Dissertation

Tierärztliche Hochschule Hannover / Bibliothek – School of Veterinary Medicine Hannover / Library

Felicitas Norah Katharina Cording

Der Einfluss von losem Restgemelk auf Neuinfektionen von Milchdrüsen laktierender

Milchkühe

 

NBN-Prüfziffer

urn:nbn:de:gbv:95-107892

title (engl.)

Influence of residual milk on new infections in mammary glands of lactating cows

publication

Hannover, Tierärztliche Hochschule, Dissertation, 2016

text

http://elib.tiho-hannover.de/dissertations/cordingf_ss16.pdf

abstract (deutsch)

Mastitiden gehören weltweit zu den wirtschaftlich bedeutenden Erkrankungen in Milchviehherden. Ihre Entstehung hängt von einer Vielzahl an Faktoren ab. Neben akuten und chronischen Zitzenkonditionsstörungen, wird auch verbleibendes loses Restgemelk, also Milch, die nach dem Melken im Euter verweilt, als Ursache für die Entstehung von Masitiden angesehen. Ursachen für loses Restgemelk können sowohl technische Defekte als auch eine unzureichende Stimulation sein. Gründe für die Erhöhung der Abnahmeschwelle sind eine Verkürzung der Melkzeit und eine damit verbundene Reduktion der mechanischen Belastung der Zitze während des Melkvorgangs. Der Einfluss des losen Restgemelks in Folge höherer Abnahmeschwellen auf die Mastitisrate wurde bis jetzt nicht abschließend geklärt. Einigen Arbeiten zufolge besteht kein signifikanter Zusammenhang zwischen größeren Mengen an verbleibender Restmilch und einer Erhöhung der Inzidenz klinischer Mastitiden. Diese Untersuchungen wurden entweder in wissenschaftlichen Einrichtungen oder mit kleinen Tiergruppen oder Gruppen aus verschiedenen Rassen durchgeführt.

Im Rahmen dieser Studie wurde in zwei Herden die Abnahmeschwelle verändert. Die Herden bestanden aus Holstein-Friesian-Kühen und es wurde zwei- bzw. dreimal pro Tag gemolken. Die Tiere wurden einmal vor und zweimal nach der Umstellung auf eine andere Abnahmeschwelle untersucht. Die Euterbefunde (Zitzenform, Zitzenkuppenform, akute und chronische Zitzenkonditionsstörungen, Farbveränderungen) wurden dokumentiert und ausgewertet. Die Bestimmung des Ausmelkgrades erfolgte nach dem Melkvorgang und vor Bestimmung der Zitzenkondition durchgeführt. Konnte beim 5. Stripversuch noch Milch aus dem Euter gewonnen werden, hatte das Euter einen ungenügenden Ausmelkgrad. Ansonsten wurde es als ausgemolken eingestuft. Zu jedem Zeitpunkt wurden zusätzlich Viertelgemelksproben bei denjenigen Tieren gezogen, die einen somatischen Zellzahlgehaltsanstieg >200.000 Zellen/ml in der letzten Milchleistungsprüfung hatten. Milchmenge und Melkdauer wurden ebenfalls erfasst.

Der Anteil ungenügend ausgemolkener Tiere sank in Betrieb A von 60,4 % auf über 54,7 % und sank dann auf 41,7 %. In Betrieb B lag er zu Zeitpunkt 1 bei unter 35 %, stieg dann aber auf über 60 % an. Sowohl der Betrieb als auch der Untersuchungszeitpunkt waren mit dem Ausmelkgrad assoziiert (P < 0,05). Es konnte festgestellt werden, dass eine Veränderung der Abnahmeschwelle zu einer Veränderung des Ausmelkgrades geführt hat. In Betrieb A waren nach der Umstellung 14 Tieren neu infiziert, in Betrieb B ein Tier, nach der zweiten Umstellung in Betrieb B sieben Tiere. Eine Assoziation des Ausmelkgrades mit dem Auftreten von Neuinfektionen konnte nicht festgestellt werden (P > 0,05), jedoch bestand eine Assoziation zwischen Ausmelkgrad und Betrieb (P < 0,05).

In beiden Betrieben dominierten  runde Zitzenkuppen mit einem Anteil von über 75%,  tellerförmige mit einem Anteil von über 15% bzw. 20%. In Betrieb A waren zu Zeitpunkt 1 und 2 über 50% und zu Zeitpunkt 3 über 40% der Zitzen ohne Anzeichen einer akuten Zitzenkonditionsstörung (Ödeme der ganzen Zitze oder im Bereich der Spitze bzw. Ringbildung an der Zitzenbasis). 70% der Zitzen waren nach dem Melkvorgang ohne farbliche Veränderungen.

In Betrieb B waren zu Zeitpunkt 1 über 45%, zu Zeitpunkt 2 über 35% und zu Zeitpunkt 3 über 45% der Zitzen ohne Anzeichen einer akuten Zitzenkonditionsstörung Über 80% der Zitzen wiesen nach dem Melkvorgang keine farbliche Veränderungen auf.

Melkgeschwindigkeit und Milchmenge konnten nur in Betrieb A bestimmt werden. Die mittlere Melkgeschwindigkeit lag zum Zeitpunkt 1 bei 2,67 kg/min, zu den Zeitpunkten 2 und 3 bei 2,42 kg/min und 2,41 kg/min. Mit der Milchmenge war der Untersuchungszeitpunkt assoziiert (P < 0,05).

Neben der Melkdauer und Zitzenkonditionsstörungen wird der nach dem Melkvorgang im Euter verbleibenden Milch ein entsprechender Anteil an der Mastitisentstehung zugesprochen. Der Einfluss dieser verbleibenden Milch sollte Anhand einer Veränderung der Abnahmeschwelle untersucht werden. In der vorliegenden Arbeit konnte gezeigt werden, dass eine Veränderung der Abnahmeschwelle zu einer Reduktion der Melkdauer führte. Eine Assoziation des Ausmelkgrades mit dem Auftreten von Neuinfektionen konnte jedoch nicht festgestellt werden. Die Ergebnisse weisen jedoch auch darauf hin, dass die Erhöhung der Abnahmeschwelle vermutlich ein geeignetes Instrument darstellt, um die mechanische Belastung des Zitzengewebes infolge des maschinellen Milchentzugs durch eine Verringerung der Melkzeughaftzeit zu reduzieren. Insgesamt kann geschlussfolgert werden, dass durch eine Erhöhung der nach dem Melken im Euter verbleibenden Menge an loser Restmilch nicht die Vermehrung euterpathogener Mikroorganismen – wie dies häufig in der Praxis vertreten wird - gefördert wird.

Weitere Untersuchungen sind notwendig, um zu prüfen, ob die erzielten Ergebnisse auch auf Betriebe mit u.a. Tieren anderer Rassen, einer anderen Melktechnik und einem anderen Spektrum euterpathogener Mikroorganismen übertragbar sind.

 

abstract (englisch)

Economically, mastitis belongs to the most important diseases in modern dairy herds. Its development depends on various factors. Besides short-term (acute) and long-term (chronic) changes in teat condition the amount of residual milk, meaning milk that stays in the udder after milking, is in the focus of causing mastitis. Technical defects as well as inefficient stimulation of the teat can cause higher amounts of residual milk. In order to shorten milking times and to reduce machine-on time the switch levels of automatic clusters removers (ACR) can be increased. The effect of residual milk on mastitis as a consequence of higher switch levels could not be observed in several studies. According to several studies residual milk has no significant effect on the development of mastitis. These studies took place in either a research environment, with only a few animals or with mixed breeds.

During the present study, switch levels of ACR were set to a higher level in two dairy farms. The herds of Holstein-Friesian dairy cows were milked twice or three times a day, respectively. Results concerning the udder (teat and teat-end-shape, acute and chronic changes in teat condition and change in color) were recorded and evaluated.

At each examination (three visits each) the amounts of residual milk were measured. This examination was performed after milking and before the evaluation of teat shape and teat condition. The number of strippings indicates if an udder was empty or not. If milk could be detected with 5 or more strips, residual milk was left in the udder. Otherwise is was classified as empty. Additionally quarter milk samples were taken if somatic cell count was higher than 200.000 cells/ml at the last DHI sampling. Milk yield and milking time were evaluated as well.

At the first visit over 60 % of the animals in farm A and over 35 % in farm B showed residual milk after milking. Over 40 % and over 60 % of the animals in farm A and B, respectively, showed residual milk at 3rd visit. The farm as well as the visit were associated with the amount of residual milk left in the udder (P < 0.05).

A change in automatic switch level led to a change in the amount of residual milk left in the udder. Fourteen animals in farm A showed new infections, but only one animal in farm B. After the second switch level adjustment in farm B seven animals showed new infections. An association between amount of residual milk and the occurrence of new infections could not be shown (P > 0.05). There was no association between amount of residual milk and farm (P < 0,05)

Teat end shapes were mainly round (>75%) and flat (> 15% in farm A and > 20% in farm B). In farm A >50% (1st and 2nd visit) and >40% (3rd visit) showed no signs of short-term changes in teat condition (swelling or firmness affecting the whole teat or only teat-end as well as swelling on teat base). Seventy percenet had no change in color after milking.

In farm A >45 % showed no signs of short term changes in teat condition at 1st and at 3rd visit as well as >35% at 2nd visit, respectively. Over > 80 % had no change in color after milking. Milking time and milk yield could only be studied in farm A. The mean milking time was 2.67 kg/min at the first visit. 2.41 kg/min and 2.42 at the second and third visit. The milk yield was associated with the visit (P < 0.05).

Besides machine-on-time and teat condition the amount of residual milk is supposed to affect mastitis. By changing switch level thresholds the effect of residual milk should be examined. Due these changes a reduction in machine-on time was shown. An association between amount of residual milk and risk of new infection could not be observed.

The results of the present study suggest that higher switch levels reduce the machine-on time and lead to a better teat condition. It can be concluded, that higher amounts of residual milk do not promote the growth of mastitis causing pathogens in the udder. Further studies are needed in order to conclude if above results can be transferred to other farms with animals of different breed, different milking equipment and a different distribution of pathogenic microorganisms.

 

keywords

Restgemelk, Neuinfektionsrate, Mastitis, residual milk, influence on new infections, mastitis

kb

6.803