Dissertation
Tierärztliche Hochschule Hannover / Bibliothek – School of Veterinary Medicine Hannover / Library

 

Amr Abd El-Wahab

 

Experimental studies on effects of diet composition (electrolyte contents), litter quality (type, moisture) and
infection (coccidia) on the development and severity of foot pad dermatitis
in young turkeys housed with or without floor heating

 

NBN-Prüfziffer

urn:nbn:de:gbv:95-100182

title (ger.)

Experimentelle Untersuchungen zu Auswirkungen der Futterzusammensetzung (Elektrolytgehalt), der Einstreuqualität (Art, Feuchte) und einer Darminfektion (Kokzidien) auf die Entwicklung und den Schweregrad der Fußballenerkrankung junger Puten bei unterschiedlicher Haltung (ohne/mit Fußbodenheizung)

publication

Hannover, Tierärztliche Hochschule, Dissertation, 2011

text

http://elib.tiho-hannover.de/dissertations/abdelwahaba_ws11.pdf

abstract (deutsch)

Die Fußballenentzündung (foot pad dermatitis, FPD) ist eine in der Geflügelhaltung verbreitet vorkommende Erkrankung, der gerade unter Tierschutzaspekten besondere Beachtung zukommt. Häufigkeit und Schweregrad dieser Erkrankung werden neuerdings sogar als Indikatoren für die Qualität von Haltung und Management insgesamt gesehen. Die Fußballenerkrankung ist als eine Kontaktdermatitis der Fußballen zu verstehen; entsprechende Veränderungen der Fußballen erstrecken sich über Rötung, Hyperkeratose bis hin zu Erosionen, Nekrosen oder gar tieferen Ulzera. Seit langem ist bekannt, dass es sich bei dieser Störung um eine multifaktorielles Geschehen handelt, in dem die Haltung, die Fütterung, das Management aber auch Infektionen eine maßgebliche Rolle spielen. Vor diesem Hintergrund wurden in den vorliegenden Studien folgende Fragen experimentell bearbeitet:

1.      Bei welchem Feuchtegehalt in der Einstreu („kritische Feuchte“) kommt es zu einer Häufung und/oder besonderem Schweregrad der FPD?

2.      Welche Bedeutung hat die Einstreuqualität (Art und Feuchte) für die FPD, wenn parallel eine Fußbodenheizung eingesetzt wird oder auch nicht?

3.      Welche Bedeutung hat der Elektrolytgehalt im Futter für die Einstreuqualität und die FPD, und zwar bei einer Haltung ohne bzw. mit Fußbodenheizung?

4.      Welche Auswirkungen hat eine experimentell induzierte Kokzidiose auf die Einstreuqualität und die FPD (Effekte eines Mischfutters ohne Kokzidiostatika/Resistenzen bei Kokzidien)?

Material und Methoden:

Die experimentellen Untersuchungen gliederten sich in vier aufeinander folgende Versuche mit jungen Puten (B.U.T., Big 6), die ab der dritten Lebenswoche in 4 Gruppen (à 20 Tiere; Ausnahme Versuch 1 mit nur 18 Tieren) für 3 oder 4 Wochen verschiedenen Einflussgrößen und „Behandlungen“ ausgesetzt waren. Die äußeren makroskopischen ebenso wie die mikroskopisch-histologischen Untersuchungen erfolgten nach den von MAYNE et al. (2007) entwickelten Schlüsseln (scoring).

Versuch 1: Hierbei ging es um die Bedeutung der Einstreufeuchte; während die Tiere der Kontrollgruppe kontinuierlich auf trockener Einstreu gehalten wurden, waren die Tiere der 3 Versuchsgruppen für 4 bzw. 8 h je Tag einer Einstreufeuchte von 65 %, 50 % bzw. 35 % ausgesetzt. Diese unterschiedlichen Feuchtegehalte in der Einstreu wurden durch Wasserzusatz erreicht und erhalten.

Versuch 2: In diesem Ansatz wurde ein Feuchtegehalt in der Einstreu von generell 35 % gewählt, und zwar bei Verwendung von Hobelspänen sowie von Lignozellulose, jeweils mit bzw. ohne Fußbodenheizung.

Versuch 3: Bei ausschließlicher Verwendung von Hobelspänen als Einstreumaterial wurden zwei unterschiedliche Mischfutter eingesetzt (normaler/überhöhter Elektrolytgehalt). Zusätzlich wurden die Hälfte der Tiere wiederum für 4 h der kritischen Feuchte von 35 % ausgesetzt und unter diesen Bedingungen der Fütterung und Haltung die Fußballengesundheit näher bewertet.

Versuch 4: Dieser Versuch umfasst insgesamt 2 Versuchsteile (der letzte stellt prinzipiell eine Wiederholung mit Wechsel der Behandlung in den Buchtenpositionen dar). In jeder Gruppe wurden nur 2 der 20 Tiere experimentell mit Eimeria adenoeides (~ 50.000 Oozysten/Tier) infiziert, die Ausbreitung der Infektion überwacht und am Ende die Bedeutung der Kokzidiose für die Fußballengesundheit näher evaluiert. Auch in diesem Versuch wurden Einstreufeuchte und Fußbodenheizung als zusätzliche Einflussgrößen mit bewertet (neben der kontinuierlichen Überwachung der Oozystenausscheidung in den Exkrementen).

Ergebnisse:

1.      Im Versuch 1 wurde die „kritische Feuchte“ mit ca. 35 % bestimmt, d.h. bei diesem Wassergehalt in der Einstreu stieg bei nur vierstündiger Exposition die Schwere der FPD im hier gewählten Versuchsdesign erstmals signifikant an.

2.      Im Versuch 2 erwies sich bei einem Vergleich von Hobelspänen und Lignozellulose die letztere als überlegen (histopathologischer Score: 1,7 ± 0,8 vs. 1,4 ± 0,7), und zwar insbesondere unter den Bedingungen eines Verzichts auf die Fußbodenheizung (mit Fußbodenheizung: 0,8 ± 0,2; ohne: 2,0 ± 0,8).

3.      Versuch 3 Die Verdopplung der Elektrolytgehalte im Futter hatte massive nachteilige Effekte auf die Einstreuqualität sowie die Fußballengesundheit (3,65 ± 1,00). Dieses blieb aus bei der Haltung mit Fußbodenheizung (2,36 ± 0,5), da wegen der dabei günstigeren Einstreuqualität der „Fehler“ in der Mischfutterkonzeption zumindest partiell kompensiert wurde.

4.      Versuch 4: Die experimentelle Kokzidien-Infektion hatte über die feuchteren Exkremente (Durchfall aufgrund der Infektion) erhebliche nachteilige Effekte auf die Einstreuqualität (TS-Gehalt: 53,8 %; mit Fußbodenheizung: 87,1 % ± 2,9) und dadurch auch auf die Fußballengesundheit. Auch unter diesen Bedingungen hatte die experimentelle Feuchte der Einstreu, aber auch die Nutzung der Fußbodenheizung die o.g. Auswirkungen auf die Fußballen.

Schlussfolgerungen:

Der Feuchtegehalt in der Einstreu und die Expositionsdauer (Haltung/Kontakt mit feuchter Einstreu) bestimmen maßgeblich Vorkommen und Schweregrad der Fußballenerkrankung. Die Lignozellulose ist unter dem Aspekt der Vermeidung von Fußballenerkrankungen eindeutig als vorteilhafter/günstiger anzusehen als Hobelspäne (allerdings sollten die höheren Kosten mit 5 €/qm2 nicht unerwähnt bleiben). Wenn das Mischfutter richtig zusammengesetzt ist, keine hohe Besatzdichte und auch keine enteralen Infektionen vorliegen, besteht keine Notwendigkeit zur Einrichtung einer Fußbodenheizung. Gibt es aber in den genannten Bereichen Fehler oder Mängel, so ist die Fußbodenheizung ein probates Mittel der Kompensation der oben genannten Mängel bzw. zur Förderung der Fußballengesundheit. Besondere Erwähnung verdienen in diesem Zusammenhang auch Kokzidiosen, die sich beispielsweise aus Fehlern bei der Mischfutterproduktion oder auch aus Resistenzentwicklungen bei Kokzidien ergeben können. In dem „Puzzle“ des multifaktoriellen Geschehens um die FPD gibt es – wie hier in den verschiedenen Versuchen gezeigt werden konnte – viele mögliche Ursachen, aber auch Ansätze und Maßnahmen zur Entschärfung des Problems ebenso wie vielfältige Interaktionen, die man prophylaktisch nutzen kann und soll.

 

abstract (englisch)

Foot pad dermatitis (FPD) is a common disease and an important aspect of poultry welfare. In recent years the level of FPD has been used to characterise the health and welfare of poultry flocks. FPD is a type of contact dermatitis affecting the plantar region of the feet, with lesions surrounded by a reddening of the foot pads as a first symptom, then discoloration and hyperkeratosis often in combination with erosions and necrosis of the epidermis, with deep ulcers occurring in severe cases. Many factors have been implicated in the prevalence of FPD, however the most important cause is wet litter. Therefore, the following questions should be investigated and answered:

  1. What is the minimum level of moisture in the litter and/or the time of exposure that together result in elevated risks for FPD development?
  2. What is the effect of the litter material per se, i.e. at identical feeding/watering/housing conditions with and without floor heating?
  3. What are the interactive effects of high electrolyte contents in the diet, when concomitantly the modern technique of floor heating is available or not?

4.      What are the consequences regarding FPD, when coccidiosis develops (here due to an experimental infection/in the field caused by missing an effective cocciodiostat)?

Material and methods:

Four consecutive experiments were conducted on 2 week-old female turkeys (BUT-Big 6) over a period of 3 or 4 weeks. In each experiment, the birds were divided into 4 groups with 20 birds each (except in the first experiment 18 birds each). The external and histopathological scoring for foot pads were done according to MAYNE et al. (2007).

Experiment 1: The control group was housed on dry wood shavings continuously, whereas each other group was divided into two equal subgroups and exposed daily for 4 or 8 h to different moisture litter contents (35%, 50% and 65% DM) in adjacent separated boxes. These different moisture contents were achieved by adding water as required. All turkeys were fed ad libitum a commercial pelleted diet. Foot pads were assessed weekly for external and at the end of experiment for histopathological scoring.

Experiment 2: The first 2 groups were kept on wood shavings (35 % moisture) with and without floor heating, the other 2 groups on lignocellulose (35 % moisture) with and without floor heating. Half of birds in each group were housed for 8 h/d in adjacent separate boxes where the litter was kept clean and dry (85 % DM) throughout the experiment. The temperature at litter surface varied at 35 °C in boxes with floor heating vs. 25 °C in ones without floor heating. All turkeys were fed ad libitum a commercial pelleted diet.

Experiment 3: All birds were housed on wood shavings. Two groups were fed on normal dietary levels of electrolytes (1.7 g Na; 8.5 g K and 1.5 g Cl /kg), while the other two groups were fed on a diet with doubled levels (3.3 g Na; 15.7 g K and 3.2 g Cl /kg). For each dietary treatment, half of the birds were exposed to floor heating. Half of birds in each group (n = 10) was exposed daily for 4 h in adjacent separate boxes on wood shavings litter with a “critical” moisture content (35 % water). In each experiment, foot pads were assessed weekly macroscopically and at d 35 for histopathological scores.

Experiment 4: Two replicated trials were done. All birds were fed ad libitum on identical pelleted diets without anticoccidia. The first 2 groups were kept on dry wood shavings with or without floor heating; the other 2 groups were housed on wet wood shavings litter with critical moisture content (35 %) with or without floor heating. Only two birds in each group were experimentally infected with E. adenoeides (~50.000 oocysts/bird) nominated as seeder birds and/or primary infected birds. Foot pads were assessed weekly for external scoring and at d 42 of life for histopathological scoring. The number of oocysts in excreta was determined repeatedly.

Results:

  1. In the first experiment, it was assumed that the “critical moisture content” for the development of FPD lesions is about 35 % litter moisture content. Furthermore, doubling exposure time (4à8 h) led to only slightly increased severity of FPD for the low litter moisture contents (35 and 50 % moisture) and a higher rise for the wettest litter treatment (65 % moisture) at the end of the trial.
  2. In the second experiment, lignocellulose as litter material resulted in significantly lower histopathological FPD scores (1.4 ± 0.7) compared with wood shavings (1.7 ± 0.8). Moreover, it was observed that lignocellulose showed the highest amount of dust compared with wood shavings. Using floor heating resulted in significantly lower FPD scores (0.8 ± 0.2) compared with groups without floor heating (2.0 ± 0.8). At using floor heating no significant differences were found between wet wood shavings and wet lignocellulose.
  3. In the third experiment, high dietary electrolytes increased the severity of FPD (3.65 ± 1), whereas floor heating decreased it significantly (2.36 ± 0.5) due to higher DM content in the litter. Combining low electrolytes levels with floor heating system reduced the severity of FPD by about 60 %, compared to high dietary electrolytes levels without floor heating. Using floor heating resulted in higher water:feed intake ratios (2.9 and 3.6) for birds fed normal or high dietary electrolytes vs. (2.3 and 2.8) for birds housed without using floor heating and fed normal or high dietary electrolytes.
  4. The coccidial infection resulted in markedly decreased DM contents in excreta and litter (14.4 % and 53.8 %) in the group exposed to wet litter without using floor heating. However, using floor heating resulted in the highest mean DM content of litter (87.1 % ± 2.9) and also the highest body weight (2626 g ± 159) despite coccidial infection. Using floor heating resulted in significantly lower FPD scores (1.7 ± 0.7) compared with groups without floor heating (3.3 ± 1.1). Birds exposed continuously to wet litter (35 % water) showed significantly higher FPD scores (3.0 ± 1.3) compared with groups unexposed to wet litter (2.0 ± 0.9).

Conclusions: Both factors (moisture content/exposure time) significantly and additively influenced severity of FPD. First significant increase of FPD was observed after exposure for 4 h on litter with 35% moisture. Additionally, lignocellulose seems to be a desirable litter material regarding FPD. However, lignocellulose will never be used for the whole fattening period (20 weeks), due to its high costs (12.5 kg/m2 = 5 €/m2). Furthermore, at well balanced diets, at proper stocking density and good health without infections in herds, there will be no need to implement floor heating. However, with floor heating mistakes during diet formulation can be compensated and guarantee a high litter quality and avoid FPD. Also, the present results suggest that watery excreta caused by coccidial infection led to a poor litter quality and hence increased the severity of FPD which can be overcome by using floor heating.

Thus, with increasing prevalence and severity of FPD on farms, the veterinarian has to think not only of the diet composition (electrolytes) and management but also of intestinal infections, such as coccidiosis which should not be neglected. Excreta quality and bedding material were markedly influenced by the coccidial infection resulting in higher FPD scores. In the “puzzle” of factors that may provoke FPD there is also a variety of measures to avoid or to minimize the wide spread problem in poultry production. At the end, this investigation presents diverse examples of interactions within the “puzzle” that have to be considered when reasons of FPD or measures against it are on debate.

 

keywords

Futterzusammensetzung, Fußbodenheizung, Fußballenerkrankung, diet composition, floor heating, foot pad dermatitis

kb

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