Dissertation
Tierärztliche Hochschule Hannover / Bibliothek – School of Veterinary Medicine Hannover / Library

 

Jana Biermann

 

Auswirkungen verschiedener Nabeldesinfektionsmittel auf die klinische und

sonographische Entwicklung des Nabels beim neonaten Fohlen

 

NBN-Prüfziffer

urn:nbn:de:gbv:95-95673

title (engl.)

 The effects of different disinfectants on the clinical and sonographical status of the umbilicus of neonatal foals

publication

Hannover, Tierärztliche Hochschule, Dissertation, 2008

text

http://elib.tiho-hannover.de/dissertations/biermannj_ws08.pdf

abstract (deutsch)

Nabelentzündungen sind ein häufig auftretendes Problem neonater Fohlen. Bei einer Infektion der Nabelstrukturen besteht das Risiko einer sich systemisch manifestierenden Infektion. Das Ziel dieser Studie war es, die Wirksamkeit verschiedener Nabeldesinfektions-mittel im Rahmen der Infektionsprophylaxe beim Fohlen zu überprüfen. Zu diesem Zweck wurden fünf verschiedene Desinfektions-protokolle am Nabel von insgesamt 98 Fohlen desselben Gestütes angewendet. Für die Desinfektion wurden Chlorhexidin (1%ig, 5 Tage 2x tägl.), PVP-Jodlösung (1%ig, 5 Tage 2x tägl.), PVP-Jodlösung (2%ig) mit zwei unterschiedlichen Anwendungsprotokollen (5 Tage 1x tägl. oder 3x am ersten Lebenstag) und eine ethanolhaltige Jodlösung (1%ig, 5 Tage 2x tägl.) eingesetzt.

Die Fohlen und insbesondere deren Nabel wurden in den ersten acht Lebenstagen täglich klinisch und zweimal sonographisch unter-sucht. Klinisch wurden Durchmesser und Feuchtigkeit des Nabels dokumentiert. Die Fohlen wurden entsprechend dem Feuchtigkeits-zustand ihres Nabels einer von drei Kategorien (trocken ab Lebenstag 2, feucht und nicht behandlungsbedürftig und feucht und be-handlungsbedürftig) zugeteilt. Sonographisch wurden Messungen der intraabdominalen Nabelstrukturen an festgelegten Schnittebenen am zweiten und am achten Lebenstag durchgeführt. Das Auftreten von Omphalitis und die Art der Behandlung wurden dokumentiert.

Zum Durchmesser des äußeren Nabels wurden keine signifikanten Unterschiede zwischen den Nabeldipp-Gruppen beobachtet. Im Mittel wurden hier gruppenübergreifend am ersten Lebenstag 1,5 ± 0,3 cm und am siebten Lebenstag 1,2 ± 0,3 cm dokumentiert. Der Unterschied zwischen Lebenstag 1 und Lebenstag 7 war innerhalb jeder Gruppe signifikant. Bei Fohlen mit einer Omphalitis war der Nabel ab dem zweiten Lebenstag und insbesondere am vierten Lebenstag signifikant größer als bei Fohlen ohne entzündliche Ver-änderung des Nabels. Fohlen, bei denen der Nabel mit alkoholischer Jodlösung gedippt wurde, zeigten häufiger (50 % entsprechend 9 von 18 Fohlen) einen feuchten Nabel als Fohlen der anderen Gruppen.

Sonographisch wurde ermittelt, dass der Durchmesser der Nabelvene im Bereich unmittelbar kaudal der Leber bei dorso-ventraler Messung (von 5,6 ± 1,4 mm zu 5,1 ± 1,3 mm) und bei latero-lateraler Messung (von 8,1 ± 1,7 mm zu 6,9 ± 1,3 mm) innerhalb der ersten Lebenswoche signifikant abnahm. Der dorso-ventrale Durchmesser der Nabelvene unmittelbar kranial des Nabelstumpfes nahm von 7,1 ± 2 mm zu 6,4 ± 1,5 mm signifikant ab. Auch der latero-laterale Durchmesser nahm von 9,9 ± 2,5 mm zu 8,3 ± 1,7 mm signifikant ab. Die Nabelarterien zeigten keine klinisch relevanten Veränderungen ihres Durchmessers innerhalb der ersten Lebens-woche. Hinsichtlich des Urachus wurde in der sonographischen Untersuchung nur der Befund erkrankt oder nicht erkrankt erhoben. Hier zeigten signifikant mehr Fohlen mit dem Nabeldipp einer zweiprozentigen PVP-Jodlösung (5 Tage 1x täglich angewendet) am zweiten Lebenstag eine Urachitis als Fohlen, deren Nabel in den ersten fünf Lebenstagen zweimal täglich mit einprozentiger alkoho-lischer Jodlösung gedippt wurde. Urachitiden waren die am häufigsten sonographisch diagnostizierten Nabelerkrankungen (n = 14), gefolgt von Omphalophlebitiden (n = 10) und Omphaloarteriitiden (n = 2) und patentem Urachus (n = 1).

Von den 98 Fohlen der Studie wurden insgesamt 32 Fohlen aufgrund einer Nabelinfektion medikamentös behandelt. Mit 65 % behandelten Fohlen in der Gruppe mit 2%iger PVP-Jodlösung einmal täglich über 5 Tage, 24 % behandelten Fohlen in der Gruppe mit dreimalig am ersten Lebenstag angewendeter 2%iger PVP-Jodlösung, 32 % behandelten Fohlen in der Gruppe mit 1%iger PVP-Jodlösung,    28 % behandelten Fohlen in der Gruppe mit alkoholischer Jodlösung und 15 % behandelten Fohlen der Chlorhexidin-Gruppe bestand ein signifikanter Unterschied in der Behandlungsrate zwischen den fünf Gruppen.  Dabei schnitt die Gruppe, in der die zweiprozentige PVP-Jodlösung 1x täglich über 5 Tage verwendet wurde, mit Abstand am schlechtesten ab. Das Ergebnis dieser Gruppe war mit 65 % zu behandelnden Fohlen signifikant schlechter als das Ergebnis der Chlorhexidin-Gruppe und schwach signifikant schlechter als die Ergebnisse der Gruppen, in denen der Fohlennabel mit alkoholischer Jodlösung oder mit zweiprozentiger PVP-Jodlösung nur am ersten Lebenstag gedippt wurde.

In der Chlorhexidin-Gruppe wurden drei Fohlen aufgrund einer Nabelinfektion einer Resektion der Nabelstrukturen unterzogen; zwei dieser Fohlen erkrankten allerdings erstmals im zweiten Lebensmonat. In der Gruppe, in der die 2%ige PVP-Jodlösung nur am ersten Lebenstag verwendet wurde, wurden bei einem Fohlen mit einer Urachusfistel die Nabelstrukturen chirurgisch entfernt.

Durch die niedrige Erkrankungsrate der Chlorhexidin-Gruppe kann dieses Präparat für die Desinfektion des Fohlennabels empfohlen werden. PVP-Jodlösungen in Konzentrationen über 1 % werden aufgrund der hohen Nabelerkrankungsrate nach der Verwendung dieses Nabeldipps als nicht geeignet befunden, um den Nabel des neonaten Fohlens zu desinfizieren. Bei Verwendung von Jodlösungen sollte auf die alkoholische Jodlösung zurückgegriffen werden oder die PVP-Jodlösungen sollten entsprechend auf eine geeignete Konzentration (0,1 bis 1 %) eingestellt werden.

 

abstract (englisch)

Omphalitis is a common problem in neonatal foals. With infection of the umbilical structures foals are at risk to get systemic diseases. This study was performed to evaluate the efficacy of different agents for umbilical disinfection for foals to prevent umbilical infection. Five groups of 20 foals were treated with different protocols of disinfection. Chlorhexidine (1 %, 5 days, twice daily), PVP-Iodine solution (1 %, 5 days, twice daily), PVP-Iodine solution (2 %) in two different dipping schemes (three times on the first day of foals` life or 5 days once daily) and an alcoholic iodine solution (ethanol 90 % and iodine 1 %, 5 days, twice daily) were used.

In the first eight days of life clinical examination of all foals was performed daily. The clinical examination evaluated size and wetness of the umbilical stump. The foals were assigned to three different categories according to wetness of the umbilicus (dry from day two, wet without treatment or wet with treatment). Sonographical examination was performed on day two and day eight of life and included measurements of the intraabdominal umbilical structures at defined sections.

The diameter of the external umbilical stump was not different between the five disinfection groups. Over all groups a mean diameter of 1.5 ± 0.3 cm on day one and a significant smaller diameter of 1.2 ± 0.3 cm on day seven of life were noted. The difference between day one and day seven was significant in each group. From day two until day seven foals that were diagnosed to have an omphalitis had a significantly larger umbilical stump diameter than foals without any sign of umbilical infection. The difference was maximal on day four. Foals that were treated with alcoholic iodine solution had more frequent (50 %) a wet umbilical stump than foals treated with any of the other disinfectants.

At sonography the dorso-ventral diameter of the umbilical vein immediately caudal to the liver decreased significantly from 5.6 ± 1.4 mm to 5.1 ± 1.3 mm. The latero-lateral diameter decreased as well from 8.1 ± 1.7 mm to 6.9 ± 1.3 mm. The diameter of the umbilical vein measured just cranial to the umbilical stump decreased from 7.1 ± 2 mm to 6.4 ± 1.5 mm (dorso-ventral) and from 9.9 ± 2.5 mm to 8.3 ± 1.7 mm (latero-lateral). The diameter of umbilical arteries did not decrease significantly within the first week of life. On day two the group dipped with 2 % PVP iodine solution for five days once daily showed significantly more affected urachal structures than the group that was dipped with alcoholic iodine solution. Urachitis (n = 14) was the most common diagnosed infectious alteration, omphalophlebitis (n = 10) and omphaloarteriitis (n = 2) were diagnosed less frequently and sometimes coexistent with urachitis. There was just one diagnosed case of an urachal fistula.

32 foals of the 98 foals of the study had to be treated because of umbilical infection. In the group disinfected with 2 % PVP-iodine solution for five days once daily 65 % of foals were treated because of omphalitis. In the group with 2 % PVP-iodine solution applied only three times on the first day of life 24 % of the foals were treated, in the group that was disinfected with 1 % PVP-iodine solution 32 % of the foals were treated, in the group of alcoholic iodine solution (1 %, twice daily for five days) 28 % of the foals were treated and in the chlorhexidine group 15 % of the foals were treated because of omphalitis. The treatment rate was significantly different between the five groups. Particularly foals of the group disinfected with 2 % PVP-iodine solution (65 %) for five days once daily showed significantly more umbilical infections than foals of the chlorhexidine group and foals of the groups that were treated with alcoholic iodine solution or PVP-iodine solution used three times on day one.

Three foals had to be treated surgically because of umbilical infection in the chlorhexidine group. Two of them did not show any umbilical alteration until the second month of life. One foal in the group dipped with 2 % PVP-iodine solution three times on the first day of life had to be treated surgically because of an urachal fistula.

The results of this study show that the use of chlorhexidine has a more beneficial effect in preventing umbilical infections (only 15 % of infected foals). PVP-iodine solutions with a concentration of more than 1 % were determined to be not suitable to treat foals`umbilicus. If iodine solutions are used, it should be preferred to use alcoholic iodine solution or PVP-iodine solutions in a concentration between 0,1 and 1 %.

 

keywords

(3 dt. + 3 engl.)

Nabel, Fohlen, Infektionsprophylaxe; umbilicus, foal, disinfection

kb

744