Dissertation

Tierärztliche Hochschule Hannover / Bibliothek – School of Veterinary Medicine Hannover / Library

Eva Ingrid Agnes Baake

Studie zur Ursache und Therapie der equinen rezidivierenden Uveitis

 

NBN-Prüfziffer

urn:nbn:de:gbv:95-110299

title (eng.)

Study on cause and therapy of equine recurrent uveitis (ERU)

publication

Hannover, Tierärztliche Hochschule, Dissertation, 2017

text

http://elib.tiho-hannover.de/dissertations/baakeeia_ws17.pdf

abstract (deutsch)

Die equine rezidivieredne Uveitis (ERU) ist eine Augenerkrankung, die vor allem durch wiederkehrende Entzündungsschübe verschiedener Augenabschnitte geprägt ist. Es gibt verschiedene äthiologische Theorien der ERU, von denen die „klassische ERU“ bis heute am häufigsten mit einer intraokularen Leptospireninfektion in Verbindung gebracht wird. Die Pars plana Vitrektomie ist derzeit eine vielversprechende Therapieoption und es gibt Hinweise darauf, dass diese Behandlungsmethode erfolgreicher ist, wenn intraokulare Antikörper gegen Leptospiren nachweisbar sind. Aus diesem Grund wird eine Kammerwasserpunktion betroffener Augen vor der Vitrektomie empfohlen. Der Nachweis einer intraokularen Infektion mit Leptospiren wird durch die Untersuchung von Kammerwasser oder Glaskörpermaterial aus betroffenen Augen erbracht. Gängige Nachweismethoden sind der Mikroagglutinationstest (MAT) zum Nachweis intraokularer Antikörper gegen Leptospiren, sowie die Polymerase-Kettenreaktion (PCR) zum Nachweis leptsospiraler DNA und die kulturelle Anzucht zum Nachweis vermehrungsfähiger Leptospiren. Die Nachweisrate aus intraokularem Material betroffener Augen mittels MAT, PCR und Kultur variiert in der Literatur deutlich.

In Teil 1 der vorliegenden Arbeit „Detection of intraocular leptospiral DNA, antibodies and Leptospira spp. in horses with equine recurrent uveitis in different laboratoriers” wird der Einfluss unterschiedlicher Labore auf Untersuchungsergebnisse und Nachweisraten identischer Glaskörperproben untersucht. Es wurden Glaskörperproben von 78 Pferden (93 Augen) zu Beginn der Vitrektomie gewonnen. Diese wurden gleichmäßig geteilt und an drei verschiedene Labore (L1, L2 und L3) in Deutschland versandt. Labor 1 und 2 untersuchten die Proben auf leptospirales Antigen mittels PCR, L1 und L3 untersuchten sie auf leptospirale Antikörper mittels MAT und L3 führte eine kulturelle Anzucht der Proben durch. Die Nachweisrate leptospiraler DNA lag bei 38 % (53/85) mittels PCR in L1 und L2. Die Übereinstimmung beider Labore lag bei 98%, lediglich zwei Proben erbrachten gegensätzliche Ergebnisse. Ein positiver Antikörpernachweis mittels MAT war im L1 bei 51% (45/88) der Proben und im L3 bei 41% (36/88) der Proben erfolgreich. Insgesamt zeigte der MAT eine Übereinstimmung der Ergebnisse von 71 %. Zusätzlich war die Übereinstimmung der MAT-Ergebnisse aus L1 und L3 serovar- und rasseabhängig. Die kulturelle Anzucht war in 16 % (12/75) der Proben erfolgreich. Insgesamt durchliefen 67 Glaskörperproben parallel alle Untersuchungen (PCR, MAT, Kultur) in allen drei Laboren (L1, L2, L3). Der Anteil an Glaskörperproben, die in mindestens einer Untersuchung ein positives Ergebnis hatten lag bei 57 % (38/67).

In Teil 2 der vorliegenden Arbeit „Long-term ophthalmologic examinations of eyes with equine recurrent uveitis after pars plana vitrectomy“ wird eine Langzeit-Verlaufskontrolle von an ERU erkrankten Pferden nach der Vitrektomie vorgestellt und die Ergebnisse in Kontext mit Faktoren wie Alter, Geschlecht, Rasse, Fellfarbe und Vorschädigungen der vitrektomierten Augen gesetzt. Es konnten 246 von 284 vitrektomierte Augen in einem Zeitraum von 17 bis 123 Monaten (Mittelwert: 64 Monate) nach der Vitrektomie evaluiert werden. Eine ophthalmologische Nachuntersuchung konnte an 147 Augen durchgeführt werden. Insgesamt zeigten 182 (74 %) der 246 evaluierten Augen im Zeitraum zwischen der Vitrektomie und der Evaluierung keine erneuten Entzündungsschübe des operierten Auges, wohingegen 27 (11 %) Augen unspezifische entzündliche Symptome zeigten und 37 (15 %) Augen nach der Vitrektomie entzündliche Schübe der gleichen Art, wie vor der Vitrektomie zeigten („Rezidiv“). Die Anzahl der Schübe vor der Vitrektomie, das Geschlecht der vitrektomierten Pferde und die Ergebnisse des Leptospirennachweises mittels MAT und PCR aus Glaskörpermaterial hatten keinen signifikanten Einfluss auf das Auftreten von Rezidiven. Pferde mit einer anderen Fellfarbe als fuchs, braun, rappe und dunkelbraun zeigten signifikant häufiger Rezidive, und Pferde mit einem ERU-Score von 5 und 3 zeigten signifikant häufiger Rezidive als Pferde mit einem ERU-Score von 2. Außerdem zeigten Pferde der Rasse „Knabstrupper“ signifikant häufiger Rezidive als alle anderen Rassen. Weiterhin konnte gezeigt werden, dass die meisten Rezidive in einem Zeitraum von zwei Monaten nach der Vitrektomie stattfanden (17/37). Dennoch trat auch nach bis zu 123 Monaten nach der Vitrektomie ein Rezidiv auf. Die Rezidivfreiheit nach der Vitrektomie lag für Warmblutpferde bei 88 %.

Im Hinblick auf die vorliegenden Ergebnisse des Kapitel I und II lässt sich keine Empfehlung bezüglich einer präoperativen Kammerwasseruntersuchung auf leptospirale Antikörper mittels MAT aussprechen. Vielmehr sollten Faktoren wie Rasse, Farbe, Alter und Vorschädigungen des betroffenen Auges für eine Entscheidung pro oder kontra Vitrektomie in Betracht gezogen werden.

abstract (englisch)

Equine recurrent uveitis (ERU) is an ocular disease characterized mainly by recurrent inflammatory episodes of different segments of the eye. There are numerous aetiological theories for the cause of ERU, but to date, the “classic ERU” is most commonly associated with an intraocular leptospiral infection. The pars plana vitrectomy has been the most promising treatment of ERU and is thought to be more successful in eyes with detectable leptospiral antibodies in the microscopic agglutination test (MAT) and therefore a preselection is recommended.

Vitreous material or aqueous fluid is examined by the MAT to detect leptospiral antibodies, the polymerase chain reaction (PCR) is used to detect leptospiral antigen and a cultural examination can detect living leptospires. The detection rate of ocular material from affected eyes is varying widely in Literature. The article “Detection of intraocular leptospiral DNA, antibodies and Leptospira spp. in horses with equne recurrent uveitis in different laboratories” examines the impact of different laboratories on the MAT- and PCR-results of the same vitreal samples. Vitreal samples were obtained from 93 eyes of 78 horses at the beginning of the vitrectomy. These samples were evenly split and sent to three different laboratories (L1, L2 and L3) in Germany. L1 and L2 performed a PCR, L1 and L3 carried out a MAT and L3 performed a cultural examination. The detection-rate of leptospiral DNA by PCR was 38 % in L1 and L2. The accordance was therefore 98 %, only two specimens showed deviating results. The MAT in L1 was positive in 51 % (45/88) of the vitreal samples and it was positive in L3 in 41 % (36/88) of the samples. The conformity was 71 % for L1 and L3, and it was moreover serovar- and breed-dependent. The cultivation of Leptospires was successful in 16 % (12/75) of the vitreal specimens. Overall, 67 vitreal samples were tested in all three laboratories. A positive result in at least one of the tests performed occurred in 57 % (38/67) of the samples.

The article “Long-term ophthalmologic examinations of eyes with equine recurrent uveitis after pars plana vitrectomy” gives a detailed prognosis for horses after the vitrectomy, based on long-term evaluations in context to age, gender, breed, coat colour and ocular damage prvious to the vitrectomy. A total of 246 of 284 eyes that underwent pars plana vitrectomy could be evaluated between 17 to 123 months ( 64 months) after the surgery. An ophthalmologic examination was performed in 147 eyes. Altogether, 182 (74 %) of the 246 evaluated eyes did not show any signs of ocular inflammation after the vitrectomy. Whereas 27 (11%) eyes had non-specific ocular inflammatory symptoms and 37 (15 %) eyes showed recurrences of the same magnitude as prior to the vitrectomy. The number of episodes prior to the vitrectomy, the gender of the horse, and the leptospiral status of the eye showed no significant influence on the amount of recurrences. Horses with a coat colour other than chestnut, black, brown and black-brown had significantly more recurrences and horses with an ERU-score of 5 and 3 had significantly more recurrences than horses with an ERU-Score of 2. Furthermore horses of the breed “Knabstrupper” showed significantly more recurrences than every other breed. Most of the recurrences occurred in a period of two months after the vitrectomy (17/37). Nevertheless, recurrences were seen up to 123 months after the vitrectomy. The rate for warmblood horses without recurrences was 88 %.

keywords

Pferd, Uveitis, Leptospiren ; horse, uveitis, leptospires

kb

6.095