiological vaginal discharge, no mastitis).

10. The sows fed almost ad libitum tended to have a shorter interval from weaning to estrus (between 4.64 (IV A) and 4.93 (III) days on average, with the exception of IV B; 8.55 days) than the sows fed restrictively (7.19 / 7.13; I / II).

 

Meeting the energy requirements of sows in lactation and suffering only from marginal BM and BFT losses despite a high performance is an aim which can only partly be achieved. A higher frequency of meals and an ad libitum feeding increased the feed intake. The loss of body mass, as well as the loss of back fat, is in particular reduced by an ad libitum feeding regimen. The addition of a high energy feed can result in an additional energy and nutrient intake and positively influences the development of BM and BFT in sows. With a comparable litter gain, sows therefore keep a better body condition, which may affect i.a. their fertility. Still the sows in every trial lost body mass and back fat in the fourth week of lactation, this loss of back fat was very low particularly in the sows fed ad libitum. Thus, there is no evidence to suggest that this additional loss can be detrimental to the sows fed appropriately, whereas a suckling period of four weeks is an advantage to the piglets for economic as well as for animal welfare reasons.

keywords

Sauen, Fütterungseinflüsse, Körpermasse, sows, influence of feed, body mass  

kb

6.360