Dissertation

Tierärztliche Hochschule Hannover / Bibliothek – School of Veterinary Medicine Hannover / Library

Susanne Elisabeth Busko

Effekte einer intensiven Aufzucht von Holstein-Kälbern auf Gewichtsentwicklung und Gesundheitsstatus vor dem Absetzen: eine Feldstudie

 

NBN-Prüfziffer

urn:nbn:de:gbv:95-110385

title (eng.)

Effects of intensive rearing of Holstein calves on performance and health status during the milk feeding period: a field study

publication

Hannover, Tierärztliche Hochschule, Dissertation, 2017

text

http://elib.tiho-hannover.de/dissertations/buskos_ws17.pdf

abstract (deutsch)

Ziel der vorliegenden Arbeit war es, im Rahmen einer Feldstudie an einer großen Anzahl von Kälbern bei einer intensiven Fütterung in den ersten drei Lebenswochen die Tränkeaufnahme und damit gegebenenfalls verbundene Effekte auf die Entwicklung und den Gesundheitsstatus der Tiere bis zum Absetzen (im Alter von rund 10 Wochen) zu untersuchen.Es wurden auf zwei Milchviehbetrieben in Norddeutschland insgesamt 1.130 männliche und weibliche Holstein-Kälber, die im Zeitraum von März 2012 bis September 2013 geboren wurden, während der Aufzucht verfolgt. Die Kälber wurden in den ersten zwei bis drei Lebenswochen einzeln aufgestallt und zweimal täglich mit jeweils 6 bis 8 L Vollmilch getränkt („semi-ad libitum“). In der anschließenden Gruppenhaltung wurden täglich 6 L Milchaustauscher über einen Tränkeautomaten angeboten; es erfolgte ab der 7. Lebenswoche eine stufenweise Reduzierung bis zum Abtränken in der 10. Lebenswoche. Das Geburtsgewicht, die Parität der Kuh und die Tränkeaufnahme pro Fütterung, Erkrankungen und Behandlungen sowie die Körpermasseentwicklung vor und nach der Umstallung in die Gruppenbox sowie dem Absetzen wurden dokumentiert. Auf Betrieb A wurden zudem 90 männliche Kälber innerhalb von etwa 20 Monaten auf ein mittleres Schlachtgewicht von 409 kg gemästet, deren Mastergebnisse mit den Wachstumsraten während der Aufzucht in Beziehung gesetzt wurden.Männliche Kälber waren bei der Geburt 4 – 6 kg schwerer, Kälber pluriparer Kühe 4 – 6 kg schwerer als Kälber primiparer Kühe. Der Body Condition Score und die Milchleistung der Kuh korrelierten nur auf Betrieb A signifikant mit dem Geburtsgewicht des Kalbes (r=0,09 bzw. 0,11).

In der ersten Lebenswoche nahmen die Kälber auf dem Betrieb A durchschnittlich 6,9 ± 1,0 L Milch pro Tag auf, auf Betrieb B 7,9 ± 1,5 L. In der zweiten Lebenswoche stieg die Vollmilchaufnahme auf 7,4 ± 1,3 bzw. 9,1 ± 1,8 L/Tag (Betrieb A bzw. B) und in der dritten Lebenswoche auf 8,4 ± 1,6 bzw. 9,4 ± 2,1 L/Tag (A bzw. B).

Das Geburtsgewicht und die Tränkeaufnahme in der ersten Lebenswoche korrelierten positiv (r=0,4); es bestand ebenso eine positive Korrelation zwischen der Tränkeaufnahme in der ersten, zweiten und dritten Lebenswoche (r=0,5).

Es ergaben sich Tageszunahmen der Kälber in der Einzelhaltung von durchschnittlich 840 bzw. 780 g/Tag (Betrieb A bzw. B). Tränkeaufnahme und Tageszunahmen waren positv korreliert (r=0,4). Männliche Kälber nahmen 0,6 – 1,8 L/d mehr Tränke auf und erreichten ca. 50 g/d höhere Tageszunahmen als weibliche Kälber. Ebenso wiesen Kälber pluriparer Kühe eine um 0,6 – 1,6 L/d höhere Tränkeaufnahme als Kälber primiparer Kühe auf, jedoch ohne signifikanten Unterschied in den Tageszunahmen. Bei 54 gesunden weiblichen Einlingskälbern von Betrieb B erfolgte eine detailliertere Auswertung der Tränkeaufnahme. Von Tag 1 bis 4 stieg die Tränkeaufnahme, um ab dem 5. Lebenstag ein Plateau bei etwa 6 L pro Fütterung (d.h. 12 L pro Tag) zu erreichen. Je höher die Tränkeaufnahme in den ersten vier Lebenstagen war, desto mehr Milch nahmen die Kälber auch in den folgenden Tagen der Einzelhaltung auf (r=0,40). Prinzipiell tranken die Kälber entweder sehr konstant oder eher inkonstant. Der Medianwert des Variationskoeffizienten für die intraindividuelle Varianz der Tränkeaufnahme zwischen dem 5. und 14. Lebenstag pro Fütterung betrug 0,29. Der Variationskoeffizient für die interindividuelle Varianz der Tränkeaufnahme erreichte einen mittleren Wert von 0,40. Einer der Gründe dafür war die neonatale Diarrhoe, die bei 40,2 bzw. 51,0 % der Kälber (Betrieb A bzw. B) beobachtet wurden. Die mittlere Erkrankungsdauer betrug lediglich 1 Tag. Tiere mit undifferenzierter Omphalitis nahmen auf Betrieb A rund 0,4 L/d weniger Tränke auf und erreichten um 70 g geringere Tageszunahmen als gesunde Kälber.Die Tränkeaufnahme variierte nicht zwischen den Jahreszeiten. Die Tageszunahmen in der Zeit der Gruppenhaltung betrugen ca. 850 g/d (Betrieb A) bzw. 600 g/d (Betrieb B) und korrelierten nicht mit den Tageszunahmen in der Einzelhaltung. Das Management hatte insbesondere bei der Gruppenhaltung einen wichtigen Einfluss: Eine Umstallung vor der dritten Lebenswoche und die Zusammenstellung altersgemischter Gruppen am Tränkeautomaten, insbesondere aber auch die Inzidenz respiratorischer Erkrankungen in dieser Phase führten zu verminderten Tageszunahmen von ca. -50 g/d gegenüber gesunden Tieren. Die mittlere tägliche Zunahme zwischen Geburt und Schlachtung von 90 Mastbullen (Betrieb A) korrelierte signifikant mit den Tageszunahmen in der Gruppenhaltungsphase der Tränkeperiode (r=0,27). Ein signifikanter Einfluss des Geburtsgewichts und der Tageszunahme während der Einzelhaltung auf die Mastergebnisse war nicht nachweisbar. Es lässt sich schlussfolgern, dass eine intensive Fütterung von Aufzuchtkälbern in den ersten zwei bis drei Lebenswochen praktikabel ist und hohe tägliche Zunahmen in der Tränkeperiode ermöglicht. Die Studie zeigte zudem, dass zusätzlich zu der Tränkeintensität das Haltungs- und Hygienemanagement auf dem Betrieb den Aufzuchterfolg maßgeblich bestimmt.

abstract (englisch)

The objective of this field study was to investigate the effects of intensive feeding of milk / milk replacer in the first three weeks of life on the intake of the liquid diet and possibly resulting effects on performance and health status until weaning (at the age of 10 weeks) in a large number of calves. 1130 both male and female Holstein calves, born between March 2012 and September 2013 on two commercial dairy farms in northern Germany, were monitored during the rearing period. Calves were individually housed in the first two to three weeks of life and fed 6 to 8 L (“semi-ad libitum”) twice daily. After they were moved to group housing period, they were fed milk replacer via an automatic feeder and were gradually weaned until day 67. Birth weight, parity of the dam, milk feed intake per feeding, health disorders and medical treatments were recorded as well as the body weight when they were moved to group housing (at 2-3 weeks of life) and after weaning (about day 70). 90 male calves from farm A were fattened during about 20 month to an average slaughter weight of 409 kg; weight gain during fattening was correlated to weight gain during the milk feeding period. Male calves were 4 – 6 kg heavier at birth than female calves; calves of pluriparous cows were 4 – 6 kg heavier than those of primiparous cows. Body Condition Score and milk yield of the cow were positively correlated to the birth weight of the calf only at farm A (r=0.09 respectively r=0.11).

The average milk intake in the first week of life was 6.9 ± 1.0 L per day on farm A and 7.9 ± 1.5 L/d on farm B. In the second week, milk intake increased to 7.4 ± 1.3 and 9.1 ± 1.8 L/d (farm A respectively B) and in the third week to 8.4 ± 1.6 respectively 9.4 ± 2.1 L/d (A respectively B). The higher the birth weight of a calf was, the higher was the milk intake in the first week (r=0.4); a positive correlation between milk intake in week 1, 2 and 3 could be found (r=0.5). Daily weight gain during the single housing period varied at about 840 respectively 780 g/d (farm A respectively farm B). Milk intake and daily weight gain were positively correlated (r=0.4). Milk intake was 0.6 – 1.8 L and daily weight gain 50 g/d higher for male calves than for females. Calves of pluriparous cows drank 0.6 – 1.6 L/d more milk than calves of primiparous cows, but weight gain did not differ significantly. A more detailed evaluation of milk intake behaviour was carried out in 54 healthy female singleton calves on farm. The amount of milk intake increased from day 1 to 4 and reached a plateau on day 5 at about 6 L per feeding. The higher the milk intake in the first four days of life was, the higher was the milk intake in the following days of single housing period (r=0.40). Calves drank either very constant amounts of milk or otherwise relatively inconstant. Median of intraindividual coefficient of variation of milk intake between day 5 and 14 per feeding was 0.29. The coefficient of variation for interindividual variance was 0.40. One explanation for that was neonatal diarrhoea which occurred in 40.2 respectively 51.0% of the calves (farm A respectively farm B). Mean duration of diarrhoea was 1 day. Calves at farm A that were affected by omphalitis drank 0.4 L/d less and daily weight gain was about 70 g/d lower than healthy calves. Milk intake did not differ depending on the season. Daily weight gain during the group housing period (week 3 – 10) achieved about 850 g/d (farm A) respectively 600 g/d (farm B) and did not correlated with daily weight gain during single housing period. The influence of the management was strong during group housing period: Negative impacts are caused by early grouping before week 3, arrangement of age-mixed groups at the automatic feeder and especially respiratory diseases in this period, resulting in about -50 g/d reduced daily weight gain compared to healthy calves. Average daily weight gain from birth to slaughter of the 90 bulls on farm A was significantly correlated to the weight gain during group housing period at the automatic feeder (r=0.27). A significant impact of birth weight and daily weight gain during single housing period was not found. In conclusion, intensive feeding with milk / milk replacer during the first weeks of life of a calf is found to be practicable on large dairy farms and resulted in high daily weight gain. In this study, it was also demonstrated that in addition to the intensity of milk feeding the management of housing and hygiene at the farm contributed essentially to the success of rearing performance.

keywords

Milchaufnahme, Holstein Kälber, intensive Aufzucht, milk intake, Holstein calves, intensive rearing

kb

3.361