Dissertation

Tierärztliche Hochschule Hannover / Bibliothek – School of Veterinary Medicine Hannover / Library

Julia Brinkmann

Verhalten sich kastrierte Hunde anders als nicht kastrierte? – Ergebnisse einer Besitzerbefragung

 

NBN-Prüfziffer

urn:nbn:de:gbv:95-107143

title (engl.)

Behavioural differences between adult gonadectomized and intact pet dogs – results of an owner survey

publication

Hannover, Tierärztliche Hochschule, Dissertation, 2015

text

http://elib.tiho-hannover.de/dissertations/brinkmannj_ws15.pdf

abstract (deutsch)

Für diese Dissertation wurden Hundebesitzer zu Gesundheit und Verhalten ihres Hundes befragt. In eine erste Auswertung gesundheitlicher Aspekte gingen die Daten von 6854 Hunden ein, verhaltensbezogene Angaben wurden für 1063 Hunde zwischen vier und acht Jahren ausgewertet. Die Einschätzungen der Besitzer wurden mit Geschlecht, Alter, Reproduktionsstatus (im Sinne von kastriert oder intakt) und Alter zum Zeitpunkt der Kastration des Hundes in Beziehung gesetzt. Kastrierte und intakte Hunde wurden im Durchschnitt sehr ähnlich eingeschätzt. Signifikante Unterschiede ergaben sich in Bezug auf Ängstlichkeit. Vor der sozialen Reife kastrierte Hunde wurden als ängstlicher eingeschätzt als intakte und später kastrierte Artgenossen. Es bestand kein Zusammenhang zwischen einer präpubertären Kastration und Aggression gegenüber gleichgeschlechtlichen Artgenossen. Kastrierte Rüden zeigten laut ihrer Besitzer deutlich häufiger Polyphagie als intakte Rüden.

Aus medizinischer Sicht und aus Verhaltensgründen ist weder die generelle Befürwortung noch Ablehnung einer Kastration von Hunden, die so gehalten werden, dass sie sich nicht unkontrolliert vermehren können, angemessen. Im Einzelfall kann unter Berücksichtigung des Verhaltens des Hundes, seiner „Nutzung“ und der Haltungsbedingungen eine Entscheidung für oder gegen den Eingriff durch Abwägen von Vor- und Nachteilen getroffen werden.

Die Notwendigkeit einer Kastration vor Erreichen der Geschlechtsreife ist besonders gut zu prüfen. Die Pubertät scheint, wie die Sozialisierungsphase, eine sensible Phase für die Gehirnentwicklung zu sein. Wie genau die gonadalen Hormone bei Hunden auf Reifungsprozesse im Gehirn und die Stresshormonausschüttung wirken und ob es individuelle Unterschiede, z. B. im Hinblick auf pränatale Androgenisierung gibt, ist noch nicht erforscht. Auch die Rolle extra-gonadal produzierter Sexualhormone ist unklar.

Bei Rüden empfiehlt sich aufgrund der individuellen Reaktionen auf die hormonelle Umstellung nach einer Kastration eine chemische Probekastration mittels eines GnRH-Agonisten.

abstract (englisch)

In order to detect differences between gonadectomized and sexually intact pet dogs an online survey for dog owners was created. Health issues were analysed from 6854 dogs and behavioural aspects from 1063 adult dogs between the ages of four and eight years. The observations made by the owners were correlated with sex, age, reproductive status and age at gonadectomy of the dogs. Only a few behavioural differences were found between gonadectomized and intact dogs. Dogs which were spayed/neutered before social maturity were considered to be more anxious than intact conspecifics. No association between prepubertal castration and aggression towards conspecifics of the same sex was found. Neutered males showed polyphagia much more often than intact males.

For dogs being kept without the possibility of uncontrolled reproduction, neutering should be considered on a case by case basis. Among others, the behaviour of the dog, its “use” and the housing conditions should be taken into account.

The requirement for prepubertal castration should be evaluated carefully. Like the socialisation phase, puberty seems to be a sensitive period for the brain development. How exactly the gonadal hormones act on maturation development and anxiety and if there are inter-individual differences in dogs has not yet been explored. The role of extra-gonadal produced sex hormones is unclear.

Due to a highly variable impact of neutering on behaviour of a male dog, a reversible downregulation of gonadal function with a GnRH-agonist is recommended.

keywords

Hund, Kastration, Verhalten, dog, spay/neuter, behavior 

kb

2.496